"Abschiedstour" der Echten

Kennen Sie das Phänomen? Sie hören ein Lied, aber Sie verstehen den Text nicht, weil Französisch, Italienisch, Englisch... Die Echten haben einige bekannte Songs für ihr neues Programm namens "Abschiedstour" ins Österreichische übersetzt.

Auch Oper bleibt nicht verschont

Der Schauplatz: ein Bahnhof. Hier haben sich vier stimmkräftige Comedians versammelt, um zu einer großen Amerika-Tournee aufzubrechen. "Abschiedstour" heißt das neue Programm des spaßigen A-cappella-Ensembles "Die Echten". Ihr Outfit scheint bereits vom Reiseziel inspiriert, denn sie sehen aus, als wären sie gerade einem Hollywood-Western entsprungen. Fransen-Lederjacken, Cowboy-Hut, Poncho, Cowboy-Stiefel. Um die aufkommende Nervosität zu bannen, machen die Abreisenden zunächst das, was sie in den USA dann sicher nicht mehr so einfach tun können, sie rauchen sich eine an. "Stinkerte Leut" singen sie dazu im Falsett zur Melodie von "Stayin' Alive" von den Bee Gees.

Ohrwurm-Qualitäten

Die Echten sind Halb-Bariton-Sopran Patricia Simpson, Rhythmusbassist und Multimundartist Andy Woerz, Alt-Tenor-Bass-Drummer und Mundgitarrist Stephan Gleixner und Bass-Bariton-Tenor Alexander Wartha. Auch in ihrem neuen Programm setzen sie auf ein bewährtes Erfolgsrezept: Man nehme gut abgehangene Pop- und Rockklassiker und würze sie mit neuen, deutschen Texten - wobei mittlerweile auch schon zahlreiche Eigenkompositionen ins Programm Eingang gefunden haben, die über derartige Ohrwurm-Qualität verfügen, dass sie kaum von den Cover-Versionen zu unterscheiden sind. Es sei denn, es handelt sich um Gassenhauer wie "Senza una donna" von Zucchero und Paul Young, von den Echten lautmalerisch übersetzt in "Kennst du mei' Oma?".

Einer anderen Oma, nämlich der Rock-Oma Tina Turner, wird auch die Ehre erwiesen. Aus ihrer Version von "I Can't Stand The Rain" macht das Quartett "I' kann nimmer steh'n", die Wehklage einer von den Strapazen des Reisens ermatteten Frau. Schließlich heißt das Programm "Abschiedstour". Und so eine finale, wirklich absolut endgültige und allerallerletzte Abschieds-Tour hat Tina Turner nun schon etliche Male absolviert.

Und warum haben "Die Echten" ihr Programm "Abschiedstour" betitelt? Wollen sie am Ende gar schon in Rente gehen? "Nein" wird da heftig widersprochen, "wir lösen uns nicht auf! Reisen und Abschied sind einfach ein gutes Thema, ein Synonym dafür, dass wir doch alle Suchende sind."

Weder innere noch äußere Werte zählen

Alexander Wartha, der Beau des Ensembles, sucht eine Frau. Im Muscle-Shirt outet er sich allerdings als Mann mit verwegen hohen Ansprüchen. "I bin und bleib a Traum" variiert er Zappas "Bobby Brown". "Aber es kommt nicht nur auf die äußeren Werte an, ermahnt ihn da Kollegin Simpson, "sondern auch auf die materiellen!"

Auf anspruchsvollere Pointen wartet man in den Conferencen vergeblich. Warum verpassen die Echten ihrer wirklich kurzweiligen Hitparade überhaupt eine Rahmenhandlung? "Da wir immer alle gesanglich im Einsatz sind", erklärt Patricia Simpson, "brauchen wir ganz einfach Verschnaufpausen. Außerdem erzählen wir gerne Blödsinn, der manchmal schon wieder einen Sinn ergibt."

Tatsächlich ist der A-cappella-Gesang ein hoch sensibles, besonders störanfälliges Klanggebilde, körperliche und mentale Schwerarbeit. Das Quartett kann zahlreiche Anekdoten zum Besten geben, zum Beispiel darüber, wie sich ratternde Espresso-Maschinen oder plötzlich losbimmelnde Kirchenglocken geschickt ins Programm einbauen lassen.

Unermüdlicher Körper- und Stimmeinsatz

Eine gewisse Flexibilität wird auch dem Publikum abverlangt. In der ersten Hälfte der "Abschiedstour" ist man Teil der Fanabordnung, die ihre Lieblinge am Bahnhof verabschiedet, nach der Pause findet man sich als Zuschauer in der Wartehalle eines Flughafens wieder. Dort sitzen die Echten fest, weil ihr "Furchtbar-billig-Flug" in die USA gecancelt worden ist. Unverdrossen buchen sie um auf ein U-Boot und stimmen eine Nummer der deutschen Punk-Rock-Diva Nina Hagen an. "Fisch im Wasser."

Mit ihrem unermüdlichen Körper- und Stimmeinsatz, mit "Beat Boxen" und "Vocal Percussion" haben die Echten in ihrem nun beinahe schon zehn Jahre währenden Bühnendasein einen ganz eigenen Gesangsstil kreiert, den sie mittlerweile auch schon am Institut iPOP der Uni Wien unterrichten. Und wer gibt innerhalb des Quartetts den Ton an? "Wir sind gruppendynamisch so eine wabernde Masse", schildert Andy Woerz, "einmal wird der eine zum Beichtvater, dann wieder ein anderer. Und wir entscheiden alles demokratisch, das ist sehr anstrengend, aber gut."

Allfällige Aggressionen können auf der Bühne ausgelebt werden. Etwa in einer köstlichen Opernparodie inklusive großem Eifersuchtsdrama und anschließendem Gemetzel. Und das alles noch vollgespickt mit viel Wortwitz, etwa: "I-solde in die Oper, aber es fangt so Trist-an". Und so wie auf der Opernbühne nie wirklich gestorben wird, so bleiben auch die Echten ihrem Publikum erhalten, auch wenn das aktuelle Programm "Abschiedstour" heißt.

Hör-Tipp
Contra, Sonntag, 29. März 2009, 22:05 Uhr

Veranstaltungs-Tipps
Die Echten, "Abschiedstour", 18. und 19. April 2009, Anton Bruckner Centrum, Ansfelden

Die Echten, "Abschiedstour", 20., 21. und 29. April 2009, Kulisse Wien,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (zehn Prozent).

Die Echten, "Abschiedstour", 24. April 2009, Komma, Wörgl

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