Lusine Grigorjan aus Armenien

"Ich gehe nicht zur Schule, ich lerne keinen Beruf. Wenn das so weiter geht, kann ich nur Putzfrau werden", sagt Lusine Grigorjan. Die 17-Jährige spricht perfekt Deutsch mit Tiroler Einschlag. 2008 wurde sie gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern aus Österreich nach Armenien abgeschoben.

Von Mitterndorf nach Jerewan

Drei Jahre hatte die Familie im Tiroler Ort Kössen gelebt, die jüngste Tochter wurde dort geboren. Als der Asylantrag abgelehnt wurde, zog die Familie ins Flüchtlingslager Traiskirchen, gelangte von dort ins steirische Mitterndorf, und im November 2008 stand die Polizei vor der Tür.

"Wir hatten eine halbe Stunde, unsere Sachen zu packen. Die Handys nahmen sie uns ab, wir durften unseren Anwalt nicht anrufen", erinnert sich Lusine Grigorjan. Am nächsten Tag, um elf Uhr nachts, stand die fünfköpfige Familie in der Ankunftshalle des Flughafens Jerewan und wusste nicht, wohin.

Unterbrochene Ausbildung

Die Familie Grigorjan verließ die Kaukasusrepublik Armenien Mitte der 1990er Jahre. Sie waren als Zeugen Jehovas Anfeindungen ausgesetzt. Noch 2009 meldete Amnesty International gewalttätige Übergriffe auf die religiöse Minderheit. Nach sechs Jahren in Polen und zwei Jahren in Deutschland landete die Familie 2005 in Österreich.

Lusine Grigorjan empfindet Österreich als ihre Heimat: "Ich denke und träume auf Deutsch", sagt sie. Sie war zwei Jahre alt, als sie Armenien verließ, Armenisch spricht sie nur fehlerhaft. "Ich werde ausgelacht, wenn ich einen Fehler mache. Deshalb habe ich kaum Freunde. Ich sitze den ganzen Tag zu Hause und passe auf meine vierjährige Schwester auf. Ich werde noch verrückt hier." Ausbildungsplätze sind rar, eine höhere Schule kann sich die Familie nicht leisten. Dabei war Lusine in Österreich eine sehr gute Schülerin, wechselte von der Handelsschule auf die Handelsakademie.

Zukunft in Österreich?

Lusine Grigorjans Vater arbeitet in Jerewan als Nachtportier, verdient umgerechnet zwei Euro pro Nacht. Um über die Runden zu kommen, repariert er außerdem Mobiltelefone und hilft am Bau aus. 140 Euro Miete zahlt die Familie für eine Erdgeschoßwohnung ohne Heizung in Jerewan. Bis vor kurzem hatten sie noch in einem kleinen Dorf gewohnt, in einer Wohnung ohne Bad und WC.

Im Winter verbrachten sie die Tage bei Verwandten, die eine Heizung hatten, in der Nacht legten sie sich in Winterkleidung ins Bett. "In Armenien sind solche Zustände für arme Menschen normal", erklärt Lusine Grigorjan. Sie hasst Armenien, die Straßen mit den Schlaglöchern und den fehlenden Kanaldeckeln, die - wie sie sagt - asiatische Mentalität der Menschen und dass Frauen wie zweitklassige Menschen behandelt werden.

Die 17-Jährige hat sich zurückgezogen, liest Bücher in deutscher Sprache und baut auf eine Zukunft in Österreich. "Ich kann mir auf keinen Fall vorstellen, in Armenien zu bleiben. Hier ist kein Platz für uns. Wir sind auf der Suche nach Wegen, um nach Österreich zurückzukommen. Wir würden Österreich nicht schaden, im Gegenteil. Wir sind gute Arbeitskräfte."

Übersicht

  • Abgeschoben