Witzblattimperium

Im Reich der alten Männer

Manchmal wacht man in der Früh auf und hat das Gefühl, ein anderes Leben zu leben. Oder sagen wir: fremdgesteuert zu sein. Man sagt sich: Das bin doch nicht ich, steht auf, putzt sich die Zähne und tut, was von einem verlangt wird.

Im Reich der alten Männer hat man jetzt schon die Glühbirnen abgeschafft und vergessen, mit Energiesparfunzeln für Erleuchtung zu sorgen. Die alten Männer sitzen im Dunkeln und streicheln ihre Hunde und steuern ihr Witzblattimperium mit der alle Mauern durchdringenden Kraft ihres Mundgeruchs. Sie leben davon, dass kleine Kinder unter Autos geraten, dass Mütter Babys aus dem Fenster werfen, dass andere alte Männer Privatregimes in feuchten Kellern errichten, dass die Dümmsten eines Jahrgangs die Staatsgeschäfte leiten. Sie fressen das Elend und atmen es aus und verjagen die schlechten Träume mit ihren vatikanisch geformten Hirtenstäben, als wären es neugierige Buben, die ihnen im Park auflauern. Sie wollen allein sein im Dunkeln und schwer atmen vor Erregung und das Leben für ihr Witzblattimperium grell ausleuchten.

Im Reich der alten Männer wird das Geld der anderen verspielt, es ist eben finster und die Hunde knurren und sind nicht satt zu kriegen. Man träumt von Flughäfen, von denen niemand abfliegt und an denen niemand ankommt. Man träumt von Päpsten aus Bayern, die einen dafür heilig sprechen, dass man das Geld der anderen in der Luft zerreißt, einfach so, damit der, dem es gehört, versteht, dass der, dem es nicht gehört, darüber nach Belieben verfügt.

Die Hunde werden unruhig, heben ihre Nasen. So lange alles bleibt, wie es ist, tun sie einem nichts, sagen die alten Männer. Die Dümmsten eines Jahrgangs lachen und sagen Onkel, Onkel spiel mit mir und wissen nichts und sehen nichts und halten sich die Nase zu und riechen auch den schlechten Atem nicht. Was sollen sie auch anstellen im wirklichen Leben?

Kinder müssen sterben und Väter in die Verliese und die Dümmsten eines Jahrgangs bekommen Kronen aufgesetzt, man glaubt, ein Giebelkreuz zu sehen. Überhaupt das Kreuz, mit und ohne Haken, es wird in die Höhe gehalten als beträte man zum ersten Mal den heidnischen Boden der neuen Welt und schreit: Wilder, hier ist dein Herr! Das machst du gut, schmeichelt der Onkel und krault das aufgestellte Fell im Hundenacken.

Das Kreuz heiligt alle Mittel, und wo ein Kreuz ist, sagt die Bibel, finden sich immer auch ein paar Nägel, die man in jemanden schlagen kann. Das hat Tradition. Die Hunde pissen nie ans Kreuz, mit oder ohne Haken, da kennen die Witzblattimperialisten kein Pardon, das Kreuz ist sauber zu halten, auch im Dunkeln, da streift kein Mongole und kein Afrikaner dran und kein Heimatverräter, kein Staatskünstler und kein historischer Materialist. Das Kreuz ist das Wesen aller Dinge, gepisst wird nur auf die, die von ihm abgefallen sind. Hunde sind auch nur Menschen und haben Bedürfnisse.

Im Reich der alten Männer geht die Sonne nie unter, weil sie noch nie aufgegangen ist. Aber gut, die Sonne scheint auf alle gleich, nur halt nicht auf Österreich. Lasst's das Licht abgedreht, knurrt der Onkel. Sein Witzblatt kann man auch im Dunkeln lesen.

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