Brigitte-Kowanz-Austellung im MUMOK

Brigitte Kowanz ist eine der international erfolgreichsten österreichischen Künstlerinnen. Das MUMOK würdigt ihre Arbeit mit einer Ausstellung mit dem Titel "Now I See", die am Donnerstag eröffnet wird. Zudem ist eine große Lichtinstallation in Wien zu sehen.

Mittagsjournal, 22.06.2010

In der MUMOK-Schau sind neue Lichtarbeiten ebenso zu sehen wie Kunstwerke aus den frühen 80er Jahren, die damals mittels Licht und Sprache die Grenzen des traditionellen Tafelbildes gesprengt haben. Für den Uniqa Tower in Wien hat Kowanz ein Lichtkunstwerk geschaffen - sozusagen als Außenstelle der MUMOK-Schau.

Beeindruckende Präsentation

Sehr beeindruckend war die erste Präsentation der Lichtarbeit, die Brigitte Kowanz für den Uniqa Tower am Donaukanal konzipiert hat. Inmitten der nächtlichen Lichtpunkte der Stadt pulsierte die Außenhaut des ganzen Turmes in unterschiedlichen Rhythmen, mal schneller mal langsamer und ließ die Worte "Now I See" in verschiedenen grafischen Formationen über die Oberfläche des Hochhauses gleiten.

Wieder einmal ist es Britte Kowanz, die international eine renommierte Künstlerinnen für Arbeiten im öffentlichen Raum ist, gelungen, die Grundbedingungen der Erkenntnis, das Licht und die Sprache ins Bewusstsein zu rücken: "Das Licht macht alles sichtbar, ist also Grundlage des Sehens", erläutert Kowanz. "Selbst ist es aber unsichtbar. Das ist eine sehr interessante Sache: Wie macht man das Licht sichtbar?"

Spektakuläre Ausstellung

Auch die Ausstellung im MUMOK ist spektakulär: Der große Ausstellungsraum ist zur Gänze verspiegelt, sodass sich die Lichtobjekte von Brigitte Kowanz mit ihren anmutigen Schriftschleifen durch die Spiegel vis à vis ins Unendliche fortsetzen. Auf diese Weise thematisiert sie die Wechselwirkungen zwischen realem und virtuellem Raum auf sehr poetische Weise. Zu sehen sind unter anderen frühe Arbeiten, in denen sie sich mit dem Morsealphabet auseinander setzte - als frühe Lichtzeichen, die zur Übermittlung von Information dienten.

"Diese Aspekte von Licht und Information sind natürlich nach wie vor ein Thema - und Entgrenzung oder Grenzauflösung, was ja im Morsen passiert, dass man Grenzen überwindet und sich in einem virtuellen Raum bewegt. Das gleiche passiert bei den Installationen, den Spiegel-Arbeiten auch - völlig anders, aber es ist eine ähnliche Fragestellung", so die Künstlerin.

Bizarr gefaltete Neonröhren

Da ist etwa eine Messlatte samt Zahlenreihe aus Neonröhren zu sehen: Sie zeigt exakt den Raum, den das Licht in der angegebenen Millionstelsekunde zurücklegt. Oder von der Decke hängen Lichtröhren in bizarrer Faltung, die ein Deleuze-Zitat über die Barocke Falte in Morseschrift wiedergeben. Dazwischen verspiegelte Kuben, in denen stilisierte Sätze wie "you never know" in Leuchtschrift ins Unendliche driften.

Kurator Rainer Fuchs zu diesen sehr konzeptionellen Arbeiten von Kowanz: "Interessant ist ja, dass man die Dinge, die man immer sieht - wie das Licht -, eigentlich aus den Augen verliert. Das heißt man sieht nicht das Licht, sondern man sieht die Dinge im Licht. Und wenn man spricht, vergisst man im Grunde die Sprache und man konzentriert sich auf das Gespräch und die Erzählung."

Gekonnter Umgang mit Materialien

Kowanz demonstriert in der MUMOK-Ausstellung gekonnt ihren Umgang mit ihren Materialien: Spiegel, Licht und Sprache. Beeindruckend, wie sie in einem konsequenten analytischen Prozess die technologischen Möglichkeiten über die Jahre immer weiter ausgeschöpft hat und dabei auch der poetische Ausdruck ihrer Installationen perfektioniert wurde.

Service

Ausstellung Brigitte Kowanz, 25. Juni bis 3. Oktober 2010, MUMOK,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (20 Prozent).

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