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Kultur

Kepler

Philip-Glass-Oper in Linz

Die Uraufführung von Philip Glass' Oper "Kepler" am Linzer Landestheater wurde umjubelt. Die Reaktionen der Kritiker sind gespalten: "Fließbandproduktion" meinen die einen, die anderen sind davon überzeugt, dass "Theatergeschichte geschrieben" wurde.

Ein "echtes Theatererlebnis" hatte sich der Linzer Landestheater-Intendant Rainer Mennicken von der Opernproduktion über Johannes Kepler gewünscht, mit der das Landestheater und Linz09 im Kulturhauptstadtjahr internationale Aufmerksamkeit erregen wollten. Die Uraufführung der von Philip Glass komponierten Auftragsproduktion rund um den berühmten Astronomen (1571-1630), der über ein Jahrzehnt in der oberösterreichischen Landeshauptstadt gelebt und gearbeitet hatte, wurde auch tatsächlich zum Erlebnis - zu einem reichlich kopflastigen, allerdings. Der Jubel um den Komponisten, den Dirigenten Dennis Russell Davies und das Team war groß.

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Der Standard

Dass der 1937 geborene Amerikaner Musik wie am Fließband produziert, ist auch seinem aktuellen Coup deutlich anzuhören, auch wenn ihn das Bruckner Orchester Linz unter der Leitung von Dennis Russell Davis größtenteils untadelig exekutierte. So lag am Ende das Verdienst der Anstrengung vor allem darin, sich mit einem wissenschaftlichen Revolutionär auseinandergesetzt zu haben, Keplers scharfsinnigen Versuche in Erinnerung zu rufen, die Physik von der Theologie abzugrenzen, sowie seine bahnbrechenden Kalkulationen der Planetenbewegungen schematisch vorzuführen. (...)Bassbariton Martin Achrainer in der Titelrolle bemühte sich redlich und mit einigem Erfolg um überzeugende Gestaltung, so weit es das Stück eben zuließ, während Solistenquartett und Chor teilweise erhebliche Schwierigkeiten mit ihren Parts hatten, so schlicht diese auch komponiert waren.
21. September 2009

Kurier
Das Libretto (Martina Winkel) auf Latein und Deutsch ist ein Mosaik aus Zitaten Keplers, Bibelstellen und Lyrik des Barockdichters Andreas Gryphius und wirkt meist stimmig. Musikalisch bleibt Glass seinem Stil treu: Flächige Klangmuster, monoton sich immer wiederholend mit kleinen Veränderungen. Aber man kann sich ihrer Wirkung kaum entziehen. Vor allem, wenn das Bruckner Orchester Linz unter Dennis Russell Davies diese Sogwirkung mit Exaktheit und enormem Klangreichtum noch verstärkt. Dazu ist Martin Achrainer ein eindrucksvoller Titelheld.

Kronen Zeitung
Der Chor - perfekt vorbereitet von Georg Leopold - setzt auch mit dem Rauschen seiner Schutzfolien sinnliche Momente. Wie überhaupt die musikalische Umsetzung von höchster qualitativer Durchtriebenheit ist. Dennis Russell Davies setzt die Musik seines Freundes bedingungslos um, sein Bruckner Orchester weiß ihm makellos elektrisierend zu folgen. Der lautstarke Jubel galt allen (!) Beteiligten; und Linz hat eine Oper über einen Monolithen seiner Stadt, der in einem minimalistischen Opernkometen seine Erscheinung findet.

Oberösterreichische Nachrichten
Dieser Abend ist wohl zu den absoluten Sternstunden des Linzer Landestheaters zu zählen. Natürlich kann und darf man Einschränkungen machen, darf die Musik als gute Filmmusik abqualifizieren. Unwidersprochen aber bleibt, dass Philip Glass ein Theaterkomponist ist und dass seine Musik einen in einen Sog berauschender Klänge zu ziehen vermag und fast meditativ schweben lässt, ohne an Spannung zu verlieren. (...) An diesem Abend wurde wahrscheinlich Theatergeschichte geschrieben.
22. September 2009

Wiener Zeitung
Mögen die für manche Zuhörer bloß einlullenden Klänge des prominentesten Vertreters der Minimal Music den Linzer Musikfreunden dank des Einsatzes des Opernchefs und Chefdirigenten des Bruckner Orchesters, Dennis Russell Davies, auch vertraut erscheinen – diesmal lernen sie den amerikanischen Tonschöpfer von einer eher dramatisch auftrumpfenden Seite kennen.
22. September 2009

Frankfurter Rundschau
Martin Achrainer in der Titelpartie hat nur eng bemessene Gestaltungsspielräume. Eine Psychologisierung der Figur ist nicht vorgesehen, so bewegt sich Achrainer gemessen in einem ihn steif umgebenden Umhang auf der Bühne auf vorgegebenen Bahnen umher und schaut abwechselnd nach oben und, wenn es etwas singend mitzuteilen gibt, zum Publikum. (...)Zurück bleibt eine gewisse Ratlosigkeit angesichts der Frage, welches große Thema diese Oper angehen will. (...) Jegliches Heldentum, jegliche Entscheidungsautonomie bleibt ihm versagt, als Subjekt bleibt er der Unterworfene. Das wäre lesbar als historische Deutung dieser Figur, auf der Bühne aber erscheint es als Folge der Musik- und Theatermaschinerie, die die minimalistische Ästhetik von Philip Glass seit je und immer wieder in Gang setzt.
22. September 2009

22.09.2009

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Links
Linz 2009
Landestheater Linz
Der Standard - Minimalismus musikalischer Ideen
Oberösterreichische Nachrichten - "Kepler"-Oper: Sternstunde am Landestheater
Wiener Zeitung - Keplers Gedankenwelt
Frankfurter Rundschau - Der Planet und die Hexe

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