Afghanische Drogen im Visier Moskaus

Mit einer Drogenkonferenz in Moskau will die russische Führung auf den Anstieg des Drogenanbaus in Afghanistan hinweisen. Eine Initiative, auf die die Vereinigten Staaten zurückhaltend reagieren. Die Zerstörung der Mohnfelder, so die Bedenken der USA, könnte die afghanische Bevölkerung in die Arme der Taliban treiben.

Mittagsjournal, 11.06.2010

Moskau will Mohnplantagen vernichten

Russland fordert ein härteres Vorgehen gegen Drogen aus Afghanistan. Schlafmohnplantagen müssen vernichtet und Heroinlabors ausgehoben werden. Bei einer Drogenkonferenz in Moskau meinte der russische Präsident Dmitri Medwedew: "Alle Länder, die Drogen und im Speziellen harte Drogen produzieren, verursachen damit eine Gefahr im Weltmaßstab. Das ist der Grund, warum sich bei diesem Thema, das nun ohne Übertreibung wirklich alle betrifft, politische Spiele verbieten."

Seitenhieb auf NATO und USA

Die Bemerkung zielt, ohne den Adressaten direkt zu benennen auf die NATO und die Vereinigten Staaten. Während man in Südamerika sehr wohl den Anbau von Kokain bekämpfe, halte man sich bei der ganz besonders auch für Russland verheerenden Heroinproduktion in Afghanistan aus politischen Gründen zurück. Dmitri Medwedew: "Wenn wir unsere Augen vor einer Weltgegend wie etwa Afghanistan verschließen und nur von der Notwendigkeit der Drogenbekämpfung anderswo sprechen, dann ist das inkonsequent und am Ende auch unakzeptabel."

30.000 Drogentote in Russland

Die Tatsache ist: Russland ist mit geschätzten dreißigtausend Drogentoten jährlich im Spitzenfeld der betroffenen Länder. Die Wiederverwendung von gebrauchten Spritzen ist in Russland die häufigste Verbreitungsform des HIV-Virus. Die offenen Grenzen zu Zentralasien bieten der Verbreitung auch kaum nennenswerte Hindernisse.

Resolution an Sicherheitsrat

Das Argument, die Vernichtung der Schlafmohnplantagen treibe die afghanischen Bauern in die Arme der Taliban, will Russland so nicht gelten lassen. Armut, Korruption und Gewalt seien ebenso für die Lage in Afghanistan verantwortlich, meinte Medwedew. Um das Ausmaß der Gefahr deutlich zu machen, hat Außenminister Lawrow angekündigt, den UNO-Sicherheitsrat mit der Frage zu befassen. Eine entsprechende Resolution soll die rechtliche Basis für das internationale Vorgehen bieten.

Schwieriges Thema

Für Russland ist das Thema Afghanistan immer ganz besonders schwierig. Nach dem verlorenen Afghanistankrieg ist eine direkte Einmischung in den Afghanistankonflikt ausgeschlossen. Russland unterstützt aber die NATO durch Sicherung der Nachschubwege. Bei dieser Unterstützung wird es auch bleiben, heißt es in Moskau ausdrücklich, auch wenn man bei der Antidrogenpolitik in Afghanistan nicht immer einer Meinung ist.

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