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Musik

The Tempest

Zwischen Dissonanz und A-Dur

Geht das, eine zeitgenössische Oper schreiben, die "Oper" ist, mit Glanzrollen für Sängerstars von heute, die ein Verdi-, Puccini-, Strauss-Publikum erreicht, kompositionstechnisch aber fest im 21. Jahrhundert steht? Thomas Adès beweist, dass es geht.

Cyndia Sieden als Ariel

Eine brandneue Oper, die das an Mozart, Verdi, Strauss gewöhnte Publikum nicht bloß nicht verschreckt, sondern begeistern und rühren kann, eine Sänger-Oper von heute, die aber gleichzeitig von der Neue-Musik-Fachpresse nicht verlacht wird: ein solches Stück suchen Opernhäuser wie einen Bissen Brot.

Thomas Adès, der britische Komponisten-Darling, Jahrgang 1971, hat sie geschrieben: "The Tempest", eine Shakespeare-Vertonung (nach "Der Sturm"), 2004 fürs Royal Opera House Covent Garden.

(c) Hummel, ORF

Souveränes Spiel mit Kontrasten

Wie "La Bohème" klingt "The Tempest" nicht. Wenn es dramatisch (oder auch nur rhetorisch) wird, lässt Thomas Adès die Dissonanzen peitschen, oft in rasantem Tempo und mit dem Ohr ganz am Puls des geschickt eingestrichenen Textes. (Wie erfrischend nach dem Klangflächen-Sumpf, in dem viele seiner Komponisten-Kollegen ihre Opernstoffe gern ertränken!)

Aber es gibt ein klar gerichtetes, souverän mit Kontrasten spielendes Auf und Ab der Spannung, und wenn das (ohne Elektronik auskommende) Orchester die Solistinnen und Solisten bei ihren Lamenti, Arien, Liebesduetten begleitet, wird die Musik butterweich und A-Dur triumphiert.

Rekordverdächtiger Koloratur-Ariel

Die Solistinnen und Solisten - sie können Thomas Adès dankbar sein für dieses Stück. Der zauberkräftige Prospero ist eine Glanzpartie für den kernig baritonal auftrumpfenden Simon Keenlyside, Tenor Ian Bostridge darf als verhuschter Caliban irrlichtern, die vom Plattenlabel EMI gezielt aufgebaute Kate Royal erfüllt als Miranda endlich die in einen lyrisch-dramatischen Sopran gesetzten Erwartungen.

Die Krone gebührt aber diesmal der britischen Koloratursopranistin Cyndia Sieden, die als Ariel die von Adès in unfassbare Höhen getriebenen Melodien, Staccati, Flötentöne mit einer Beseeltheit hervorbringt, die reif ist fürs Buch der Rekorde.

Text: Chris Tina Tengel · 25.06.2009

Hör-Tipp
Thomas Adès, "The Tempest", Simon Keenlyside, Cyndia Sieden, Ian Bostridge, Kate Royal, Toby Spence, Philip Langridge, Donald Kaasch; Chor und Orchester des Royal Opera House Covent Garden London, Dirigent: Thomas Adès, EMI 6 95234 2

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