Stellungnahme des Ö1 Kultur- und Programmchefs
Ö1 sendet seit 4. Jänner des Jahres nach einem neuen Schema. Vor allem der Nachmittag weist einige Neuerungen auf. Dazu gab und und gibt es seitens des Publikums zahlreiche Kommentare - und jetzt auch eine offizielle Stellungnahme mit einer interessanten Neuerung.
Eine neu konzipierte 15:00-Uhr-Musikleiste, in der an jedem Wochentag mit bewusster inhaltlicher Herausforderung über Musik geredet, die Musik in den Mittelpunkt der Reflexion gestellt wird, ist eines der Herzstücke des neuen Ö1 Schemas. Weitere Neuerungen betreffen, die Nachrichten, die Wiederholung wichtiger Wortsendungen und einiges mehr.
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Auf das neue Ö1 Schema gibt es (wie bei jeder Schemaänderung) wieder zahlreiche Reaktionen, die eine erklärende Reaktion des Ö1 Kultur- und Programmchefs, Alfred Treiber, sinnvoll erscheinen lassen.
Ich könnte es mir leicht machen und sagen: Man kann es nicht allen recht machen. Aber ich nehme Kritik unseres Publikums (unserer "Kundinnen" und "Kunden" sozusagen) ernst und gehe daher darauf ein.
Es stimmt, dass es um 28 Minuten wöchentlich weniger Oper gibt. Das hängt mit der Reform des Nachmittags zusammen. Sie wurde unserer Meinung nach notwendig, weil die lange Musikstrecke reichweitenmäßig "geschwächelt" hat. Es war daher nahe liegend, die lange Musiksendung in zwei kürzere (eine Musik- und eine Wortsendung) zu teilen. Das hatte Auswirkungen auf die Oper und den gesamten Nachmittag.
Es ist ein - auch von den Printmedien verbreiteter - Irrtum, dass es sich dabei um eine Sparmaßnahme handelt. Der durch die Kürzung der Musikleiste gesparte Betrag ist zu vernachlässigen. Vielmehr geht es bei der Wiederholung von hochwertigen, vielfach preisgekrönten und aufwändigen Sendungen wie "Hörbilder" oder "Tonspuren" (um nur zwei zu nennen), die an zeitlichen Randzonen liegen, erstens um die Stärkung des öffentlich-rechtlichen Auftrags durch die Zweitausstrahlung von Ö1 Top-Produkten zu einem gänzlich neuen Zeitpunkt für ein neues Publikum und zweitens um die Erfüllung eines langjährigen Hörerwunsches nach mehr Zweitausstrahlungen.
65 Prozent unseres Publikums wünschen sich mehr, nur 10 Prozent weniger Wiederholungen. Und laut unserer Radioforschung gibt es kaum Überschneidungen der Publikumssegmente. Ö1 erwartet sich also sowohl eine Erhöhung der Reichweite (Publikumsakzeptanz) als auch eine Stärkung des Bildungsauftrages.
Sie liegen nicht in meiner unmittelbaren Verantwortung, daher gebe ich hier die Stellungnahme der Radio-Chefredakteurin Bettina Roither-Epp wieder:
"Es hat in der Vergangenheit ein gemeinsames Nachrichtenformat schon gegeben. Und es handelt sich, das darf man nicht vergessen, nur um fünf Nachrichtensendungen pro Tag - und die sind jeweils eine Minute kürzer. Dem gegenüber stehen acht ungekürzte Journalsendungen. Die Landesstudios haben jeweils verschiedene Sendeuhren: diese müssten alle geändert werden, um einen Fünf-Minuten-Nachrichtenblock unterzubringen, was ungleich komplizierter ist, als im Rahmen der ohnehin stattgefundenen Ö1 Schemaänderung ein einziges Programm anzupassen. Für die neuen gemeinsamen Nachrichten gilt, dass der Schwerpunkt selbstverständlich auf internationaler und nationaler Berichterstattung aus den Bereichen Politik und Wirtschaft liegt, Chronik und Sport sind in nicht stärkerem Ausmaß als auch bisher schon auf Ö1 vertreten."
Bisher gab es dafür 21 Minuten Sendezeit, derzeit 20. Also bitte! Zum Sendeplatz sagt unsere Radioforschung, dass der neue besser ist als der alte. Man möge jedenfalls nicht glauben, dass solche Änderungen aus Jux und Tollerei gemacht werden.
Hier hat sich die Stimmung inzwischen zwar "gedreht", und es bildet sich gerade eine neue "Fan-Gemeinde", aber nach wie vor existiert eine hysterische und nachgerade militante Ablehnung bei einem nicht geringen Teil des Ö1 Publikums. Ich registriere das selbstverständlich und nehme es auch ernst, aber Morddrohungen und die Frage nach meiner Psychiatrierung nehme ich nicht zur Kenntnis, das geht mir höchstens langsam auf die Nerven. Ich stelle daher zum Thema letztmalig fest: Nicht alles, was man nicht versteht (oder verstehen will) ist blöd. Und zweitens: Unangemessene Aufregung ist kein Maßstab. Wir werden daher die objektiv gemessene Publikumsakzeptanz (Radiotest und Radio-Tagebuch) abwarten, bis wir weitere Entscheidungen treffen. Das wird frühestens Ende April sein.
Eine vielleicht assoziativ nahe liegende "Auferstehung" des "Guglhupfs" wird es aber mit Sicherheit nicht geben.
Mein persönlicher Rat: Nerven bewahren und näher hinhören…
Alfred Treiber
Kultur- und Programmchef Ö1
Was die neue Nachrichtenkennung betrifft (Verlust von Kennungsdreiklang und Gong), hat es bei uns auf Grund der Publikumsreaktionen und auch aus eigener Wahrnehmung eine neue Diskussion gegeben - mit dem Ergebnis, dass die Chefredakteurin, das Ö1 Team und ich beschlossen haben, ab Montag wieder zur "alten" Kennung zurückzukehren. Der Versuch, den Nachrichten eine neue Aufmerksamkeit zu geben, war von unserem Standpunkt aus der Mühe wert, es hat aber nicht funktioniert.
PPS
Allen Gegnern von "Welt Ahoi!" und Freunden des "Guglhupfs" muss ich allerdings sagen, dass sie daraus keine übertriebenen Hoffnungen ableiten sollen...
13.01.2010
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