26 Produktionen im Überblick
Mittelmaß verboten!
Bei der Wahl zum "Hörspiel des Jahres 2009" standen 26 neue Produktionen zur Auswahl. Im Rahmen der Langen Nacht des Hörspiels wurde die Siegerproduktion präsentiert, Elisabeth Orth als "Hörspiel- Schauspielerin des Jahres" geehrt und der "Kritikerpreis" verliehen.
8. April 2017, 21:58
Hörspiele haben einen schweren Stand. Sie liefern in einer von News und Ratgeberliteratur dominierten Mediengesellschaft nur selten nützliche Informationen. Das Alleinstellungsmerkmal von Hörspielen, sagt der Regisseur Götz Fritsch, besteht darin Seelenlandschaften zeichnen und Innenräume abbilden zu können. Die Pein eines früh missbrauchten Mädchens, das Lebensresümee eines alternden Dandys am Sterbebett, Gedanken, Überlegungen, Gefühle. Alles andere könnten die Bildmedien Theater, Film und Fernsehen besser. Wenn es dem Hörspiel nicht gelingt, neue Türen aufzustoßen, in unbekannte Welten vorzudringen, ist es schlicht und ergreifend fad.
Das Hörspiel funktioniert, wie jede Kunst, nur, wenn es Erkenntnisprozesse ermöglicht, die im Dokumentarischen und Journalistischen nicht zu haben sind. Und macht so die Hörspielmacherinnen und - macher zu Grenzgängern, die die Grenzen der erfahrbaren Welt verlassen. Viele der zeitgenössischen Stücke verlangen dem Publikum einiges ab. Häufig lohnt das Wagnis.
Fehlenden Mut zum Risiko kann man jedenfalls den Neuproduktionen des Jahrgangs 2009 nicht nachsagen. Peter Danzinger lässt Thomas Bernhard sich selbst portraitieren, Eberhard Petschinka legt sich mit der auf "militärische Dienstleistungen" spezialisierten amerikanischen Firma "Blackwater" an, Elfriede Jelinek räsoniert "Über Tiere" (und meint damit natürlich die Männer), Elodie Pascal findet "Töten ist menschlich", Martin K. Menzinger erzählt von einem malträtierten Kind namens "Trixi Baby", Ursula Scheidle führt uns in "GPS" in ferne Realitäten und die junge Autorin Magda Woitzuck lässt in "DogGod" Menschenfrauen Hunde austragen.
Im gediegenen Fach stand unter anderem ein Zweiteiler von Joseph Roth zur Wahl ("Die Geschichte von der 1002. Nacht"), in Jürg Amanns Stück "Im Zug der Zeit" brennt am Ende die Wiener Staatsoper und Rolf Schneider weiß Neues über den geheimnisumwitterten Tod des berühmten Archäologen Johann Joachim Winckelmann.
Nominierte Hörspiel-Produktionen
- "Karma aus Blech", Jean-Claude Kuner (Regie: J.-C. Kuner)
- "Bernhard", Peter Danzinger (Regie: P. Kaizar)
- "Schneewittchen und die Stahlkocher", Margret Kreidl (Regie: L. Cejpek)
- "Blackwater Redux", Krok & Petschinka (Regie: Petschinka)
- "Dillingers Fluchtplan", Mike Markart (Regie: A. Elstner)
- "Soldatenleben im Frieden", Alfred Polgar/Egon Friedell (Regie: Th. Maurer / N. Scholz)
- "Die Geschichte von der 1002. Nacht"(2 Teile), Joseph Roth/Helmut Peschina (Regie: R. Matejka)
- "Über Tiere", Elfriede Jelinek (Regie: R. Haeusermann)
- "Das allerletzte Mahl", Andreas Kloner (Regie: H. Krewer)
- "Töten ist menschlich", Elodie Pascal (Regie: E. Putz)
- "Nacht der Wünsche", Krok & Petschinka (Regie: Petschinka)
- "Im Zug der Zeit", Jürg Amann (Regie: G. Fritsch)
- "Das Wirtshaus zur Hand des Gehenkten", Bernhard Kathan (Regie: M. Sailer)
- "Trixi Baby", Martin K. Menzinger (Regie: K. Schütze)
- "Volksgarten", Andreas Jungwirth (Regie: B. Liebster)
- "Die Affäre Winckelmann", Rolf Schneider (Regie: W. Niklaus)
- "Nihon Monogatari", Peter Rosei (Regie: R. Pittroff)
- "GPS", Ursula Scheidle (Regie: U. Scheidle)
- "Little Enemyz", Uzodinma Iweala/Krok & Petschinka (Regie: Petschinka)
- "Villa Jüterbog", Ernst Wünsch (Regie: K. Weiss)
- "Kinsky", Paul Divjak (Regie: A. Elstner)
- "DogGod", Magda Woitzuck (Regie: P. Kaizar/Ph. Scheiner)
- "Antigone", Sophokles (Regie: Ch. Pichler)
- "Tote unter uns", Katharina Schmidt (Regie: D. Stermann)
- "Gebirgsfront", Raoul Schrott (Regie: M. Sailer)
- "Der Alkoholminister", Florian Grünmandl (Regie: M. Sailer)
Die Lange Nacht des Hörspiels
Das "Hörspiel des Jahres" wurde am 19. Februar 2010 bei der Langen Nacht des Hörspiels im RadioKulturhaus in Wien, im kulturhaus.tirol in Innsbruck (ab 20:30 Uhr), im Literaturhaus Salzburg (ab 19:00 Uhr), im Dinzlschloss in Villach (ab 18:00 Uhr) und in der Rubblemaster MBH in Linz (ab 19:00 Uhr) vorgestellt und am 20. Februar 2010 in Ö1 ausgestrahlt.
Hör-Tipps
Das Hörspiel des Jahres, Die Hörspiel-Galerie, Samstag, 20. Februar 2010 und Samstag, 27. Februar 2010, 14:00 Uhr
Das Hörspiel des Jahres, Kritikerpreis, Hörspiel-Studio, Dienstag, 23. Februar 2010, 21:00 Uhr
