Ausstellung im MUMOK

Prozess und Expansion

Die Ausstellung "Malerei: Prozess und Expansion. Von den 1950er Jahren bis heute" im Museum Moderner Kunst (MUMOK) in Wien veranschaulicht, wie Künstler versucht haben, die Illusion des Bildes als "Guckkasten in die Welt" zu zerstören. Die Schau wird am Donnerstag, 8. Juli 2010 eröffnet.

Mittagsjournal, 07.07.2010

Service

"Malerei: Prozess und Expansion. Von den 1950er Jahren bis heute", 9. Juli bis 3. Oktober 2010, MUMOK, Ö1 Club-Mitglieder erhalten ermäßigten Eintritt (20 Prozent).

MUMOK

Speisereste in alter Tradition

Wenn der Schweizer Künstler Daniel Spoerri in den 1970er Jahren etwa nach einem Abendessen alle Teller, Gläser, Speisereste und Zigarettenstummel an die Tischplatte klebte und diese an die Wand hängte, dann war das keine Malerei, hatte aber sehr wohl etwas mit Malerei zu tun. Jedenfalls sieht Spoerri seine sogenannten Fallenbilder, in denen er einen zufälligen Augenblick einfror, in der Tradition der Darstellung des Abendmahls in der christlichen Kunst.

"Wie sie das gemacht haben, dass sie die Tische ja noch so aufklappten, weil sie ja noch gar nicht wussten wie", fragt sich Spörri, "Das waren ja schon Tische, die ja sozusagen wie meine an der Wand hingen. Nur war das dann mit der Renaissance wieder eine Lüge, weil sie hineingingen in die Wand und ich stülpte es heraus."

Die Wirklichkeit in der Kunst

Bei anderen Künstlern wie Otto Mühl endete die Zertrümmerung des Tafelbildes in wildem Aktionismus oder Günter Brus etwa ging bei seinem Wiener Stadtspaziergang 1965, bemalt in Weiß und Schwarz als wandelndes Gemälde durch die Stadt.

"Damals gab's die Absicht sozusagen stärker wieder die Kunst mit dem Leben in Zusammenhang zu bringen", erklärt Rainer Fuchs, einer der Kuratoren der Ausstellung, "in dem Sinn, dass man die Wirklichkeit auch stärker einbezieht, auch unmittelbar nach einer Zeit der abstrakten Malerei. Und ein weiterer Aspekt war, dass man versucht hat, im Fluxus zum Beispiel Formen von Musikalität einzubinden oder Performancekunst, aktionistische Kunst als Teil von Kunst zu definieren. Also hat sich sehr viel bewegt und die Malerei - oder das Bild - wurde auch in diesen Diskussions-Strudel mit hineingezogen."

Radikale Reduktion

Immer wieder wurde die Malerei tot gesagt, auch wenn Maler heute noch in den internationalen Kunstrankings stets die ersten Plätze einnehmen. Erst weiter hinten kommen dann Bildhauer oder Konzeptkünstler. Trotzdem wurde bisher im Ausstellungswesen der Diskurs der Malerei kaum thematisiert, wie Edelbert Köb, der Leiter des MUMOK erklärt, der mit dieser Schau seine letzte Ausstellung präsentiert, bevor er im Herbst in Pension geht: "Ich muss ja sagen, dass die ersten drei Monochromien drei Bilder von Rodtschenko waren, und zwar schon 1921 hat er ein rotes, ein gelbes und ein blaues Bild gemalt und hat damit das Ende der Malerei erklärt. Er hat gesagt, weiter kann man nicht gehen in der Radikalität, in der Reduktion - die drei Primärfarben und aus und er hat aufgehört selbst zu malen."

Entwicklung der Monochromie

Doch Rodtschenko hat damit nur eine neue Disziplin eröffnet, bis heute haben tausende Maler die Monochromie weiterentwickelt. Während die einen wie Rodtschenko - dazu gehört etwa Gerhard Richter - mit grauen Farbflächen tote Bilder schufen, die jeden Verweis auf eine Realität außerhalb des Bildes eliminieren wollten, wollte etwa Yves Klein mit seinen einfärbigen blauen Gemälden das ganze Universum in seinen Bildern sehen. Für ihn verkörperten seine Bilder die Unendlichkeit des Himmels und des Meeres. Jahrelang forschte er an einer Pigmentgebung, die seine Farbe immateriell erscheinen lassen sollte. Und fand dabei ein wunderbares Blau.

Eine wunderbare Ausstellung im MUMOK, mit der der scheidende Direktor Edelbert Köb einmal mehr zeigt, dass eine intellektuelle Auseinandersetzung mit einem anspruchsvollen Thema sehr sinnlich aufbereitet werden kann.