"La Damnation de Faust"
Große symphonische Werke bringt das RSO Wien im April zur Aufführung. Rachmaninows "Symphonischen Tänzen" ist eine "Klassische Verführung" gewidmet und Dmitrij Kitajenko dirigiert Darius Milhauds "La Création du monde".
Es solle, meinte Goethe einmal, jemand sein, der Italien und Deutschland gut kenne, so einer möge sein Werk vertonen. Nun, vertont hat es dann einer, der Italien so gar nicht kennt. Hector Berlioz, der französische Romantiker, nahm sich Goethes "Faust" vor und ließ "La Damnation de Faust" am 6. Dezember 1846 in Paris uraufführen. Sie wurde zu einem veritablen Misserfolg.
Im Wesentlichen hat Berlioz das Werk auf einer Konzertreise durchs alte Österreich geschrieben, in dem Bestreben, Faust weder zu übersetzen noch nachzuahmen, sondern lediglich "seinen musikalischen Gehalt zu erfassen". So setzt er Faust etwa im ersten Teil auf eine ungarische Blumenwiese in der Puszta und baut den populären Rákóczy-Marsch ein, auf dem gleichnamigen Lied basierend, dessen Handlung so wunderbar in die Zeit um 1845 passt: Die Unterdrückung der Magyaren durch die Habsburger wird darin beklagt. Diese "dramatische Legende" bringen das RSO Wien und sein Chefdirigent Bertrand de Billy im Wiener Konzerthaus am Donnerstag, 2. April 2009 in prominenter Besetzung zur Aufführung, mit Olga Borodina (Margarethe), Ildar Abdrazakov (Mephistopheles) und Ramón Vargas (Faust).

Am Sonntag, 26. April 2009 präsentiert das RSO Wien im Konzerthaus Symphonische Wasserspiele mit Markus und Gretchen Hering sowie dem Dirigenten Johannes Wildner.
Darius Milhaud hat sich genau dort zu einem Werk inspirieren lassen, wo manche die etwas andere Hölle zu spüren vermeinten: in den Jazzclubs Harlems. Diese "dreiste" Musik inspirierte ihn zu "La Création du monde", basierend auf afrikanischen Volksmärchen. Auch dieser Uraufführung, 1923 in Paris, war kein Erfolg beschieden. Erst später, im Konzertsaal, fand das Stück breite Anerkennung.
Zu hören im Wiener Musikverein am Freitag, 17. April 2009, Dirigent: Dmitrij Kitajenko, der das Orchester jüngst erfolgreich auf eine Japan-Tournee geführt hat. Sergej Prokofjew hatte mit der Uraufführung seines Klavierkonzertes Nr. 2 im Sommer 1913 ebenfalls wenig Erfolg. "Katzenmusik", meinte man damals. Elisabeth Leonskaja wird dieses wilde, expressive Stück des jungen Prokofjew interpretieren. Und als Abschluss des Konzertes: "Le Divin Poème" von Alexander Skrjabin.
Sergej Rachmaninow schuf die "Symphonischen Tänze", seine letzte große Orchesterkomposition, 1940 auf Long Island. Düsterer Pessimismus vermischt sich mit Anspielungen auf frühere Werke wie "Die Toteninsel" und "Die Glocken". Zu hören am Mittwoch, 22. April 2009 in der "Klassischen Verführung" im ORF RadioKulturhaus und am Freitag, 24. April im Wiener Konzerthaus.
Auf dem Konzerthaus-Programm, das von Tugan Sokhiev dirigiert wird, stehen zudem das 2. Violinkonzert von Sergej Prokofjew, interpretiert von Viktoria Mullova, sowie ein Werk von Jelena Firssowa, "The garden of dreams", anlässlich des 100. Geburtstages von Dmitrij Schostakowitsch.
Das Stück, erläutert die Komponistin, sehe sie als surrealistischen Traum über einen reich geschmückten Garten, in dem man bei näherer Betrachtung seiner Gewächse immer wieder auf die Schostakowitsch-Initialen DSCH stoße. Firssowa ist eine der sieben Komponistinnen und Komponisten, die 1979 in der "originellen" Rede von Tichon Chrennikow über "Die hohe Bestimmung der sowjetischen Musik" als unwürdig erklärt wurden, die sowjetische Musik im Ausland zu vertreten. Sie lebt seit 1991 in Großbritannien. Das Werk wurde 2006 in Amsterdam uraufgeführt.
Stichwort: Musikvermittlung. Am Sonntag, 26. April 2009 präsentiert das RSO Wien im Konzerthaus Symphonische Wasserspiele mit Markus und Gretchen Hering sowie dem Dirigenten Johannes Wildner. Ein "Jeunesse"-Konzert für ein Publikum ab neun Jahren.
02.04.2009
Mehr zu "La damnation de Faust" in oe1.ORF.at
Hör-Tipps
Hector Berlioz: "La Damnation de Faust", Samstag, 18. April 2009, 19:30 Uhr
Aus dem Konzertsaal, Sonntag, 3. Mai 2009, 19:30 Uhr
Aus dem Konzertsaal, Freitag, 8. Mai 2009, 19:30 Uhr)
Veranstaltungs-Tipps
RSO Wien, Bertrand de Billy (Dirigent), "La damnation de Faust", Donnerstag, 2. April 2009, 19:30 Uhr, Wiener Konzerthaus
RSO Wien, Dmitrij Kitajenko (Dirigent), Werke von Milhaud, Prokofjew und Skrjabin, Freitag, 17. April 2009, 19:30 Uhr, Wiener Musikverein
Klassische Verführung, Sergej Rachmaninow: Symphonische Tänze, Mittwoch, 22. April 2009, 19:30 Uhr, RadioKulturhaus
RSO Wien, Tugan Sokhiev (Dirigent), Werke von Firsova, Prokofjew und Rachmaninow, Freitag, 24. April 2009, 19:30 Uhr, Wiener Konzerthaus
RSO Wien, "Wasser: Wasserspiele", Sonntag, 26. April 2009, 11:00 Uhr, Konzerthaus
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