Liebe Frau Dr. Suchy!

Brief an mich - Teil 21

Bei der Ausstellung über die Weltmathematik im "Haus der Mathematik" kommen die Frauen ein wenig zu kurz. Frauen sind eben keine Mathematikerinnen, wie diverse Nachschlagewerke zum Thema beweisen. Von "bösem Willen" also keine Spur - oder?

Ich schätze Ihre Sendungen, manche sind wirklich toll, auch wenn ich die Musik Ihrer Komponistinnen und vermeintlichen Emanzen nicht schätze und sie ganz sicher nicht mag. Aber Sie sind nicht ganz so schlimm wie die linken feministischen ewiggestrigen 68er. Was - Sie waren da noch in der Volksschule? Ich hab eh gesagt, Sie sind nicht so schlimm...

Schauen Sie, wohin es führen kann, wenn man mit der Quotengleicheit gedankenlos argiert: auf der Damentoilette der Pädagogischen Hochschule Wien findet man: "werte Besucher und Besucherinnen". Denselben Text findet man auch auf dem Herren-WC! Sehen Sie nicht, wie brüskierend das für uns Männer ist. Nicht einmal am Klo soll man vor Besucherinnen seine Ruhe haben.

Sie können noch so viele Emanzen-Sendungen machen, Ihre Gäste geben doch die richtigen Signale in Richtung Männerwelt, wenn sie nicht, "so wie Hitchcock den wunderbaren Schauspielerinnen unter den Rock greifen" wollen. Werden Sie nicht gleich wieder emotional, er hat eh gesagt, "Nein, das brauch ich nicht."

Was ich noch sagen wollte: Ihre Sendungen über Abtreibung: Zeigt nicht gerade die hohe Quote an sehr jungen Mädchen, die nur in der Abtreibung einen Ausweg sehen, wie schlecht es um das weibliche Selbstbewusstsein aussieht?

Nun zu Ihrer Anfrage, warum bei unserer Ausstellung über die Weltmathematik die Frauen ein wenig zu kurz kommen. Als absoluter Befürworter der Gleichstellung, für mich sehe ich da wirklich kein Problem, das soll sein und wird auch in der Generation meiner Enkelinnen längst verwirklicht sein, ich habe also recherchiert:

Im Standardbuch "Geschichte der Mathematik" aus 1998 habe ich gefunden: 153 Weltmathematiker und 1 Weltmathematikerin, in den "Biographien bedeutender Mathematiker" aus dem Jahr 1975 gibt es 702 Weltmathematiker und zwei Weltmathematikerinnen. In "Die großen Mathematiker" aus 1967 gibt es 27 Weltmathematiker und null Weltmathematikerinnen.

Sie sehen also, es war nicht böser Wille - Sie wissen ja, ich bin ein Frauenfreund, fast hätte ich geschrieben, kein Kostverächter, aber ich weiß, das gefällt Ihnen weniger - ich habe die Ausstellung also grundsätzlich gestaltet, in einem nächsten Vortrag werde ich dann auch weniger grundsätzliche, dennoch mir am Herzen liegende Themen wie die Gleichstellung behandeln. Bitte sehen Sie in mir einen absoluten Befürworter der Gleichstellung von Frauen und Männern, ich denke nur, dass man manchmal "die Kirche im Dorf lassen soll"!! Wir werden Ihr Anliegen weiterhin ernsthaft verfolgen!

Lassen Sie also die Kirche im Dorf, ich habe ja gesagt, "Mann" muss sie dort lassen, lassen Sie doch die Männerwelt in Ruhe, Sie sind eine dauernde Störung, allein, dass ich Ihnen diese Antwort schreiben muss, ist an der Grenze des Zumutbaren. In Zeiten gekürzter Budgets und ständig zunehmender Belastungen in der Arbeitswelt kommen jetzt Frauen wie Sie und fordern zusätzliche Recherche und Budgets. Es stimmt, dass unser Haus vom Rechnungshof geprüft worden ist und die Auflage erhielt, in seinen Ausstellungen und Veranstaltungen mehr Frauen zu integrieren. Aber Sie sehen ja, es gibt kein Budget; wir haben alles für die laufenden Projekte mit Männer-Ensembles und Männer-Orchestern und Männerthemen aufgebraucht. Suchen Sie halt an um Subventionen und Förderungen; stellen Sie sich selbst Geld auf; wenn Sie Ihre Frauenthemen wollen.

Bitte missverstehen Sie mich nicht, ich war sehr froh über Ihre Anregung, da es mir nun möglich ist, eine wissenschaftlich fundierte Antwort auf Ihr Anliegen zu geben.

Es wird noch eine Zeitlang dauern, bis unsere Welt Frauenräume erträgt, sie sehen ja, welch Aggressivität bei der Audi-Max-Besetzung der Frauenraum erzeugt. Nicht, dass ich mit manchen der Äußerungen im Internet einverstanden wäre, oder mit Ausrufen wie "Ausziehen" oder "Schleich dich, du Hure" während der Redebeiträge von Frauen. Aber was kommt als Nächstes, nach dem Frauenraum, dem Lesbenraum. Besucherinnen am Herrenklo?

Sie müssen verstehen, dass die durchaus ernstzunehmende Problematik des Frauenraumes von den Analysten und Befürwortern des Universitäts-Reformprozesses wie Konrad Paul Liessmann nicht auch nicht behandelt werden können. Es geht um Grundsätzliches.

In der Hoffnung Ihre Anfrage mit wertschätzender Ernsthaftigkeit behandelt zu haben, und Sie als Besucherin bald wieder begrüßen zu dürfen, verbleibe ich

Ihr M.M.

Inspirationsquellen
Haus der Mathematik und andere Männermuseen und die Antworten auf Leserinnen-Briefe und Besucherinnnen-Reaktionen

diestandard.at vom 3. November 2009

Links
Haus der Mathematik
diestandard.at