Funkstille am Bisamberg, endgültig

Der Sender Bisamberg ging 1933 in Betrieb und erlebte eine ereignisreiche Geschichte. 1995 wurde der Sendebetrieb eingestellt, von 1997 bis 2008 für "Radio 1476" wieder aufgenommen. Die Sprengung der beiden Sendemasten beendete das Kapitel "Mittelwelle".

Live-Kommentar zur Sprengung am 24. Februar 2010

Mit der Sprengung der beiden Sendemasten auf dem Bisamberg ist das Kapitel "Mittelwelle" in Österreich beendet. Gleichzeitig verlor das Land auch sein höchstes Bauwerk, den Nordmast mit einer Höhe von 265 Metern. Platz Eins übernimmt jetzt mit 252 Metern der Donauturm in Wien

Zahlreiche Schaulustige verfolgten am 24. Februar 2010 ab Mittag das Spektakel. Bei älteren Menschen herrschten wehmütige Erinnerungen. Bei Menschen mit einem Sinn für die Faszination von Technik herrschte Unverständnis, und zahlreiche anwesende Funkamateure und Freunde der Mittelwelle beklagten den kulturhistorischen Verlust durch die Abtragung der Masten. Für sie wäre dies ein klarer Fall für einen Denkmalschutz gewesen. Wien verlor ein "Wahrzeichen".

Zwei zehnjährige Buben waren völlig unbeeindruckt von der historischen Bedeutung des Augenblicks. Ihr Kommentar, als die 80 Tonnen Stahl planmäßig einknickten und zu Boden krachten. "Wow, warum machen die das nicht jede Woche?"

Erste Abstrahlung im Jahr 1933

Im Jahr 1933 ging der Sender Bisamberg mit einer Leistung von 100kW in Betrieb. Bis ins Jahr 1945 war er neben Berlin einer der wichtigsten "Reichssender". Am 13. April 1945 wurden die beiden damaligen Türme und ein Teil der Senderanlage von den abziehenden deutschen Truppen gesprengt. Notdürftig Instand gesetzt konnte 1950 der Betrieb wieder aufgenommen werden. Nach dem Abzug der Besatzungsmächte wurden die in Kronstorf bei Linz von den Amerikanern erbauten Sendemasten zerlegt und am Bisamberg wieder aufgestellt.

1959 ging der Großsender Bisamberg mit je 2x120 Kilowatt in Betrieb. Gesendet wurde auf den Frequenzen 585 kHz am Tag und auf 1476 kHz am Abend. Zur Zeit des sogenannten "Kalten Krieges" wurde im Jahr 1975 die Kapazität auf 600kHz erhöht, wodurch der Mittel- und Südeuropäische mit Informationen versorgt werde konnte.

Am 1. Jänner 1995 wurde der Sender abgeschaltet. Österreich war flächendeckend mit Ultrakurzwellensendern versorgt.

Gründung von "Radio 1476"

Ab 21. März 1997 sendete der ORF auf der Mittelwellenfrequenz 1476 kHz ein internationales Informations- und Experimentprogramm, das Europa einerseits mit objektiver Information versorgt und andererseits verschiedenen Gruppen die Möglichkeit bietet, experimentelles Radio zu machen. Einen wesentlichen Anteil am Programmangebot nahmen Sendungen in den Sprachen der autochthonen Volksgruppen in Österreich ein.

Das Projekt war eine Kooperation vom polycollege Stöbergasse, einer Wiener Erwachsenenbildungseinrichtung, vom Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien und dem ORF.

Während der Kosovokrise im Jahr 1999 wurde das Programmangebot erweitert. Die Sendeleiste "ORF-Radio Nachbar in Not" hatte das Ziel, faire Information verknüpft mit humanitären Aufgaben in die betroffenen Gebiete zu vermitteln. Nach dem Krieg gab es eine verstärkte Zusammenarbeit mit Radiostationen in Mittel- und Südeuropa. Unter anderem erfolgte ein regelmäßiger Programmaustausch mit Radio 21 - Pristina im Kosovo, Radio FERN - Sarajevo in Bosnien, Radio A1 - Skopje in Mazedonien, Radio Antena M - Podgorica in Montenegro, RTV Slovenija - Lubjana und Radio B2-92 - Belgrad in Serbien.

Von Nachbar in Not zu Donaudialog

Im Jahr 2000 ändert "ORF Radio Nachbar in Not" den Namen auf "donaudialog - Forum für vielsprachige internationale Kommunikation" und erweitert sein Themen- und Sprachenspektrum auf die gesamte Region Mittel- und Südosteuropa. "Donaudialog" bestand bis zum 26. Oktober 2002. In der Folge wurde auf Radio 1476 das Volksgruppenprogramm ausgeweitet.

Am 31. Dezember 2008, 24:00 Uhr stellte der Mittelwellensender auf dem Bisamberg seinen Betrieb für den ORF ein. Am 1. Jänner 2009 startet das Nachfolgeprojekt von Radio 1476, mit dem Namen oe1campus - ein Webradio, das 24 Stunden sendet.

Mehr zur Sprengung der Sendemasten in futurezone.ORF.at

Hör-Tipp
Moment, Donnerstag, 25. Februar 2010, 14:40 Uhr

Link
oe1campus