Leonard Cohen in der Salzburgarena

Der Mann mit der dunklen Stimme hat in seiner über 40-jährigen Karriere rund ein Dutzend Platten mit mehr als hundert Titeln produziert und ganze Generationen von Musikern beeinflusst. Leonard Cohen tritt Dienstagabend in der Salzburgarena auf.

Kultur aktuell, 27.07.2010

Pessimistisch und lebensbejahend

Seine Musik überrollt den Hörer wie eine Welle der Schwermut: Mit rauchiger Stimme und melancholischen Texten zelebriert er das Leben, die Liebe und den Schmerz. Cohens misanthropes Weltbild kam am stärksten 1971 zum Vorschein, als die Platte "Songs of Love and Hate" herauskam. Kritiker mokierten, die Rasierklingen sollten dem Album gleich beigelegt werden.

Auch wenn er manchmal Ausflüge in die Countrymusik unternahm und sich mit Synthesizer-Klängen spielte: Seiner pessimistischen Stimmung blieb er immer treu. Doch hier blitzt auch die humorvolle, das Leben bejahende Seite des kanadischen Sängers hervor:

"Ein Leben ohne Liebe macht keinen Sinn", sagt Cohen. "Wir begeben uns damit in eine sehr gefährliche Arena, in der es zu Hauf Möglichkeiten gibt erniedrigt zu werden oder zu versagen. Es gibt keine fixe Lektion, die man lernt. Das Herz öffnet oder schließt sich, wir empfinden immer Freude oder Traurigkeit."

Unglück, Exzesse, Depressionen

Alles überschattende Depressionen begleiteten Cohen seit seiner Pubertät - sein Rezept dagegen ist, weniger über sich selbst nachdenken. Die Grübelei ist in Cohens Musik hörbar, und die Poesie seiner Texte kein Zufall: Vor seiner Karriere als Sänger war Cohen Schriftsteller. Einige seiner Bücher schrieb er auf der griechischen Insel Hydra, auf der er fünf Jahre lang lebte. Dort inspirierte ihn eine Frau namens Marianne.

Ursprünglich als Liebeslied gedacht, nahm er später auf diese Art Abschied von seiner einstigen Muse. Sein darauffolgendes Leben ist voller Brüche: In den 1960er Jahren führte er ein Dandy-Leben neben Andy Warhol, später schwor er Drogen- und Alkoholexzessen wieder ab, und lebte fünf Jahre lang als buddhistischer Mönch. Während er im Kloster war, kam ein weiterer Rückschlag: Seine Managerin veruntreute sein Vermögen.

Neue versöhnlichere Lieder

Die Lieder auf Cohens letzten beiden Alben "Dear Heather" und "Ten New Songs" klingen versöhnlicher. Fast als hätte er jenen, die ihn jemals verletzt und erniedrigt haben, vergeben. Diese neue Sanftmut könnte auch am Mitwirken seiner einstigen Background-Sängerin Anjani liegen, mit der er seit acht Jahren zusammen ist.

Noch vor seinem 80. Geburtstag will Cohen ein weiteres Album herausbringen. Dafür bleibt dem 76-Jährigen also nicht mehr allzu viel Zeit. Davon, dass er keineswegs altersmilde ist, kann man sich auf seinen Konzerten überzeugen: Auf der Bühne haut er stilsicher auf den Putz: Meist tritt er im dunklen Zweiteiler mit lässigem Hut auf - ein Outfit, das er übrigens auch zum Wäschewaschen trägt.