Der Arzt und sein Patient

Peter & Teutscher haben "Nachtdienst"

Im neuen Programm des Kabarett-Duos Peter & Teutscher geht es um Leben und Tod, also um die Beziehung zwischen Arzt und Patient. Der Arzt Ronny Tekal-Teutscher und sein Bühnen-Patient Norbert Peter bringen Licht ins Dunkel des Nachtdienstes.

Running Sushi im Spital

Seit Mitte der 1990er Jahre gibt der Allgemeinmediziner Ronny Teutscher gemeinsam mit dem Kommunikationswissenschaftler Norbert Peter Einblicke in das nicht immer friktionsfreie Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Als Duo Peter und Teutscher haben die beiden bereits die unterschiedlichsten Problembereiche zwischen der Medizin und ihrer Kundschaft auf die Bühne gebracht. Seit kurzem ist es der Nachtdienst, der die beiden mittlerweile hauptberuflichen Entertainer beschäftigt, die Nachtzone der medizinischen Versorgung.

"Von meinen Erfahrungswerten kann ich das gut kombinieren - Arzt und Kabarettist -, weil es ist nicht allzu viel Unterschied macht", meint Ronny Teutscher. "Und gerade in der Nacht kommt das zum Vorschein, was den Arzt ausmacht. Wenn seine Nerven blank liegen und die Patienten kommen munter, während die Ärzte ehre übermüdet sind, so ist das meist ein interessantes Zusammentreffen. Reinhard Fendrich hat schon gesungen‚ 'Zwischen eins und vier, wo vieles schnell an Wichtigkeit verliert', und das gilt natürlich auch für uns Ärzte. Die Nacht ist daher für uns eine ganz besondere Zeit", so Ronny Teutscher weiter, der neben seinen kabarettistischen Aktivitäten auch als Ganzheitsmediziner tätig ist.

Lachen bis der Arzt kommt

In seinem Programm "Nachdienst" setzt das Duo Peter und Teutscher auf eine bewährte Methode der Arbeitsteilung. Ronny Teutscher präsentiert kraft seiner Vorbildung die medizinische Perspektive zum Thema Ärzteschaft und Nachtdienst. Mit einem Flipchart ausgerüstet, skizziert er auf unterschiedlichste Weise, was den Arzt und seine Kundschaft so bewegt. Und besagte Kundschaft wird von Norbert Peter dargestellt. Sein diesbezügliches Repertoire reicht vom Hypochonder über den unbelehrbaren Patienten bis hin zur Rolle der Frau Amalie Kratochwil.

In leicht gebückter Haltung - mit Regenmantel und Stock ausgerüstet - gehört die Figur der grantigen wie hinterlistigen alten Dame bereits zum Standardpersonal des Medizinkabaretts. Sie ist unbelehrbar und zeigt dem Arzt nur allzu gerne die Grenzen seiner menschlichen Möglichkeiten.

Was Medizin und Satire betrifft, so hat das Fernsehen seit vielen Jahren vor allem angelsächsische Vorabendserien im Programm, die den Alltag im Krankenhaus aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten. Jede Humorvorlage ist erwünscht, meint Norbert Peter nicht ganz ohne Ironie: "'Scrubs' liebe ich zum Beispiel sehr, weil es medizinisch lustig ist und gleichzeitig auch den Puls unserer Zeit, unserer Generation trifft. Da gehört dazu, dass man offener ist, Tabus flockiger angeht. Tod, Sexualität, Krankheit - da darf man nicht nur darum herumreden, man muss sich dem Thema auch humorvoll nähern. Das Leben an sich ist ja schon ein Thema, das einige hergibt. Und mit unserem 'Nachtdienst' greifen wir einen Aspekt dieses Lebens auf, bei dem man sich angegriffen fühlen kann, weil es ja um Gesundheit geht oder besser gesagt um Krankheit."

Erste Hilfe vom Kabarettisten

Dass Lachen die Abwehrkräfte stärkt, davon ist Ronny Teutscher überzeugt. Im Nachtdienst auf der Bühne möchte er aber neben den vom Publikum erwarteten humoristischen Anleitungen zum gezielteren Missverständnis zwischen Arzt und Patienten auch praktische Tipps geben.

Im Medizinkabarett lernt man daher ebenso, wie zur Musik von "Staying alive" bewusstlosen Menschen die Augen wieder geöffnet werden können und das Publikum bekommt auch einen Crash-Kurs im Erstellen von Blickdiagnosen und Therapieparcours.

"Ich versuche als Arzt auch immer medizinische Weisheiten unterzubringen, weil die Leute aus dem Programm gesünder hinausgehen sollen als sie reingekommen sind - das ist mir ganz wichtig", sagt Teutscher. "Wir vermitteln deswegen auch Erste-Hilfe-Tipps. Ich bin nebenbei Präsident von 'Puls', das ist ein Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes. Deswegen ist es mir ein Anliegen, einfache Rettungsmaßnahmen unterhaltsam auf der Kabarettbühne zu bringen, spielerisch in das Programm einfließen zu lassen. Das funktioniert kabarettistisch und die Leute merken sich die Erste-Hilfe-Tipps auch wirklich."

"Nachtdienst" - ein Medizinkabarett für Patienten aus der Ärzteschaft und der Restbevölkerung bietet also auch vergnügliche Weiterbildung in Sachen Erste Hilfe.

Die Stimme des Volkes

Klarer als in früheren Programmen läuft im "Nachtdienst" die Rollenaufteilung ab. Und davon profitiert das Spiel außerordentlich. Ronny Teutscher bewährt sich als Experte von innen, der selbstironisch den eigenen Berufsstand des Arztes karikiert, ohne dabei in Klamauk oder Parodie abzugleiten. Und Norbert Peter sorgt in unterschiedlichsten Tonlagen für die Stimme des Volkes, das ja bekanntlich fast alles besser weiß als der behandelnde Arzt.