Staatsanwälte mit Wirtschaftskompetenz gesucht

Juristen für wirtschaftsnäheres Jus-Studium

Die Ausbildung für Juristen sollte auch wirtschaftliche Aspekte umfassen. Das schlagen nun namhafte Juristen der Universität Wien vor. Nur dadurch könne - längerfristig gesehen - die Zahl der Juristen für Wirtschaftskriminalfälle erhöht werden. Das kürzlich vereinbarte Justiz-Paket helfe nur bedingt.

Morgenjournal, 30.08.2010

Kompetente Staatsanwälte gesucht

Die Justiz bekommt bekanntlich mehr Geld und Personal zur Bekämpfung von Korruption und Wirtschaftskriminalität. Das soll vor allem der Korruptions-Staatsanwaltschaft und den vier geplanten Kompetenzzentren für Wirtschaftskriminalfälle zu Gute kommen. Dafür braucht es aber Staatsanwälte mit entsprechender Kompetenz.

Ausbildung braucht ihre Zeit

Mit zusätzlichen Posten allein ist es nicht getan, sagt Werner Doralt, Institutsvorstand für Finanzrecht an der Universität Wien. So viele für Wirtschaftsfälle kompetente Staatsanwälte gebe es derzeit nicht. Ähnlich sieht das der Vorstand des Instituts für Strafrecht an der Universität Wien, Helmut Fuchs. Auch er hält eine rasche Rekrutierung von kompetenten Juristen nicht für möglich. Eine entsprechende Ausbildung brauche einige Jahre. Nach Ansicht von Helmut Fuchs müssten Staatsanwälte auch organisatorisch besser ausstattet werden, mit fachkundigem Personal, das direkt dort arbeitet und sie unterstützt.

Expertisen zukaufen reicht nicht

Das versprochene zusätzliche Geld für Gutachten und zugekaufte Expertisen sei zu wenig, sagt Werner Doralt. So einfach, dass man sich die Fachkompetenz dazukauft, werde das in der Praxis nicht sein. Man brauche sehr wohl die Leute im eigenen Bereich, die über die entsprechende Kompetenz verfügen. Vor allem sollte im Jus-Studium verstärkt wirtschaftliches und wirtschaftsrechtliches Fachwissen vermittelt werden, etwa über das Banken-, Finanzmarkt- oder Bilanzrecht. Spezialwissen komme in der allgemeinen Ausbildung zu kurz, so Doralt.

Wirtschaftsrecht statt Römischem Recht

Helmut Fuchs spricht sich für weniger Grundlagenvermittlung aus, dafür eine stärkere wirtschaftsrechtliche Fachausrichtung. Dabei gehe es konkret um die Verbindung zwischen Recht und Wirtschaft, "und das sollte aus der juristischen perspektive an einer Rechtsfakultät unterrichtet werden", so Fuchs. Werner Doralt schlägt vor, statt der ausführlichen Vermittlung von Römischen Recht mehr Zeit für solche spezifischen Ausbildungsgegenstände zu verwenden.

"Jeder Staatsanwalt sollte Wirtschaftssache übernehmen können"

Ex-Rechnungshofpräsident, Franz Fiedler, früher selbst Staatsanwalt, im Morgenjournal-Gespräch am 30.08.2010 mit

Fiedler: Umfassende Ausbildung der Staatsanwälte

Der ehemalige Rechnungshofpräsident, Franz Fiedler, zwischen 1973 und 1980 selbst Staatsanwalt mit dem Arbeitsschwerpunkt Wirtschaftsverbrechen, ist skeptisch. Eine Spezialisierung, um als Staatsanwalt oder Richter in Wirtschaftsstrafsachen zu arbeiten, könne die Universität nicht liefern, sagt Fiedler. Sein Rat an die Verantwortlichen: breite und umfassende Schulungsmaßnahmen für Staatsanwälte, damit im Zweifelsfall jeder Staatsanwalt eine Wirtschaftssache übernehmen könne. Das müsse "von oben, noch besser vom Ministerium" organisiert werden. Für die Bezahlung hinzugezogener Experten müsste notfalls auch "etwas tiefer in die Tasche" gegriffen werden, so Fiedler.