Bernhard Trebuch über die Resonanzen
"Flammen" lautet das Motto der Resonanzen 2010, die von 16. bis 24. Jänner im Wiener Konzerthaus stattfinden. Österreich 1 sendet neun Konzerte der "Resonanzen" - zwei davon live - und wird wieder Ausschnitte der Konzerte auf CD veröffentlichen.
Zugegeben: Zum Thema "Flammen" fällt einem in der Musik und Geschichte vieles ein. Einiges davon spiegelt sich im Programm der diesjährigen, achtzehnten Resonanzen wider. Zum Beispiel, wenn der göttliche Sänger Orpheus nach Noten eines unserer heurigen Jahresregenten - Johann Joseph Fux - von seiner Liebe zu seiner Eurydike singt.
Aber auch, wenn Hugo Reyne mit seinem fulminanten Ensemble La Simphonie du Marais und der französischen Starsopranistin Véronique Gens für Anfang und Ende der französischen Barockoper mit Werken von Jean-Baptiste Lully und Jean-Philippe Rameau eine Lanze bricht oder Pedro Memelsdorff mit seinem Ensemble Mala Punica in die Welt des Trecento, des italienischen 14. Jahrhunderts, mit seiner subtilen Rhythmik und Kontrapunktik entführt. Wer nach diesem vielfältigen Programm mit zehn Konzerten und einem umfangreichen Rahmenprogramm von der Ausstellung historischer Instrumente bis hin zur Resonanzen-Lounge nicht entflammt ist, dem ist nicht zu helfen.

La Simphonie du Marais spielt Musik von Guillaume Bouzignac, Louis Constantin, Guillaume Bouzignac, Marc-Antoine Charpentier, Jean Baptiste Lully und Michel-Richard de Lalande.
Ein absolutes Muss: Seit vier Jahrzehnten für die heute sogenannte Alte Musik entflammt sind Ton Koopman und Jordi Savall. In Holland beziehungsweise Spanien geboren, verbindet die beiden Starmusiker nicht nur eine bemerkenswerte musikalische Harmonie, sondern auch eine langjährige Freundschaft. Ich kann mich gut daran erinnern, wie Ton Koopman im Ensemble Hespèrion XX im Konzert Anfang der 1980er Jahre in San Maurizio in Mailand Cembalo gespielt hat, oder wie die erste Aufnahme der Bach'schen Gambensonaten mit den beiden Künstlern vor dreißig Jahren veröffentlicht wurde.
Mittlerweile haben beide als Dirigenten Karriere gemacht, die gemeinsamen musikalischen Spaziergänge sind rar geworden. Umso glücklicher das Resonanzen-Publikum, wenn Savall und Koopman im Wiener Konzerthaus wieder gemeinsam auf der Bühne stehen (16. und 17. Jänner 2010). Da treffen sich zwei Herren im Pensionsalter (Savall geboren 1941; Koopman geboren 1944) und machen das, was sie schon so oft gemacht haben: Sie spielen Musik von Marais und Forqueray. So könnte man allzu nüchtern feststellen. Dass dem ganz und gar nicht so ist, fühlt das Publikum.
Wenn Savall und Koopman musizieren, da geht es ums Ganze. Nur einer handverlesenen Schar von Musiker/ innen sieht man das Feuer an, das auch in diesen beiden Starinterpreten brennt. Mit jugendlichem Elan und Ungestüm wird Musik nicht "gemacht", sondern "entflammt". Es entsteht ein unauslöschbares, loderndes Feuer aus sinnlichen bis bizarren Klängen.
Dies ist freilich nur mit einer profunden Basis möglich. Einst hat sich Jordi Savall die Musik Marais' vom Mikrofilm auf die Wand projiziert und die Pièces so kennengelernt. Ton Koopman besitzt eine umfangreiche (Musik-)Bibliothek, kennt alle Lehrwerke und beherrscht die historischen Fingersätze. Dennoch versuchen Savall und Koopman, immer wieder neu an die Musik heranzugehen. Da wird heute noch intensiv geprobt, um die Interpretation gerungen, diskutiert und jeder Triller hinterfragt. Ein dynamischer Prozess, der wesentlich zur Frische der Aufführung beiträgt.
Resonanzen setzen Trends
Newcomer zu präsentieren und Trends zu setzen, war seit jeher obligat für die Resonanzen. Auch heuer gibt es wieder fünf Debüts. Ich freue mich dabei besonders auf La Chapelle Rhénane. Diese Gruppe aus Frankreich, 2001 gegründet, gehört zu den Spitzenensembles für die Interpretation von Vokalmusik des 17. Jahrhunderts.
Benoît Haller entführt mit seinen exzellenten Musiker/innen in ein heute rares Repertoire: Obwohl Heinrich Schütz einer der bedeutendsten Komponisten des Barock in Deutschland war, werden seine Werke in unseren Breiten nur selten aufgeführt. Zum einen erstaunt dies, zum anderen wiederum nicht. Denn, die Motetten im italienischen Stil, bisweilen von Schütz auch nur Kleine geistliche Konzerte genannt, verlangen den Sänger/innen einiges an Können ab.
Ein Geheimtipp - im vergangenen Jahr eingeführt und sogleich bestens vom Publikum angenommen - sind die "Vorspiele" vor den Hauptkonzerten, in denen sich die jüngste Generation von Künstler/innen präsentiert. Zum Beispiel die Armenierin Varvara Manukyan: Wie der Pianist "1900" in Tornatores Film "Novecento - La leggenda del pianista sull' oceano", so hat auch diese junge Cembalistin ihr Instrument voll im Griff und entflammt die Gemüter.
Text: Bernhard Trebuch · 17.01.2010
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Konzerthaus - Resonanzen
CD-Tipp
"Resonanzen 2009: Lustgärten", erhältlich im ORF Shop
Hör-Tipps
Resonanzen 2010 live, Sonntag, 17. Jänner 2010, 19:30 Uhr
Resonanzen 2010, Donnerstag, 21. Jänner 2010, 10:05 Uhr
Resonanzen 2010 live, Sonntag, 24. Jänner 2010, 19:30 Uhr
Alte Musik - Neu interpretiert, Dienstag, 26. Jänner 2010, 19:30 Uhr
Konzert am Vormittag, Donnerstag, 4. Februar 2010, 10:05 Uhr
Konzert am Vormittag, Donnerstag, 18. Februar 2010, 10:05 Uhr
Alte Musik - Neu interpretiert, Dienstag, 23. Februar 2010, 19:30 Uhr
Resonanzen 2010, Donnerstag, 1. April 2010, 10:05 Uhr
Resonanzen 2010, Donnerstag, 20. Mai 2010, 10:05 Uhr
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