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Kultur

cukrowicz nachbaur

Ressourcenschonend und energiebewusst bauen

Das Architekturfestival Turn On gibt im März einen Überblick über die österreichische Architekturszene. Die Präsentationen werden durch Vorträge zum Thema Wohnen ergänzt. oe1.ORF.at hat die Vortragenden via E-Mail-Interview zu diesem Thema befragt.

Die beiden Vorarlberger Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur-Sturm betreiben seit 1996 das Architekturbüro cukrowicz nachbaur in Bregenz. Auf der Architekturmesse Turn On präsentieren sie gleich zwei Projekte: Das Stadtbad Dornbirn, bei dem ein Gebäudebestand aus den 1960er Jahren erweitert wurde, sowie das Gemeindezentrum St. Gerold (Vorarlberg), bei dem sämtliche Bauteile des Hauses aus Massivholz bestehen, das großteils aus gemeindeeigenen Wäldern stammt. Der kompakte Baukörper ist als Passivhaus konzipiert und energietechnisch nahezu autark. Das Gebäude gilt bereits jetzt als Musterbeispiel zu den Themen Ökologie, Nachhaltigkeit und heimische Wertschöpfung.

oe1.ORF.at: Gebaute Strukturen sind stets auch Ausdruck gesellschaftlicher Wirklichkeiten - auf der Mikroebene des Wohnungsgrundrisses ebenso wie auf der Makroebene der Stadtplanung. Welche Konzepte beobachten Sie augenblicklich in diesen Bereichen, und welche Entwicklungen interessieren Sie - sowohl national als auch international - besonders? Welche Entwicklungen erhoffen Sie?
cukrowicz nachbaur: Eine stärkere Durchmischung von sozialem und privat finanziertem Wohnbau, um Tendenzen einer Ghettoisierung entgegenzuwirken.

In den 1980er und 1990er Jahren wurden plakative "Themenstädte" - von der Stadt der Frauen bis zur autofreien Stadt - forciert. Wie beurteilen Sie rückblickend diese Versuche, ideale Wirklichkeiten unter Laborbedingungen herzustellen?
Gescheiterte Utopien.

Die jüngste Energiekrise hat die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern eindringlich ins Bewusstsein gerückt. Wie wichtig ist das Thema der Energieeffizienz für Sie und welche Auswirkungen hat es auf Ihre Architektur?
Das Thema halten wir für durchaus wichtig. Unsere Architektur ist eigentlich durch ihre Kompaktheit und Wirtschaftlichkeit ihrer Konzepte automatisch auch energieeffizient. Für uns ändern sich im Wesentlichen die Dämmstärken und die technischen Anforderungen. Insgesamt betrachtet halten wir den momentanen Stellenwert der Debatte samt ihren Ergebnissen als etwas zu überbewertet und zu einseitig betrachtet.

Wie schätzen Sie das heute sehr aktuelle Thema der Nachhaltigkeit oder auch das Thema der Sanierung in der Architektur generell ein?
Nachhaltig bauen heißt für uns neben einer ressourcenschonenden und energiebewussten Bauweise bauen mit langlebigen und robusten Materialien. Konzepte müssen um nachhaltig zu sein, flexibel sein und Umnutzungen zulassen.

Das Thema Wohnbau ist ein brisantes und wird in Wien besonders auch von politischer Seite sehr forciert. Wie sehen Sie das Thema Wohnbau - architektonisch, politisch, im Rahmen Ihres Werkes und Ihrer Auseinandersetzung?
Politisch über die Raumplanung und über die Wohnbauförderung. Die politische Seite betrifft uns nur indirekt. Architektonisch sehen wir das Thema Wohnbau extrem schwach besetzt, vorwiegend aus Budgetgründen.

Welche Wohnform bevorzugen Sie selbst?
Ruhige und zentrale Stadtlage mit unverbauter See- und Bergsicht inklusive Garten.

Bei Turn On sind sie mit dem Gemeindezentrum St.Gerold und dem Stadtbad Dornbirn vertreten. Was war für Sie zentral an dieser Arbeit und wie fügt sie sich in Ihr Schaffen ein?
Gemeindezentrum St. Gerold: Das Schaffen einer ortsbaulichen Torsituation in der Landschaft eines Bergtales. Das Zusammenführen einer Vielzahl von Funktionen und die Auflösung in ein einfaches Raumgerüst, das Ausreizen des Werkstoffes Holz in statischer und oberflächentechnischer Hinsicht, erster viergeschossiger Holzbau Vorarlbergs, maximierte Passivhausqualität, ökologisches Musterprojekt, Pilotprojekt Ökoleitfadenbau, heimische Wertschöpfung der Materialien.
Stadtbad Dornbirn: Sanierung eines Hallenbades aus den 1960er Jahren, Weiter- und Fertigdenken einer bestehenden Struktur, Beibehaltung des Ausdrucks eines städtischen Schwimmbades, Ambivalenz zwischen Bad im Park und Bad im Stadtraum, Spannungsfeld zwischen Introvertiertheit und Offenheit.

04.03.2009

Links
Turn On
Radiokulturhaus - Turn On Architekturfestival
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