Interaktives Echtzeit-E-learning

Webinare

"Achtung: Webinar im Internet, keine Präsenzveranstaltung" - Solche Hinweise finden sich seit kurzem anstatt einer Ortsangabe in Kursprogrammen der Erwachsenenbildung.

Am Wirtschaftsförderungsinstitut Wien gibt es den "virtuellen Klassenraum" seit einem Jahr. Ein Webinar basiert auf einer Konferenzsoftware, mittels derer die Teilnehmer sich im Internet zusammenfinden und in einem sogenannten "Virtuellen Klassenraum" unterrichtet werden.

Die Teilnehmenden sehen auf ihrem Bildschirm den Trainer/die Trainerin, eine Liste der eingeloggten Teilnehmenden (manchmal auch diese im Bild), ein Chatfenster, in dem jeder Teilnehmer schreiben kann und ein Hauptfenster, in dem eine Powerpoint-Präsentation, ein Whiteboard, Webseiten, Dateien oder der Bildschirm eines Teilnehmers eingespielt werden können. Angemeldete Webinar-Teilnehmer erhalten per E-Mail einen Link, mit dem Sie sich in das System einloggen können.

Eine Anfahrt oder gar Anreise zum Seminarort ist überflüssig, trotzdem kann mit Lehrenden und Teilnehmenden gesprochen und schriftlich synchron, also ohne Zeitverzögerung, kommuniziert werden.

Eine Bereicherung für Lernende und Lehrende

Christa Hassfurther - begeisterte Webinar-Teilnehmerin aus Salzburg - schätzt vor allem diese Kombination aus mündlichem Vortrag und begleitendem Chat. Letzterer kann auch privat unter einzelnen Teilnehmenden erfolgen. "Damit kann man sogar schwätzen", scherzt die Kulturarbeitern. Sie hat ihr erstes Webinar bei David Röthler absolviert.
Er nutzt die Onlinekonferenzsysteme schon seit drei Jahren - anfangs vor allem für Projekttreffen und die beliebten "Webmontage", das sind informelle Treffen von Web 2.0-Aktiven und Interessierten. In Salzburg werden sie von David Röthler organisiert und in einer Kombination von realem und virtuellem Treffen via Adobe Connect umgesetzt.

Mittlerweile setzt er dieses Programm auch recht intensiv in der Erwachsenenbildung ein. Inzwischen hat er über 100 Webinarteilnehmer gehabt und ist begeistert von den Möglichkeiten - trotz der paar technischen Unwägbarkeiten, die wohl immer bestehen bleiben werden.

"Die Technik darf nicht den Inhalt überlagern, das tut sie auch nicht, aber sie spielt natürlich immer eine gewisse Rolle", spricht er aus Erfahrung.

Multitasking will gelernt sein

Überhaupt gibt es einiges gleichzeitig zu tun im virtuellen Klassenraum: Zuhören, zu Wort melden, Chat-lesen, Chat-schreiben, Powerpoint einspielen und verfolgen, Webcambilder beachten, dabei die Technik im Griff behalten - ganz schön anspruchsvoll. Für Online-Lehrer und Webinar-Teilnehmende ist es am Anfang gar nicht einfach, mit dem "interaction-overload" umzugehen. Multitasking will eben gelernt und vor allem trainiert werden.

Im Rahmen des EU-Projektes "Lancelot" wurden Curricula für die Ausbildung von Online-Sprachtrainern entwickelt. Im "Avalon" genannten Nachfolgeprojekt soll nun ein weiterer wichtiger Aspekt des Sprachenlernens virtualisiert werden - nämlich die Anwendung der erlernten Sprache in Alltagssituationen mit Muttersprachlern.

Das passiert aber nicht mehr im virtuellen Klassenzimmer, sondern in der virtuellen Welt. Genauer: im Second Life (denn Totgesagte leben bekanntlich länger).

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