Frankfurter Buchmesse eröffnet

Die Vergangenheit Argentiniens stand am Dienstagabend bei der offiziellen Eröffnung der 62. Frankfurter Buchmesse im Mittelpunkt der Reden. Argentinien ist das Gastland heuer in Frankfurt, rund hundert Verlage und mehr als sechzig Autoren sind angetreten, um einen Einblick in die dynamische Literaturszene des Landes zu geben.

Kultur Aktuell, 06.10.2010

Angereist ist auch Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner - als Eröffnungsrednerin. Entschlossen hat sie auf dem Rednerpult den Frankfurter Börsenhammer an sich genommen. Und erstmals in der 62-jährigen Geschichte wurde der Börsenvereinsvorsteher sozusagen entmachtet und die Messe von der Gastrednerin mit dem traditionellen Hammerschlag eröffnet.

Neue Hoffnung für Argentinien

Zuvor hatte sich Cristina Kirchner in einer leidenschaftlich und frei vorgetragenen Rede zur Aufarbeitung der Vergangenheit ihres Landes bekannt, der Vergangenheit der Militärdiktatur in den Jahren von 1976 bis 1983.

"Argentinien schminkt sich nicht und es wird sich nicht schminken", sagte Kirchner und in einer emotional bewegenden Geste holte die Präsidentin Elsa Oesterheld auf die Bühne, die Witwe des Schriftstellers Héctor Oesterheld, der während der Diktatur zusammen mit den vier Töchtern des Paares - wie es hieß - "verschwunden ist".

Kirchner ehrte Elsa Oesterheld stellvertretend - wie sie sagte - für "alle, die sich dem Leben und der Gesellschaft verpflichtet fühlen".

Die Witwe gehörte zu den ersten Mitgliedern der Organisation "Madres de Plaza de Mayo", die nach den Verschwundenen forschte. Mit standig ovations wurde die 85-Jährige begrüßt.

Unter Tränen sprach Elsa Oesterheld von einer "Wiedergeburt aus ungeheuren Schmerzen, die ihr Land erleiden musste". Auch sie selbst habe gedacht, dass sie tot sei, und erlebe nun neue Hoffnung.

Argentiniens Gestern und Heute

Die Traumata der jüngeren Geschichte, die Erinnerung an die Militärdiktatur der Jahre 1976 bis 1983, hat Argentinien auch in den Mittelpunkt seiner Gastland-Präsentation gestellt. In der großen Ausstellung im Forum des Messegeländes wird auch der damals verschwundenen Schriftsteller gedacht und es werden Bücher gezeigt, die von der Junta verboten worden sind.

Die Präsentation ist als Labyrinth mit meterhohen Wänden angelegt, auf denen architektonisch geschickt mit Bildern, Büchern und Filmausschnitten die Geschichte des Landes erzählt wird und die Geschichte seiner Literatur. Neben der "Erinnerung an die unauslöschliche, tragische Spur dessen, was in unserem Land passiert ist", gehe es Argentinien in seiner Präsentation vor allem um die Gegenwart und die Zukunft, sagte Cristina Kirchner und kündigte an: "ein vibrierendes Argentinien, ein Argentinien in Bewegung, ein Argentinien, das nie resigniert hat."

Argentinien in Frankfurt. Die 62. Buchmesse dauert bis Sonntag.