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Talentebörse

Martin Rille, Transmediale Kunst

"Coded Sensation" bei "NEU/NOW 2010"

Schon als Kind faszinierte ihn Technik, später kam die Kunst dazu: Martin Rille, Jahrgang 1982, der sein Studium der Transmedialen Kunst an der Angewandten beendet hat. Nun ist Rille mit "Coded Sensation" ab 27. Oktober 2010 beim "NEU/NOW 2010"-Festival in Nantes vertreten.

"Schon als Kind war ich von allem Technischen fasziniert. Ich habe jedes Spielzeugauto, jede Taschenlampe zerlegt - und aus den Einzelteilen dann jeweils etwas Neues gebaut. Ich wollte immer die Details erkunden. Deshalb dann auch das technische College, wo ich viel mit Kommunikation, technischen Systemen und Programmierungen zu tun hatte.

Ich habe in dieser Zeit zuhause sehr viel Künstlerisches gemacht: gezeichnet, mit Programmen am Computer gearbeitet. Und diese Arbeiten dann in meine technischen Präsentation eingebaut. Was auch gut angekommen ist.

Es wurde mir damals aber auch klar, dass ich noch etwas Künstlerisches studieren muss. So habe ich eine Mappe mit zehn Arbeiten zusammengestellt und bin am letzten Tag der Einreichfrist zur Angewandten gegangen", berichtet Martin Rille, gebürtiger Stuttgarter mit österreichischer Staatsbürger, Jahrgang 1982.

Erasmus-Jahr an der Uni Lissabon

2006 /07 absolvierte Martin Rille im Rahmen des EU-Erasmus-Programms ein Auslandsjahr an der Faculdade de Belas Artes an der Universität Lissabon:

"Ursprünglich wollte ich nur fünf Monate bleiben und anschließend das Diplom machen. Es war für mich dann aber so interessant, dort zu studieren, die Sprache und die dortigen Studenten kennen zu lernen, dass ich insgesamt ein Jahr blieb", berichtet der Nachwuchs-Künstler, der bei diesem Aufenthalt zahlreiche Impulse erhielt.

Seit 2002 studierte der Nachwuchs-Künstler an der Wiener Angewandten bei Brigitte Kowanz Transmediale Kunst. Im Juni 2009 hat er nun sein Studium abgeschlossen.

Zum richtigen Bereich war er übrigens zufällig durch eine Freundin, die er traf, knapp vor Annahmeschluss zur Bewerbung für die Aufnahmeprüfung gekommen.

Davor hatte Rille seine Ausbildung in Telekommunikation in der HTL in der Wiener Schellinggasse erhalten.

Die Vernetzung von Sinnen

"Mein Roter Faden ist der Blick auf etwas, das ich in den verschiedenen Arbeiten mit den verschiedenen Sinnen dargestellt habe. Ich arbeite mit der Vernetzung von Sinnen.

So frage ich mich: Was passiert, wenn ein bestimmter Sinn in eine anderes Medium transformiert wird? Wenn zum Beispiel der Tastsinn in ein akustisches Medium transformiert wird", charakterisiert Rille seine Arbeiten.

Video und Performance im Zentrum

"Ich arbeite sehr viel mit Video und habe mit diesem Medium zahlreiche Arbeiten gemacht. Sie zeigen verschiedenste Gefühlszustände oder Erfahrungsbedingte Zustände bei verschiedenen Organismen und Systemen.

Bis 2006 habe ich dieses Medium stark eingesetzt, dann bin ich zur Performance-Kunst übergegangen. Denn ich habe gemerkt, dass es in Verbindung mit Performance noch besser funktioniert - im Speziellen mit Installationen, die das räumlich und performativ darstellen", erläutert Rille.

Bei "NEU/NOW 2010"-Festival

Ab 27. Oktober 2010 ist Martin Rille mit seiner Performance "Coded Sensation", kuratiert von Brigitte Kowanz, im Rahmen des Festivals "NEU/NOW 2010" in Nantes in Frankreich vertreten. Das Festival findet bis 30. Oktober statt.

Erfolgreiche Diplomarbeit "Coded Sensation"

In Martin Rilles Diplomarbeit "Coded Sensation", einer performativen Installation, werden Haut und Hülle zu zentralen Metaphern. Die Haut als Schutzorgan, Membran und Gefäß für Physis und Psyche, manifestiert sich in dieser Arbeit elektromagnetische Speicherhülle, die Aufnahmen und Informationen in kodierter Form gespeichert trägt.

"Die Idee zu 'Coded Sensation' entstand in Portugal bei einem Workshop für Kontakt-Improvisation. Und bei einem Vortrag von Peter Weibel in Wien, der eine Arbeit von Nam June Paik zeigte, wo der Künstler Tonbandkassetten auf eine Wand geklebt hat, und diese mit einem Tonkopf den Besuchern nachfahren ließ, kam mir die Idee:

Ich erfinde Kleidung als eine Art zweite Haut durch Tonbänder, die Informationen gespeichert trägt. So dass auch die Kleidung ein Speicherträger ist, der durch den Tastsinn wieder abrufbar ist.

Realisiert habe ich das Projekt, indem ich Tonköpfe aus Walkmen ausgebaut und sie in Handschuhe eingenäht habe. Wenn nun jemand mit diesem Handschuh die Kleidung berührt, spielt der Tonkopf die ursprünglichen Aufnahmen, die diese Kassetten enthielten, ab. Es ist eine bizarre Klanglandschaft, die hier entsteht. Es ist an das Scratchen aus den 1980ern angelehnt, wo Richtung und Geschwindigkeit immer stimmen müssen", erläutert Martin Rille seine erfolgreiche Diplomarbeit.

"Viennafair", "The Essence" und "Museen Nacht"

Mittlerweile war Rilles erfolgreiche Arbeit im Rahmen einer Präsentation der Angewandten bei der diesjährigen Kunstmesse "Viennafair" sowie bei der Uni-Leistungsschau "The Essence 2009" zu sehen.

Und am 3. Oktober 2009 wurde "Coded Sensation" im Rahmen der "Langen nacht der Museen" in der Villacher Galerie "White8" gezeigt.

"Star Trek" aus neuer Perspektive

Zu einer der wichtigsten Arbeiten Rilles zählt die Found-Fotage-Videoinstallation "Look at me". Darin analysiert er mit der Schuss-Gegenschuss-Technik, die im Schuss ein subjektives Blickfeld und im Gegenschuss den Blick des jeweiligen Gegenübers zeigt, eine Episode der populären TV-Serie "Star Trek".

Blicke der Darsteller wurden hier aufeinanderfolgend zu einer Sequenz verdichtet. Alle drei Figuren scheinen im selben filmischen Raum zu existieren, obwohl das Material aus verschieden Szenen dieser 45-Minuten langen "Star Trek"-Episode entnommen wurde. Die neu entstandene Sequenz zeigt, wie ausschlaggebend subtile "Blicke", in einer Abfolge von Bildfläche zu Bildfläche, werden können.

Einzigartiges erschaffen

Wie lauten die Zukunftswünsche des jungen Künstlers?

"Ich möchte als freischaffender Künstler meine Ideen und Träume verwirklichen. Und etwas schaffen, was einzigartig ist", so Martin Rille.

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Die Ö1 Talentebörse ist ein Kunstförderprojekt mit Unterstützung der UniCredit-Bank Austria

Gestaltung: Matthias Osiecki · 04.07.2009

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