"La Traviata" an der Volksoper
Renato Bruson als Giorgio Germont
An die sieben Jahre war der italienische Starbariton Renato Bruson nicht mehr in Wien zu hören. Ab 5. September 2010 kehrt er mit einer seiner großen Rollen nach Wien zurück: dem Giorgio Germont in Verdis "La Traviata". Allerdings ist der Weltstar diesmal nicht an der Wiener Staatsoper, sondern an der Volksoper zu erleben.
8. April 2017, 21:58
Kultur aktuell, 04.09.2010
Kein Fan von Holender
Vor rund sieben Jahren verabschiedete er sich mit dem Padre Germont von seinem Wiener Publikum - allerdings ohne es zu wissen. Denn ohne Vorwarnung blieben plötzlich die Einladungen des damaligen Operndirektors Ioan Holender aus. Bruson war von da an überall: an der Scala, in Zürich oder der Metropolitain Opera New York zu hören - nur in Wien nicht.
Verständlich, dass er für den ehemaligen Operndirektor keine guten Worte findet und auch auf die Einladung zur großen Abschiedsgala, die bei ihm großes Erstaunen hervorgerufen hat, nicht einmal geantwortet hat:
"Es war ein ziemlich brüskes Ende meiner Wiener Laufbahn", erinnert sich Bruson, "denn nach so vielen Jahren und so vielen Erfolgen wurde mit mir einfach nicht mehr gesprochen. Vielleicht weil ich gebeten hatte, eine Vorstellung 'Falstaff' zu singen, den ich seit Jahren erfolgreich an allen großen Opernhäusern verkörpere. Ich weiß es nicht. Umso erstaunter war ich, eine Einladung zur Abschiedsgala bei mir vorzufinden und habe so reagiert wie er, nämlich gar nicht. Ich habe nicht einmal geantwortet. Was soll man auf so etwas noch antworten?"
Musik geht über Inszenierung
Renato Bruson wusste zwar von der Existenz der Wiener Volksoper, war aber doch erstaunt, ein Angebot des Hauses vorzufinden. Mit großen Namen der weiter entfernten und jüngeren Vergangenheit wie Alfredo Kraus oder Nikolai Gedda konnte er schließlich überzeugt werden dort aufzutreten. Mittwoch Früh gab's übrigens noch einmal eine Krisensitzung zwischen ihm und seiner Frau.
"Ich habe zu ihr gesagt: also singe ich oder singe ich nicht, denn die Inszenierung ist schlimm", so Bruson. "Ich bin nicht gegen moderne Inszenierungen, wenn sie intelligente Ansätze haben, aber wenn es dumm wird, dann habe ich ein Problem. Und ich sage es ehrlich: Ich singe nur, weil ich glaube, dass Menschen meinetwegen Karten gekauft haben. Menschen, die mich in Wien lange nicht mehr gehört haben. Also habe ich gesagt: Nase zu und durch - am Ende ist es die Musik, die siegt." Und das Wiener Publikum.
Freiwilliger Schlussstrich
Es wird wahrscheinlich eine der letzten Gelegenheiten sein, Renato Bruson zu hören. Nach 50 Jahren Karriere will er einen guten und freiwilligen Schlussstrich ziehen, seine Zeit einem ausgedehnten Meisterklassenprojekt für junge talentierte Sänger widmen, das in der Nähe von Rimini angesiedelt sein und den jungen Künstlern den Einstieg in die Karriere erleichtern soll.
Renato Bruson ist bis 15. September 2010 vier Mal als Giorgio Germont an der Wiener Volksoper zu erleben.
