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Kultur
Kunst, Ausstellung

Lebenslust und Totentanz

Ausstellung in der Kunsthalle Krems

Ein ausgestopftes Krokodil, das vor 200 Jahren in einer Apotheke hing und eine scheinbar schwebende Kugel, die aus lauter winzigen Elfenbein-farbenen Mäusekörpern besteht: In der Kunsthalle Krems sind derzeit Skurrilitäten zu entdecken.

Kultur aktuell, 17.07.2010

Statt in puristisch eingerichtete Hallen taucht man in die mit Totenköpfen und Skeletten vollgestopfte Kunst- und Wunderkammer Thomas Olbrichts ein. Dieses Sammelsurium wird eng aneinander gereiht und düster präsentiert. Licht spielt bei dieser Schau eine zentrale Rolle, in Krems hat erstmals ein Bühnenbildner die Werke in Szene gesetzt.

Etwas "ganz Besonderes"

Besonders ans Herz gewachsen ist Thomas Olbricht das großflächige Acryl-Bild von Franz Gertsch: Es zeigt das Porträt einer jungen, attraktiven Frau mit knallrot geschminkten Lippen und dunkel umrandeten Augen. Mit ihrem fordernden Blick zieht sie den Betrachter in ihren Bann.

Für Thomas Olbricht ist das Bild etwas ganz Besonderes, "weil es eine große Geschichte gibt, wie ich es erworben habe. Das war phänomenal." Er hatte es bei einem New Yorker Händler zu Hause entdeckt und große Mühe, ihn zum Verkauf zu überreden.

Museumsmarketing

Neben hoch-karätigen Klassikern wie Albrecht Dürer und Ernst Ludwig Kirchner sind zeitgenössische Arbeiten von Cindy Sherman zu sehen. Und dann wieder wirbt die Kunsthalle Krems ausgerechnet mit einem Bild, das durch exzessives Feiern zerstört wirkende Frauen zeigt, unter ihnen Paris Hilton. Steckt dahinter Marketingstrategie?

"Natürlich überlegt man sich sehr genau, bei einem solchen Titel, was wählt man aus", so Olbricht. "Auch ein Museum darf und muss und kann Werbung machen für eine Ausstellung dieser Art."

"Ästhetische Schocks"

Eine Ausstellung, bei der ein lebloser Frauenkörper am Boden liegt - hierbei handelt sich um eine Skulptur Gregor Schneiders. Sie trägt den Titel "Hausschlampe". Daneben gibt es pornografische Bilder und an Leichen erinnernde Dummys. Es wirkt, als wäre Provokation Teil des Konzepts dieser Schau.

"Ich möchte nicht provozieren, ich möchte sozusagen ästhetische Schocks auslösen mit einigen Arbeiten, auch mit der Präsentationsform, die wir gewählt haben", sagt Intendant und Kunsthallen-Leiter Hans-Peter Wipplinger. Er und Thomas Olbricht wollen also nicht provozieren - was ist es dann, was sie mit ihrer Ausstellung "Lebenslust und Totentanz" bei den Besuchern erreichen wollen?

"Wir sollen Lust haben, aber wir sollen auch daran denken, dass wir endlich sind und das, glaube ich, kann diese Ausstellung vermitteln", meint Wipplinger.

Käufe aus dem Bauch heraus

Der Sammler Thomas Olbricht beweist Mut, indem er sich nicht durch Trends der Kunstszene beeinflussen lässt; er kauft was ihm gefällt. Das spiegelt sich auch in der Ausstellung in der Kunsthalle Krems wieder, die ein Zehntel seiner 2.500 Werke umfassenden Sammlung zeigt. Neben Werken hochkarätiger Künstler wirken die pornografischen Bilder beliebig. Doch wer sich daran erinnern möchte, dass der Tod uns alle einholt, ist in Krems an der richtigen Adresse.

19.07.2010

Service

Ausstellung "Lebenslust und Totentanz. Olbricht Collection", bis 7. November 2007, Kunsthalle Krems,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (20 Prozent).

Kunsthalle Krems

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