Was kann man sich merken?

Können wir Gefühle vergessen?

Wenn Menschen ein Ereignis oder ein Gespräch sofort wieder vergessen, wie das bei Alzheimer-Patienten der Fall ist, was passiert mit den, durch das Ereignis oder Gespräch geweckten Gefühlen? Verschwinden sie so wie die Erinnerung? Oder hängen sie nach?

So einfach wie im Film ist die Sache nicht, meint Justin Feinstein, angehender klinischer Neuropsychologe an der Universität Iowa. Er erzählt von dem Film "Vergiss mein nicht" mit Jim Carrey und Kate Winslet.

"Ein Liebespaar hat sich getrennt, und beide leiden sehr darunter. Der Film drehte sich nun um die Science Fiction-Idee: Löschen wir doch einfach die Erinnerung aus, dass es diese Beziehung je gegeben hat. Denn ohne Erinnerung daran verschwindet auch der Schmerz über die Trennung", erzählt Feinstein.

Justin Feinstein testete Patienten mit einer besonderen Art von Gedächtnisschwund. Bedingt durch eine Verletzung des Hippocampus - einer zur Gedächtnisbildung wichtigen Hirnregion - können diese Menschen keine neuen Erinnerungen bilden.

Traurigkeit hält länger an, als Fröhlichkeit

Sie erinnern sich an ihre Kindheit, jedoch nicht daran, was sie gefrühstückt haben. Justin Feinstein spielte ihnen kurze, traurige Szenen aus Filmen vor, wie etwa aus "Sophies Entscheidung" oder "Magnolien aus Stahl".

"Mich hat überrascht, wie lange die Traurigkeit angehalten hat. Bei zwei Patienten war sie auch noch nach einer halben Stunde so intensiv wie am Anfang. Das ist erstaunlich. Denn die Patienten konnten sich ja nicht an den Grund für ihre Traurigkeit erinnern", sagt Feinstein.

Im zweiten Experiment sahen die Testpersonen Ausschnitte aus Komödien. Das beschwingte Gefühl danach schien nur etwa 20 Minuten zu dauern. Wie lange Emotionen sich in abgeschwächter Form halten, muss noch erforscht werden.