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Politik

Aufregung um "Muezzin-Spiel"

Staatsanwaltschaft ermittelt

Eine Wahlkampf-Aktion der steirischen Freiheitlichen sorgt für Aufregung: Die FPÖ hat ein Computer-Spiel im Internet veröffentlicht, bei dem der Spieler mittels Mausklick Muezzine und Minarette bekämpfen kann. Das sorgt für Kritik der anderen Parteien. Nach einer Anzeige der Grünen ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Mittagsjournal, 01.09.2010

Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet

Die Staatsanwaltschaft Graz hat ein Ermittlungsverfahren wegen des sogenannten Anti-Minarett-Spiels der FPÖ eingeleitet. Hansjörg Bacher von der Staatsanwaltschaft sagt, dass der Tatbestand der Verhetzung und der Herabwürdigung religiöser Lehren in Frage komme. Zudem habe das Ermittlungsverfahren auch das Ziel, die Verantwortlichen für diese Homepage herauszufinden.

Kritik der anderen Parteien

Auslöser der Ermittlungen war eine Anzeige der Grünen. Von der steirischen Volkspartei hieß es, das Spiel sei eine Geschmacklosigkeit. Und vom BZÖ meint man: Es sei richtig, den Islamismus zu thematisieren, die Ausführung in Form dieses Computerspiels sei aber schlichtweg primitiv, so heißt es von Gerald Grosz. Auch bei den Sozialdemokraten gibt es heftige Kritik: Der Wiener SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi spricht von Hetze und Rassisimus. Laut SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas sei ein Spiel, bei dem auf Menschen geschossen werde, als politisches Stilmittel ein noch nie dageweser Skandal.

FPÖ weist Kritik zurück

Was FPÖ-Generalssekretär Herbert Kickl zuurückweist: In dem Spiel werde gar nicht geschossen, es gehe nur darum, eine Stopptaste zu drücken. Der dritte Nationalratspräsident Martin Graf (FPÖ) will sich zu dem Spiel selbst nicht äußern. Er kenne das Spiel nicht, und er wolle auch nicht zu Wahlkämpfen, in die er weder direkt noch indirekt involviert sei, Stellung nehmen, so Graf.

"Spiel ist mögliche Bedrohung"

Eine mögliche Bedrohung durch das Spiel sieht der Vorsitzende des Grazer Menschenrechtsbeirates, Wolfgang Benedek: Wenn man sich vorstelle, dass so etwas in die internationale Öffentlichkeit gerate, dann sei das auch eine enorme Gefahr und Belastung für die Steiermark wie man am Karikaturenstreit mit Dänemark gesehen habe. Hier werde Wahlkampf betrieben auf Kosten des guten Zusammenlebens und des guten Rufs, so Benedek.

Mittagsjournal, 01.09.2010

Religionsgemeinschaften reagieren ablehnend

Die Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Österreich zeigen sich durchwegs betroffen und entsetzt über das Online-Spiel der steirischen FPÖ. Der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari sagt, das Spiel sei absolut abzulehnen, es gefährde das Zusammenleben in einer gemeinsamen Kultur und hebe Schranken auf, die auch alle anderen Religionen schützten. Natürlich gebe es Probleme mit dem Islam, sagt Kapellari. Diese müssten tabulos angesprochen werden. Nur nicht auf diese Art und Weise, um keine Radikalismen zu fördern.

"Religion für Wahlkampfzwecke missbraucht"

Für den evangelischen Bischof Michael Bünker wird durch das Spiel ein gesellschaftlicher Konsens in Frage gestellt. Die Kirchen hätten immer ihre Stimme erhoben, wenn zentrale Inhalte von Religionen für Wahlkampfzwecke missbraucht und instrumentalisiert worden waren; hier sei das in einer besonders verabscheuungswürdigen Form geschehen, sagt Bünker.

"Spiel mit dem Feuer"

Für Raimund Fastenbauer, den Generalsekretär der jüdischen Kultusgemeinde, ist durch das Internet-Spiel wieder einmal eine rote Linie überschritten worden. Durch diese Hetze der extremen Rechten werde auch eine vernünftige Islam-Debatte, die durchaus zu führen sei, sehr erschwert, so Fastenbauer.

Nicola Dura, Bischofsvikar der rumänisch-orthodoxen Kirche und Vorsitzender des Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich, bezeichnet das Internetspiel als ein Spiel mit dem Feuer. Man dürfe nicht mit solchen gefährlichen Spielzeugen spielen, sagt Bura.

01.09.2010

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