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Musik

Das Label Nonvisualobjects

Das Klanguniversum hinter dem Detail

Die Musik, die auf dem Label Nonvisualobjects veröffentlicht ist, lässt aufhorchen und ganz genau hinhören, auf die Details, die so oft überhört werden. Hinter jedem Soundpartikelchen tut sich ein ganzes Klanguniversum auf, das es zu entdecken gilt.

"Es ist eigentlich so eine Art ausklinken", meint Heribert Friedl auf die Frage nach der Motivation, 2005 das Label Nonvisualobjects zu gründen. Alle Sinneswahrnehmungen seien heute überreizt, und er wolle einfach nicht mehr mit jedem Mist konfrontiert werden, sondern sich auf das Wesentliche konzentrieren, auch wenn das nun sehr pathetisch klingen mag.

Bei all dem Überfluss, der einen ständig überfordert, müsse man einfach selektieren, ergänzt Raphael Moser: "Man hat meistens aber kaum die Chance dazu. Man muss sich eigentlich sehr stark dazu durchringen. Das ist wirklich ein aktiver Prozess, da einmal weg von dem zu kommen, was einem ständig aufgezwungen wird, hin zu anderen Inhalten."

Aufhorchen und Hinhören

Die Musik, die auf Nonvisualobjects veröffentlicht ist, lässt aufhorchen und ganz genau hinhören, auf die Details, die so oft überhört werden. Steve Roden, einer der Künstler, die auf Nonvisualobjects bislang veröffentlicht haben, hat diese Musik einmal mit dem Begriff "lower case" umschrieben. Ins Deutsche übersetzt bedeutet "lower case" so viel wie "Kleinschrift" und es handle sich hierbei um eine Musik, so Roden, die einen nicht anspringt und lautstark Aufmerksamkeit einfordert, sondern die oftmals auch ganz leise ist, und der man sich selber nähern muss.

Sie würden dies aber nun gar nicht dogmatisch sehen, so Raphael Moser: "Also es muss sich nicht jede Veröffentlichung am Rande des Nichts befinden. Es gibt hier viele Wege." Und das stellen Moser und Friedl mit ihrem Label auch eindrücklich unter Beweis.

Off the beaten Track

Heribert Friedl und Rafael Moser haben beide als damals rund 20-jährige die plötzliche massenhafte Verbreitung der Heimcomputer und das damit zusammenhängende Aufkommen von Techno aktiv, als Partygänger, miterlebt. Auf die Frage, wie sie schließlich mit jener Art von Musik in Berührung gekommen sind, die sie heute auf ihrem Label veröffentlichen, nennen die beiden als besonders einflussreich die erste Begegnung mit der Musik von Pan Sonic.

Plötzlich hätte es da eine Musik gegeben, der der Rhythmus fehlte, die aber trotzdem sehr energetisch und intensiv war, erinnert sich Friedl zurück und Raphael Moser führt fort: "Das war so ein erster großer Einschnitt. Die Musik war zuerst einmal gar nicht einzuordnen, es war keine Clubmusik im herkömmlichen Sinn, aber auch keine E-Musik."

Onkyo

Prägend sei schließlich auch die Begegnung mit der Onkyo-Szene in Japan gewesen. Raphael Moser lernte diese dort während eines mehrjährigen Studienaufenthaltes Ende der 1990er Jahre, Anfang 2000 kennen. "Onkyo" bedeutet schlicht "Klang", erklärt er. Die Musikerinnen und Musiker der Onkyo-Szene, bekannte Namen sind hier etwa Otomo Yoshihide, Sachiko M und Toshimaru Nakamura, haben sich mit dem Klang an sich beschäftigt.

Ursprung in der bildenden Kunst

Raphael Moser und Heribert Friedl kommen beide ursprünglich aus dem bildenden Kunstbereich und sind auch heute noch als bildende Künstler tätig. Moser hat Malerei, und Friedl Bildhauerei studiert, wobei letzterer auch immer schon Musik gemacht hat. Auch in der bildenden Kunst ging es den beiden seit Anbeginn darum, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Heribert Friedl: "Seit dem Beginn des Studiums hat mich das, was um das Kunstwerk herum ist, mehr interessiert als die visuelle Information, etwa von einem Bild, einem Foto oder einem Objekt." Die im Zuge dieser Überlegungen entstehenden Werke nennt Friedl eben "Non Visual Objects" - aus dem Werkreihen-Titel wurde schließlich auch der Label-Name.

CD als Kunstobjekt

Die Verwurzelung im bildenden Kunstbereich spiegelt sich aber auch in der Auswahl der veröffentlichten Künstlerinnen und Künstler wider, die oftmals selber ursprünglich aus der bildenden Kunst kommen. Und sie spiegelt sich in der kunstvollen Gestaltung der CD-Hüllen wider, verantwortlich dafür zeichnet Raphael Moser.

Raphael Moser: "Hier wollen wir ebenfalls ein bisschen dem beiläufigen Wegwerfprodukt entgegenarbeiten. Die einzelnen CDs sollen auch als Kunstobjekte jeweils für sich stehen."

2007 ist auf Nonvisualobjects übrigens auch ein Buch erschienen, in dem Heribert Friedl und Raphael Moser 22 Künstlerinnen und Künstler aus diesem speziellen Musikbereich die Möglichkeit geboten haben, sich auf jeweils vier Seiten zu präsentieren. Eine grundlegende Basislektüre.

06.08.2009

Hör-Tipp
Zeit-Ton, Donnerstag, 6. August und Freitag 7. August, jeweils 23:03 Uhr

Buch-Tipp
Nonvisualobjects (Hg), "Extract. Portraits of Soundartists"

Link
Nonvisualobjects

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