Finale des Opernfestivals Peking
Sonne Schnee
Im Pekinger Opernhaus geht dieser Tage das diesjährige Opernfestival zu Ende. Das, was man als Leckerbissen erachtet, hat man sich für das Finale aufgehoben: eine Oper, die in Anlehnung an Revolutionsopern die Eroberung Tibets durch die Volksbefreiungsarmee schildert.
8. April 2017, 21:58
Kulturjournal, 02.07.2010
Die Oper ist ein Publikumserfolg, der erst im vergangenen Jahr komponiert wurde und mit dem die Volksbefreiungsarmee, die die Oper aufführt, schon durch China gezogen ist. Am 1. Juli 2010 war die erste Vorstellung beim Opernfestival, rechtzeitig zum Geburtstag der KP Chinas. Insgesamt wird die Oper in Peking dreimal aufgeführt.
Bombastisches Bühnenbild
Weitermarschieren ist das Thema, das sich durch die ganze Oper zieht. Dem Traum folgen. Der Sonne zugewandt. Man möchte kaum glauben, dass sie erst vor einem Jahr komponiert wurde.
Ebenso bombastisch wie die Musik ist das Bühnenbild. Eine richtige Revolutionsoper. In rund 20 szenischen Bildern, in denen die gesamte moderne Bühnentechnik aufgeboten wird, zieht ein junger Versorgungstrupp von Soldatinnen durch das tibetische Hochplateau, man quert eisige Schluchten, kämpft gegen Wind und Schnee, dicht hinter den Kampftruppen und auf dem Weg nach Lhasa. Surround-Sound von Wind und Schnee und ständig wechselndes Licht machen aus der Oper ein multimediales Spektakel.
Vertontes Heldentum
Sorgsam komponiert sind die einzelnen Bilder. Ein einsamer Soldat im Hintergrund. Tibetischer Gesang aus einem Eck. Heldenhaft weiterziehende junge Frauen. Rund eintausend Soldatinnen waren das damals, erklärt Regisseur Huang Dingshan. Zum General fehlt dem Mann, der in Uniform zum Interview empfängt, nur noch ein Stern, denn sein Ensemble ist die Musiktruppe der Volksbefreiungsarmee.
"Diese jungen Frauen sind 18 bis 20 Jahre alt", erklärt er. "Sie steigen mit den anderen auf das Plateau, barfuß. Ihre Aufgabe ist die Versorgung der Soldaten mit Wasser und Nahrung. Zwei Jahre verbringen sie auf dem Plateau. Es ist eine Geschichte über junge Menschen, die zu großen Opfern bereit sind."
Und die Liebe...
Natürlich ist es auch eine Liebesgeschichte. Eine Soldatin findet sich in einer Dreiecksgeschichte wieder. Sie begehrt den, der ihr über einem Abgrund die Hand reicht und damit das Leben rettet, während ein Anderer sie begehrt. Eine andere Soldatin stirbt. Ihr Liebesbrief an den Geliebten, den sie zu Hause zurückgelassen hat, überdauert.
An Pathos mangelt es nicht. Immer wieder Heimweh, Sehnsucht, Hoffnung. Die Hoffnung, dass die rote Sonne den Schnee der Unterdrückung in Tibet schmelzen lässt. So ist der Titel "Sonne Schnee" wohl zu verstehen. Aber Regisseur Huang Dingshan versteht nicht recht, wie man ihn überhaupt danach fragen kann, warum Tibet China so wichtig ist:
"Die Antwort ist einfach. Das ist unser Land. Es ist unsere Heimat. Und wir wollen, dass alle, die zu unserer Familie gehören, ein besseres Leben haben."
Begeistertes Publikum
Das Publikum ist begeistert. 40 Mal wurde die erst im vergangenen Jahr uraufgeführte Oper in China schon gezeigt. Neben der Militärtruppe finden sich bei den Vorführungen auch viele andere Soldaten ein. Aber nicht jeder Star der Vorstellung ist ein Militär: Der chinesische Startenor Dai Yuqiang singt eigentlich lieber westliche Oper, wie er erklärt. Italienischer Belcanto liege ihm mehr. Aber die chinesische Oper entwickle gerade ihren ganz eigenen Stil. Findet er Sonne Schnee die erfolgreichste Oper dieses Festivals?
"Was den Kartenverkauf betrifft, ist diese Oper sicher der größte Publikumserfolg des Opernfestivals", sagt er. "Was den künstlerischen Wert betrifft, nun, den soll das Publikum selbst beurteilen."
Doch um künstlerischen Wert geht es gar nicht. "Sonne Schnee" ist eine moderne Volksoper. Oder, besser gesagt, ein Musical. Viele Lieder wurden zu Hits. Und es ist gewöhnliches Volk, das sich die Darstellung ansieht, kein elitäres Premierenpublikum in nobler Abendkleidung. Aber das ist im Pekinger Opernhaus ohnehin meist in der Minderheit. Die ansonsten so auf Äußerlichkeiten bedachten Chinesen kleiden sich sehr leger, wenn sie ihr Opernhaus besuchen. Und so ist es doch, was es sein wollte: ein Ort, vor dem niemand Schwellenangst haben muss. Werke wie "Sonne Schnee" tragen sicher das Ihre dazu bei.
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Opernhaus Peking
Opernhaus Peking - Sun Snow
