Klimaexperten kritisieren CO2-Bilanz

Offiziell hat sich der CO2-Ausstoß in Österreich in den vergangenen Jahren leicht verringert. Geht man allerdings davon aus, was die Menschen konsumieren, zeigt sich ein immer stärker ansteigender Import von klimaschädigenden Produkten. Der scheint in der Klimabilanz Österreichs aber nicht auf.

Mittagsjournal, 27.04.2010

Franz Simbürger

Offizielle Zahlen

Geht es nach den offiziellen Zahlen, die in Österreich so wie in allen anderen Ländern des Kyoto-Klimaschutzabkommens berechnet werden, dann wurden 2007 rund 88 Millionen Tonnen Treibhausgase in Österreich produziert. Das sind die aktuellsten Zahlen des Umweltbundesamtes.

Fehlerquelle Produktionsprinzip

Berechnet werden diese Zahlen nach dem sogenannten Produktionsprinzip: also der CO2-Ausstoß jener Güter von der Maschine bis zum Treibstoff, die in Österreich hergestellt werden.

Experten fordern Konsumprinzip

Wissenschaftler weltweit drängen aber immer stärker darauf, das sogenannte Konsumprinzip für die Berechnung des CO2-Ausstosses anzuwenden, also den CO2-Ausstoss all jener Güter zu berechnen, die in Österreich verbraucht werden. Das Wegener Zentrum für Klima und globalen Wandel an der Universität Graz hat das für die Jahre 1997 und 2004 gemacht.

CO2-Ausstoß um ein Drittel höher

Es kommt zu dem Schluss: Der CO2-Ausstoß, der Österreich tatsächlich zuzurechnen ist, wäre um mehr als ein Drittel höher als die offizielle Zahl angibt. Für 2004 wären das 110 statt der damals errechneten 79 Millionen Tonnen CO2.

Mehr klimaschädigende Produkte

Seit 1997 werden auch immer mehr klimaschädigende Produkte importiert. Der Grund liegt in geltenden Gesetzen und internationalen Abkommen, sagt Birgit Bednar-Friedl vom Wegener-Zentrum: "Dieser Zusammenhang kommt zunehmend dadurch zustande, dass Österreich in gewissen Branchen einfach Emissionen einsparen muss, sich auf andere Branchen, die sauberer sind spezialisiert und dennoch die Nachfrage nach diesen Gütern, die aber CO2-intensiv sind, noch vorhanden ist."

Österreich kein Einzelfall

Österreich steht damit nicht allein da, sagt Bednar-Friedl: "Man sieht ganz stark, dass eigentlich alle Industrieländer einen höheren CO2-Gehalt aufweisen, wenn man nach dem Konsum geht. Bei den Entwicklungsländern oder bei den Schwellenländern ist das genau umgekehrt.

China argumentiert beispielsweise, dass 30 Prozent seiner Emissionen nicht für den Konsum in China entstehen, sondern für die Exporte, die in die Industrieländer gehen."

Keine einheitliche Klimapolitik

Produkte um die es dabei vor allem geht, sind Fahrzeuge, Maschinen insbesondere auch für die Bauwirtschaft, Güter der Elektronikindustrie oder auch der chemischen Industrie, sagt Bednar-Friedl.

Für den Klimawandel sei es zwar egal, wo die Treibhausgase entstehen, sagt Bednar-Friedl, nicht aber für die Klimaschutzpolitik: "Weil in manchen Ländern gibt es eben Klimapolitik, die versucht, die CO2-Emissionen zu reduzieren und in anderen Ländern gibt es das eben nicht. Wenn jetzt die CO2-Emissionen in den Ländern anfallen, wo es keine Regulierung gibt und wo somit CO2-Emissionen gratis erfolgen, dann wird die weltweit ausgestoßene CO2-Menge zunehmen."

"Berechnungssystem umstellen"

Und immerhin rund ein Drittel der CO2-intensiven Importgüter in Österreich stammt aus Ländern, die keinerlei internationale Klimaschutzverpflichtungen eingegangen sind. Die Staaten sollten also auf ein die Wahrheit besser wiedergebendes Berechnungssystem des CO2-Ausstosses umstellen, meint die Expertin.

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