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Das Grüne Band Europas

Naturschutz und nachhaltige Regionalentwicklung

Im Niemandsland entlang des Eisernen Vorhangs haben sich Wildnisgebiete entwickelt, in denen viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten überleben konnten. Die Initiative "Das Grüne Band Europas" will dieses Naturerbe nachhaltig sichern.

Im Zuge des Kalten Krieges waren die Grenzen zwischen den Warschauer-Pakt-Staaten auf der einen und den neutralen und den NATO-Ländern auf der anderen Seite hermetisch abgeriegelt und mit Wachtürmen und Minenfeldern gesichert worden. In diesem Niemandsland entlang des Eisernen Vorhangs sind Wildnisgebiete entstanden, die sich durch eine auffallend große Artenvielfalt auszeichnen und von zahlreichen Tier- und Pflanzenarten als Rückzugsgebiete genutzt werden.

Vom Eismeer bis an Schwarze Meer

Das "Grüne Band" erstreckt sich als mehr oder weniger durchgängiger Korridor vom Eismeer im hohen Norden bis an die Küsten des Schwarzen Meeres - durch alle wichtigen Klimazonen und Landschaftsregionen Europas. Bei einer durchschnittlichen Breite von 30 bis 50 Kilometern ist es rund 8500 Kilometer, unter Einbeziehung der Ostseeküste sogar 12.500 Kilometer, lang. Am "Grünen Band" sind auch die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien und Albanien beteiligt, obwohl diese Länder politisch einen Sonderweg gegangen waren.

Ziel der Naturschutzinitiative European Green Belt - Das Grüne Band Europas - ist es, die Naturwerte als wohl einziges positives Erbe des Kalten Krieges nachhaltig zu sichern.

Eine gesamteuropäische Initiative

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gab es eine jahrelange unkoordinierte Zusammenarbeit entlang der Grenzen und über Grenzen hinweg, wobei sich immer dichtere Netzwerke entwickelten. Der Anstoß für eine gesamteuropäische Initiative, an der mittlerweile 24 Länder beteiligt sind, kam 2004 von der Weltnaturschutzunion, der International Union for Conservation of Nature (IUCN).

Bemerkenswert ist, dass bei den grenzüberschreitenden Kooperationen im Rahmen des Grünen Bandes das Miteinander auch dann funktioniert, wenn das politische Verhältnis der beteiligten Staaten gespannt ist.

Inzwischen gibt es eine Reihe grenzüberschreitender Schutzgebiete, etwa den Nationalpark Neusiedlersee, an dem Österreich und Ungarn beteiligt sind, oder die Naturparke Raab im Südburgland und Goričko in Slowenien, die aufs engste mit dem ungarischen Nationalpark Örseg zusammenarbeiten. Ein weiteres Beispiel ist der trilaterale Nationalpark Pasvik-Inari im Dreiländereck Finnland - Norwegen - Russland.

Schutz und Forschung

Die Initiative Grünes Band bindet im Rahmen von Einzelprojekten gezielt auch die wissenschaftliche Forschung ein. In diesem Sinne kann man den Korridor auch als riesiges Freiluftlabor betrachten, wobei erstmals auch ein gemeinsamer Blick auf bestimmte Fragestellungen möglich wird.

Den Beteiligten ist klar, dass die ökologischen Interessen nur unter Bedachtnahme auf die Bedürfnisse der Menschen in den betroffenen Regionen durchgesetzt werden können, was eine verstärkte Kooperation mit anderen Interessensgruppen, etwa dem Tourismus oder der Landwirtschaft, notwendig macht.

Den Eisernen Vorhang mit gleichförmiger Wirkung hat es nie gegeben. Die Rahmenbedingungen waren von Region zu Region unterschiedlich - nicht nur politisch, sondern auch im Hinblick auf die Landschaftsformen und Nutzungsstrukturen.

Somit hat jeder Abschnitt des Grünen Bandes seine eigene spezifische Grenzgeschichte und gemahnt an jeweils andere Traumata. Das Grüne Band Europas sei deshalb weit mehr als ein ökologisches Thema, meint Thomas Wrbka, Kurator der gleichnamigen Ausstellung im Schlossmuseum in Linz. Es gehe nämlich auch darum, wie man mit Grenzen umgehen und die damit verbundenen Erfahrungen verarbeiten könne - individuell wie kollektiv.

16.09.2009

Hör-Tipp
Dimensionen, Mittwoch, 16. September 2009, 19:05 Uhr

Veranstaltungs-Tipp
Ausstellung, "Das Grüne Band Europas", Schlossmuseum in Linz, bis zum 10. Jänner 2010. Den Katalog der Ausstellung haben Thomas Wrbka, Katharina Zmelik und Franz Michael Grünweis herausgegeben.

Tipp
Die Ausgabe 9/10 (September / Oktober 2009) der Zeitschrift "Natur und Landschaft, die vom deutschen Bundesamt für Naturschutz herausgegebenen wird, ist dem Schwerpunkthema "Grünes Band" gewidmet.

Links
Bundesamt für Naturschutz
Europeam Green Belt
International Union for Conservation of Nature

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