Mischung aus Kunstgeschichte und Naturwissenschaft
Sie wollte auch praktisch arbeiten: Flaminia Rukavina, Jahrgang 1983, die nun ihr Studium für Konservierung und Restaurierung an der Angewandten beendet hat. Ihre Diplomarbeit galt einem Cerrini-Gemälde, das nach über 150 Jahren nun im KHM gezeigt wird.
"Ich war immer schon kunstinteressiert, auch an Kunstgeschichte. Als Kind habe ich gerne gezeichnet - aber mich hat immer auch das Praktische interessiert.
Nach der Matura habe ich mich dann über mehrere Studienrichtungen an den Kunst-Universitäten informiert und festgestellt, dass der Bereich Konservierung und Restaurierung am Besten zu mir passt", erzählt Flaminia Rukavina, gebürtige Österreicherin, Jahrgang 1983.

Flaminia Rukavina
Seit 2004 studierte sie an der Wiener Angewandten Konservierung und Restaurierung und hat im Juni 2009 nun ihre Ausbildung mit dem Magisterium abgeschlossen.
Aufgewachsen ist die Nachwuchs-Restauratorin, deren Mutter Italienerin ist, zwischen Wien und Rom, wo sie die Deutsche Schule besuchte und sowohl das deutsche wie das italienische Abitur ablegte.
"Ganz besonders fasziniert mich die Erforschung der Maltechnik. Denn bestimmte Maltechniken wurden ja aus konkreten Gründen angewandt - welche Grundierung, welche Pigmente und Bindemittel man verwendete. Und diese Mischung aus Kunstgeschichte und Naturwissenschaft ist ja unüblich, aber eben besonders interessant", erläutert Rukavina.
"Bei dieser Ausbildung gibt es gibt es die Objekt-, Textil- und Stein-Klasse. Man kann nach Abschluss prinzipiell zwar alles restaurieren, aber während des Studiums spezialisiert man sich natürlich.
In meinem Fall sind es vorwiegend Gemälde der klassischen Malerei vom Mittelalter bis zum Barock", präzisiert Rukavina ihren Bereich.

Der vermeintliche Hl. Hieronymus vor seiner Wiederherstellung: "Zum Zeitpunkt der Restaurierung wusste man so gut wie nichts über dieses Gemälde", so Flaminia Rukavina.
Die Diplomarbeit von Flaminia Rukavina lautete "Vom Hl. Hieronymus zum Belisarius. Konservierung und Restaurierung eines barocken Leinwandgemäldes von Gian Domenico Cerrini aus dem Kunsthistorischen Museum Wien". Sie umfasste die Restauriergeschichte, Provenienz sowie die Zuschreibung des Gemäldes.
"Dieses Gemälde war stark beschädigt. Es erfolgte eine sehr umfangreiche Konservierung, die auch strahlendiagnostische Untersuchungen umfasste. Der andere Teil war die Erforschung der Geschichte des Gemäldes", erläutert Rukavina.

… und nach der Restaurierung durch Flaminia Rukavina als "Belisarius" des Barock-Meisters Gian Domenico Cerrini (1609-1681): "Möglicherweise kam das Bild durch die Medici, für die Cerrini gearbeitet hat, in die Ambraser Sammlung."
"Mit Hilfe von Experten aus dem Kunsthistorischen Museum führte ich eine intensive Recherche durch. Ich konnte das Bild bis 1730 zurückverfolgen, indem ich in Inventaren der k. k. Gemäldegalerie suchte. Und darin ist auch dieses Gemälde abgebildet. Damals befand sich die Gemäldegalerie in der Stallburg. Und man kann sehen, wie es dort gehängt war.
Schließlich konnte ich das Gemälde dem italienischen Barock-Maler Gian Domenico Cerrini zuschreiben. Wie das Gemälde nach Wien kam, ist noch nicht geklärt.
Der Ausgangspunkt für meine Recherche der Restaurier-Geschichte war auf der Rückseite des Bildes die Signatur von Josef Hickl aus dem Jahr 1774. Er war damals ein Maler-Restaurator in der Gemäldegalerie und hat zahlreiche Gemälde, darunter auch Tizians 'Nymphe und Schäfer' restauriert und sich signiert", berichtet Rukavina.
"Im Vordergrund der praktischen Arbeit stand die Konservierung. Es galt jene Bereiche zu sichern, die möglicherweise gefährdet waren. Danach erfolgte die Restaurierung, indem ich Fehlstellen kittete und retuschierte.
Ich habe hier die Wiener Retusche, eine traditionelle Methode, angewandt. Dabei kittet man zuerst die Fehlstelle und baut dann mit Gouache-Farben die Struktur der originalen Malschicht auf, indem man die Leinwandnoppen aufbaut und den Pinsel-Duktus imitiert. Danach folgt die Harz-Öl-Retusche, indem man die Fehlstellen farblich integriert und dem Original angleicht. Zum Schluss wird das Gemälde gefirnisst. Die gesamte Konservierung und Restaurierung hat fast eineinhalb Jahre gedauert", schildert Rukavina.
Und ab Herbst 2009 wird dieses Cerrini-Gemälde, das über 150 Jahre im Depot lagerte, in der Primärgalerie des Kunsthistorischen Museums in Wien zu sehen sein.
Zu einer anderen wichtigen Arbeit Rukavina zählt die Konservierung und Restaurierung einer gefassten Holztafel mit Grotesken-Ornamentik aus dem 19. Jahrhundert, die im Besitz des Technischen Museums Wien ist.
"Im Vorfeld wurden hier Bestand und Zustand sowie die Maltechnik natur- und konservierungswissenschaftlich untersucht und dokumentiert. In der theoretischen Arbeit standen die historische Entwicklung der Groteske und die mögliche Funktion der Tafel im Vordergrund", erläutert Rukavina.

So sah der Zustand der Elfenbein-Intarsienimitation aus dem Technischen Museum Wien vor der Restaurierung aus (19. Jhd., Tempera auf Holz, 125 x 46 cm; Semesterarbeit 2007) …
"Der Schwerpunkt bei der praktischen Arbeit lag hier in der Niederlegung und Festigung aufstehender Malschichtschollen und der damit verbundenen Problematik des Bildträgerschwundes. Die Fehlstellen in der Bildschicht habe ich dann durch Kittung und Retusche integriert", beschreibt Rukavina.

… und hier die Ornament-Tafel nach der Restaurierung durch Flaminia Rukavina.
Seit 2004 konnte die Nachwuchs-Restauratorin vielfältige Berufs-Praxis sammeln. Zu einer ihrer wichtigsten Erfahrungen zählt ihr Praktikum im Wien Museum:
"Es war besonders interessant, weil sich meine Tätigkeit im Wien Museum nicht nur auf Konservierung und Restaurierung beschränkte, sondern ich dort den gesamten Museums-Ablauf mitbekommen habe. Also zum Beispiel auch Aufstellungs-Aufbau und -Organisation. Es gibt hier eine sehr breite Sammlung, und so konnte ich auch an Metallobjekten arbeiten", berichtet Rukavina.
Derzeit bewirbt sich die Nachwuchs-Restauratorin bei Werkstätten und Museen.
Wie lautet ihr Zukunftswunsch? "Eine erfolgreiche Restauratorin in einem großen Museum zu werden, einem Haus mit einer tollen Sammlung - das ist auf jeden Fall mein Ziel", so Flaminia Rukavina.
Text: Matthias Osiecki · 12.09.2009
Die Ö1 Talentebörse ist ein Kunstförderprojekt mit Unterstützung der Bank Austria
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