Forschung als Wachstumsmotor

Wer bei der Wissenschaft spart, der spart am falschen Platz, sagen Wirtschaftsexperten. Denn für die Wirtschaft ist Forschung und Entwicklung Voraussetzung für Wachstum. Gerade ein rohstoffarmes Land, wie Österreich müsse seine geistigen Ressourcen nützen.

Knut Consemüller über Grundlagenforschung

Wenn Forschung gesprochen wird, zeigt sich sehr rasch: die einen reden über angewandte Forschung, also die Suche nach konkreten Lösungen für konkrete Probleme. Die anderen verstehen darunter Grundlagenforschung, deren einziger Antrieb die Neugier der Forscherinnen und Forscher ist. Dieser Gegensatz gilt vielen heute als überholt, vielmehr bestehe eine durchgehende Kette von der Grundlagenforschung bis zum fertigen Produkt oder zur neu entwickelten Dienstleistung.

Angewandte versus Grundlagenforschung

Laser und Mikrochip, deren Entdecker und Erfinder auch nicht ansatzweise ahnten, welche Bedeutung ihre Entwicklungen einmal haben werden, gelten als Vorzeige-Beispiele für die Umsetzung von Grundlagenforschung in verwertbare Produkte. Neben dieser unmittelbaren Umsetzung nennt der Wirtschaftsforscher Andreas Reinstaller (Wifo) auch andere Transmissionswege von der Grundlagenforschung in die Unternehmen: insbesondere die Studierenden, die wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Universitäten an ihre Arbeitsplätze in Unternehmen mitbringen oder wissenschaftliche Veröffentlichungen, die von Betrieben als Anstoß und Anleitung für die Entwicklung von Produkten herangezogen werden.

Wie ertragreich Investitionen in die Grundlagengenforschung sein können, zeigt das vor 60 Jahren gegründete Weizmann-Institut in Israel. Mit seinen rund 1.000 Wissenschafterinnen und Wissenschaftern und etwa 80 Patenten, die pro Jahr angemeldet werden, gilt es als die erfolgreichste derartige Einrichtung weltweit und erwirtschaftet heute rund ein Drittel seines Jahresbudgets von etwa 160 Millionen Euro aus eigenen Patent- und Lizenzeinnahmen.

Ohne Forschung kein Wachstum

Für eine ganze Volkswirtschaft ist Forschung nach Ansicht des Vorsitzenden des Rates für Forschung und Technologienentwicklung, Knut Consemüller vor allem die Voraussetzung für Wachstum. Ein rohstoffarmes Land wie Österreich müsse eben seine geistigen Ressourcen nutzen, um Wirtschaftswachstum zu erzielen. Und erst ab zwei Prozent Wachstum steige auch die Zahl der Arbeitsplätze, sagt Consemüller. Diese Arbeitsplatzeffekte kann Wirtschaftsforscher Reinstaller mit konkreten Zahlen unterlegen: Unternehmen mit einer um zehn Prozent höheren F&E-Intensität wachsen um bis zu 1,8 Prozentpunkte rascher in der Beschäftigung.

2009 wird Österreich 7,65 Milliarden Euro insgesamt für Forschung und Entwicklung ausgeben. Das entspricht 2,73 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes. In den vergangenen Jahren sind Österreichs Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung überdurchschnittlich rasch gewachsen, rascher als im Durchschnitt aller EU- und OECD-Staaten.

Ziemlich genau ein Drittel der Forschungsausgaben kamen zuletzt von der öffentlichen Hand und zwei Drittel von Privaten, vor allem von Unternehmen. Ein Verhältnis, das in der gesamten EU als erstrebenswert angesehen wir. Allerdings: Auf österreichische Unternehmen entfielen nur 48 Prozent der Forschungsausgaben, der Rest kam von ausländischen Firmen mit großem Forschungsanteil in Österreich. In Zeiten der Krise tendieren Unternehmen allerdings dazu, auch Forschungsausgaben zu kürzen, sagt Reinstaller.

Sparen am falschen Platz

Hier muss die öffentliche Hand einspringen, fordert Forschungsratsvorsitzender Consemüller. Etwa indem sie die Forschungsprämie von derzeit acht Prozent auf 15 Prozent erhöhe. Darüber hinaus müssten Forschungsergebnisse aus früheren Jahren, die derzeit ungenutzt sind, auf ihre wirtschaftliche Verwertbarkeit hin untersucht werden. Manche Staaten hätten eigens dafür Förderprogramme entwickelt, das sollte auch in Österreich gemacht werden, so Consemüller.