Hannes Mleneks "Airfield Transboundary"

Kunstgenuss aus der Vogelperspektive

Der bildende Künstler Hannes Mlenek ist mit seiner Land-Art-Installation "Airfield Transboundary" beim diesjährigen niederösterreichischen Viertelfestival im Waldviertel zu Gast. Zu sehen sind die überdimensionalen Bilder während eines Rundflugs.

Malerische Großformate

Rund 2.700 Quadratmeter ergeben die fünf Arbeiten des Künstlers auf Leinwand und Vinylnetzen insgesamt, die einzelnen Objekte sind zwischen 400 und 600 Quadratmeter groß. Hannes Mlenek hat sie an markanten Punkten diesseits und jenseits der tschechisch-österreichischen Grenze positioniert, wo die Arbeiten sich teils harmonisch in die Landschaft fügen, teils in radikalem Kontrast zu ihr stehen.

Auf einer Schipiste in der Nähe des Flugfeldes Dobersberg etwa befindet sich eine symbolische Darstellung der mythologischen Figur des Hermes, der über die Piste zu schweben scheint. Mit der Schere in seiner Hand durchtrennt er ein rotes Band, das sich als roter Faden durch alle Objekte der Installation zieht und zugleich inhaltliche Bedeutung und wegweisende Funktion für die Piloten in sich birgt. An der ehemaligen Zollstation bei Fratres sind Finger erkennbar, die gleichsam auf der Grenze entlang spazieren und diese in vorsichtigen Berührungen abtasten.

Künstlerische Grenzgänge

Mleneks Arbeiten haben die Charakteristiken des Waldviertels und die Beschäftigung mit der Grenze zum Thema. Mehr als 20 Jahre nach dem Abbau des Eisernen Vorhangs, der als bedrohliche Schranke jahrzehntelang den Horizont der Bewohner durchschnitt, existiert er als imaginäre Grenzlinie nach wie vor in den Köpfen vieler Menschen.

Grenzüberschreitende kulturelle, soziale und wirtschaftliche Aktivitäten sind noch immer spärlich. Die eindrucksvolle, teils raue Landschaft liegt abseits touristisch frequentierter Destinationen, die Region ist von Abwanderung und Arbeitslosigkeit geprägt. Hannes Mleneks Arbeiten setzen sich in mehrfacher Hinsicht über jegliche "Eingrenzung" hinweg. Ihre Dimensionen erlauben es nicht, sie vom Boden aus in ihrer Gesamtheit zu erkennen. Der Flug über die Kunstobjekte lässt die Besucher mehrmals die Staatsgrenze passieren, ohne sie genau verorten zu können.

Hannes Mlenek

Gefühl für Größenverhältnisse

Körperliche Kraftanstrengung

Gemalt werden die Kunstwerke von enormer Größe in einer ehemaligen Fabrikshalle im 10. Wiener Gemeindebezirk. Dort, auf 2.200 Quadratmetern Arbeitsfläche, bewegt sich Hannes Mlenek während des Malvorgangs psychisch und physisch mitten im Bild. Mittels Raster überträgt er die vorgefertigten Bilder auf die eigens für ihn angefertigten Leinwände und Netze. Die Arbeit an so großflächigen Werken sei immer auch ein Ausloten der Grenzen des Möglichen, erklärt der Künstler.

Regionale Kulturproduktionen

Das niederösterreichische Viertelfestival findet jährlich im Sommer in einer der vier Regionen des Landes statt und setzt sich zum Ziel, "Kultur vor die Haustür" zu bringen. Mit insgesamt 77 Produktionen hat es sich in diesem Jahr dem Thema "Respekt" verschrieben und spielt dabei vor allem auf den Respekt zwischen benachbarten Ländern, Sprachen und Kulturen an. Noch bis 8. August 2010 ist das Waldviertel Schauplatz und Austragungsort unterschiedlichster Kunst- und Kulturprojekte.

Verwandelte Wahrnehmung

Hannes Mleneks Bilder, die auf dem Landweg kaum ergründet und bei Betrachtung aus der Bodensicht nie ganz erfasst werden können, ent-decken dem Betrachter aus der Luft erst ihre wahre Bedeutung, Form und Botschaft. Am Samstag, dem 10. Juli 2010, wird diese Ausstellung der besonderen Art eröffnet. Bis 25. Juli 2010 können die außergewöhnlichen Kunstobjekte im Rahmen von Rundflügen besichtigt werden.

Service

Hannes Mlenek, "Airfield Transboundary", im Rahmen des Viertelfestival 2010, 10. bis 25. Juli 2010,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen zehn Prozent Ermäßigung.

Viertelfestival Niederösterreich
Hannes Mlenek