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40 Jahre RSO Wien

Karlheinz Essl

Geträumte Komposition

Der Beginn erinnert an das Einstimmen des Orchesters: Die Oboe intoniert den Kammerton A, der nach und nach von den Streichern in verschiedenen Registern übernommen wird. Es entsteht ein weit ausgespannter Oktavklang, der an Mahler denken lässt.

Dieser heilen Welt ist jedoch keine lange Dauer beschieden. Der Reinklang wird durch schrille Multiphonics und Intonationsschwankungen im Blech empfindlich gestört, was sich zuletzt auf die Streicher überträgt: Die einzelnen Instrumente gleiten langsam aus ihrer Stimmung, um schlussendlich in einen 50-stimmigen Cluster zu münden.

Dann aber die "Katastrophe": Das Streicherfeld schwillt an, ein Tamtam gesellt sich lärmend dazu und überdeckt schließlich das ganze Orchester, welches jäh abreißt. Aus dem Nachhall schält sich - ganz verschämt - ein Melodiefragment der Oboe heraus.

Dieses einminütige Orchesterfragment entstand am Pfingstmontag 2009, nachdem ich in der Nacht zuvor das Stück geträumt hatte.

20.10.2009

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