Consort Songs
"Framed to the life of Words", den lebendigen Worten einen Rahmen geben wollten die Consort Songs, in erster Linie Textvertonungen für Solostimme und obligater Instrumentalbegleitung. John Downalds bekanntes "In darkness let me dwell" im Vergleich.
In Dunkelheit will ich leben,
Sorge soll der Boden sein;
das Dach Verzweiflung, das von mir
all das freundliche Licht abschirmen soll;
die Wände aus schwarzem Marmor,
der auch benetzt noch weinen soll,
meine Musik seien höllisch schrille Töne,
die mir den erquickenden Schlaf fern halten sollen.
So mit meinem Jammer vermählt
und in mein Grab gebettet,
lasst mich lebend sterben,
bis dass der Tod mich aufnimmt.
John Dowland war Musiker und Dichter in Personalunion. Was für einen Kosmos emotionaler Dunkelheit breitet er aus in diesen viereinhalb Minuten! In all seinen Vertonungen orientiert sich Dowland immer an der Textdeklamation, baut expressive Dehnungen ein, wenn es das Wort verlangt, verwendet sogenannte madrigaleske, wortausdeutende Figuren.
Es geht ihm um die Übereinstimmung der sprechenden Harmonie, "the consent of speaking harmony", zwischen menschlicher Stimme und der instrumentalen Begleitung. In darkness let me dwell. Was fällt heraus aus der melodischen Linie? Das "me", ein Aufschrei nach oben.
Der amerikanische Cembalist und Renaissance-Spezialist Skip Sempé, Leiter des Ensembles Capriccio Stravagante erklät, was "Consort-Musik" eigentlich ist: "Genau genommen betrifft diese Bezeichnung eher die Art der Darbietung als das Genre. 'Consort' mag vielleicht ein wenig nach 'Amateuren' klingen, aber eigentlich erfordert sie die allerbesten Spieler, vielleicht die wendigsten und gleichermaßen zerbrechlichsten, will sagen sensibelsten. Die Gattungen, in den die Consort Musik daher kommt, sind eher klein, aber kompositorisches Handwerk und emotional-musikalischer Gehalt können sich leicht mit anerkannten Meisterwerken des musikalischen Kanons messen."
Die Regierungszeit von Königin Elisabeth I. umfasste 45 Jahre, sie dauerte von 1558 bis zu ihrem Tod 1603.Ein Blick in Faksimiles der damaligen Zeit gibt uns anschaulich Aufschluss über die Musizierweisen im sogenannten "Golden Age" der englischen Musik. Die Notenkäufer erwarben sich Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts, eigentlich Gedichtsammlungen mit der zusätzlichen Möglichkeit, diese auch musikalisch vorzutragen. Und das Noten-Layout zeigt uns da sehr schön, wie viele Möglichkeiten des Vortrags ein Komponist wie John Dowland den Ausübenden einräumte.
Auf der linken Seite war die Singstimme parallel zu der in Lautengriffschrift, also Tabulatur geschriebenen Lautenbegleitung notiert, auf der gegenüberliegenden rechten Seite standen in jeweils anderer Leserichtung die übrigen Stimmen. So konnten die Musizierenden je nach Besetzung um einen Tisch herum sitzen und gemeinsam aus den im Folioformat gedruckten Noten musizieren.
Interpretationsvergleich
Hören Sie in unserem Audio-File Dowlands Musik, interpretiert von einem Rocksänger, von Sting. Ihn kümmert nicht schöner Stimmklang, er speit Worte wie "black", und die "hellish jarring sounds", die höllisch schrillen Töne, geradezu heraus.
Vollkommen anders, mitnichten weniger intensiv, der klassisch ausgebildete englische Landsmann: Mark Padmore. Ein Tenor, in sehr tiefer Lage. Folgt eine Interpretation mit der Sopranistin Dorothee Mields und Hille Perls Gamben-Truppe, was eine völlig andere atmosphärische, klangfarbliche Einbettung bedeutet, daran anschließend John Potter und ein Zusatzschlenker in unsere Zeit, die wabbernde Bassklarinette von Jon Surman und geisterhaftes Flageolett von Barry Guy.
Text: Renate Burtscher · 10.06.2009
Hör-Tipp
Ausgewählt, Mittwoch, 10. Juni 2009, 10:05 Uhr