Links, rechts und mitten drin
In Ostafrika unterwegs sein bedeutet, sich in übervolle Minibussen zu drängen, mit Taxlern Fahrentgelte zu verhandeln, regelmäßig Sand aus den Schuhen zu schütteln oder auch in einem Propellerflugzeug über dem türkisen Ozean zu vergessen, dass man einmal Flugangst hatte.
An Bord einer Fähre von Sansibar nach Dar es Salaam werden Gepäckstücke, Flachbildschirme, Bananenkörbe und Nähmaschinen gekonnt geschlichtet.
Im Hafen sind Container zu Wolkenkratzern gestapelt, findet Transport im großen Rahmen statt. Exportiert wird von hier aus - und den anderen "Dhow Countries" - quer über den Indischen Ozean. Angetrieben von den Monsunwinden dient die Dhau, ein traditionelles Kleinschiff mit einem trapezförmigen Segel, seit Jahrhunderten als vielseitiges Transport- und Verkehrsmittel.
Bis heute hat sich die Bauart der Dhau wenig verändert, wenngleich auch bei Bedarf ein Motor hinzu geschalten wird.
Wer es sich leisten kann, fährt in Ostafrika Taxi. Das öffentliche Verkehrsnetz wird - statt von den Gemeinden - weitgehend von privaten Unternehmern organisiert. Busse und PKWs, in Tansania als Daladala und in Kenia als Matatu bezeichnet, sind meist bunt und sehr liebevoll verziert, mit Aufklebern von Popgruppen, Häkeldeckchen oder Fanartikeln europäischer Fußball-Clubs.
Barack Obama, Wrestling-Stars, FC Liverpool, Eminem und über allen das Konterfei Che Guevaras - das von Ikonen westlicher Popkultur inspirierte Arbeitsgerät eines Busfahrers in Tansania.
An Zufahrtsstraßen wie der Old Bagamoyo Road in der tansanischen Großstadt Dar es Salaam, steht man die meiste Zeit des Tages im Stau - vormittags in Richtung Innenstadt, nachmittags bis spätabends in die Gegenrichtung. Freie Fahrt gibt es hier nur irgendwann zwischen ein und fünf Uhr morgens, wissen die Stadtbewohner.
Vorfahrt erlauben sich die als Tuktuks bekannten dreirädrigen, wendigen Minibusse, sowie safaritaugliche Geländewagen, die am unbefestigten Straßenrand an der Autoschlange vorbeiziehen.
Den benachteiligten Verkehrsteilnehmern am Rad oder zu Fuß bleibt da manchmal nur ein Ausweichsprung in Richtung Straßengraben. Mit Rücksicht oder gar Höflichkeit ist im Stadtverkehr nicht zu rechnen, es gilt das Recht des Stärkeren.
Fahrräder, meist einfache Modelle, die bei Bedarf an informellen Reparaturstellen am Straßenrand zwischendurch gewartet werden, sind häufige Verkehrsmittel in Sansibars Altstadt Stone Town.
Nicht nur Menschen legen per Rad ihre täglichen Wege zurück, auch Möbel werden damit transportiert. Oder die Fahrräder werden zu mobilen Verkaufsständen umfunktioniert. In Tansania und Kenia gilt übrigens Linksverkehr. Das macht für Rechtsverkehr gewohnte Besucher kaum einen Unterschied, weichen doch die Fahrzeuge bei Schlaglöchern, Stauungen und anderen Hindernissen auf Gegenfahrbahn oder Gehsteig aus, sodass man als Flaneur ohnehin mit erhöhter Aufmerksamkeit unterwegs ist. Weder will man von einem Tuktuk angerempelt werden, noch den Anblick eines mit frischen Koksnüssen beladenen Fahrrads verpassen.
Text: Anna Soucek · 29.07.2010