Amelie Zadeh, Kunst und Fotografie

Von der Theorie kam sie zur Praxis: Amelie Zadeh, Jahrgang 1985, die an der Wiener Akademie Kunst und Fotografie studiert. Das Studium der Theaterwissenschaften schließt sie heuer ab. In ihrem aktuellen Projekt "Maria" setzt sie sich mit der Porträt-Fotografie auseinander. Bis 28. August zeigt sie in Berlin Arbeiten zum Thema Landschaft.

"Der Übergang zur Kunst war fließend: ich habe mit Theaterwissenschaft begonnen, da ich großes Interesse am Theater habe. Und während des Studiums wuchs mein Interesse an Filmtheorie. Man eignet sich immer mehr Wissen an – und dieses Wissen wirft schließlich immer mehr Fragen auf. Ich habe immer schon nebenbei fotografiert. Das wurde schließlich immer präsenter. Jetzt ist es der Wechsel zwischen Theorie und Praxis", erzählt Amelie Zadeh, gebürtige Linzerin, Jahrgang 1985, über ihren Weg zum Kunst-Studium.

Seit Oktober 2008 studiert sie an der Akademie der Bildenden Künste Wien bei Matthias Herrmann und Martin Guttmann Kunst und Fotografie. Abschließen wird sie bis 2013.

Nach ihrer Matura hatte sie 2004 zunächst mit dem Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien begonnen. Dieses Studium wird sie heuer mit der Diplom-Arbeit "Fotografie im New American Cinema" abschließen. Danach plant sie, mit einem Dissertations-Studium fortzusetzen.

Forschungsarbeit in New York und Berlin

Im Sommer 2010 hatte Zadeh ein Stipendium der Uni Wien für kurzfristiges wissenschaftliches Arbeiten für die "Anthology Film Archives" in New York. Und im Februar 2011 konnte sie im Rahmen der "Leo Kuelbs Collection Residency" ein Monat in Berlin an ihrem Diplom arbeiten.

Faszination der Intermedialität

"Das spannende an der Fotografie ist, wie sie sich in anderen Medien widerspiegelt. Das Medium ist so vielfältig – durch Text, durch Film, und es geht auch in den installativen Bereich. Und dieses multimediale Arbeiten fasziniert mich."

Installativer Charakter

"Meine Arbeiten haben starken installativen Charakter. Denn Fotografie kann mehr, als nur an der Wand hängen. Es geht mir darum, dass die Menschen dem Bild intimer begegnen können. Es gibt zwei Schwerpunkte in meinen Fotoarbeiten: der eine ist das Porträt. Das Gesicht ist eines der spannendsten Sujets, weil es so vielfältig und unberechenbar ist. Momentan arbeite ich fast nur mit Close-up. Der zweite Schwerpunkt sind Landschaften. Diese Bilder sind menschenleer und fast meditativ", beschreibt Zadeh, die analog arbeitet, ihre Werke.

Porträt-Zyklus "Maria"

Zu einer der aktuellsten Foto-Arbeiten Zadehs zählt der Porträt-Zyklus "Maria", ebenfalls ein Work in progress, der heuer entstanden ist und bisher sechs Aufnahmen umfasst:

"Diese neue Serie hat sehr starke kunstgeschichtliche Referenzen. Ob es sich nun um niederländische Malerei oder Renaissance-Malerei handelt, hier hat die Lichtführung meine Arbeit sehr stark beeinflusst.

Auslöser dafür war ein Besuch in der Gemäldegalerie der Akademie. Ich habe dann im Studio versucht, die einzelnen Positionen durchzugehen und habe mich mit den klassischen Porträt-Typologien auseinandergesetzt."

Projekt "Buttmemories"

Zadehs jüngstes Projekt "Buttmemories" ist ein Memory-Spiel, das mit ihrem Studienkollegen Mario Kiesenhofer entstanden ist:

"Es gibt ja bereits Gesellschaftsspiele wie 'Breast-Memory', die meiner Meinung nach plump und sexistisch sind. Wir wollen mit dieser Arbeit, die aus 26 Pos besteht, eine Unisex-Version präsentieren. Der Po soll hier als omni-sexuelles Organ, losgelöst von jeglicher sexuellen Einschreibung, wahrgenommen werden. Wir haben die Fotos dann mittels Siebdruck auf Karten gedruckt, wodurch diese Arbeit, die in kleinen Editionen entsteht, einen individuellen Charakter bekommt."

Mit "This is You" bei Hilger

Zu einer der wichtigsten Arbeiten von Amelie Zadeh zählt die Serie "This is you", mit der sie in der Schau "Five directions of photography through photography" in der Wiener Galerie Hilger BrotKUNSThalle bis 18. Dezember 2010 vertreten war:

"Bei dieser Arbeit habe ich 40 Menschen in drei Tagen fotografiert. Dieses Bild-Konvolut umfasst rund 500 Bilder. Es ist ein Work in progress. Hier habe ich die Personen durch einen sogenannten Spion-Spiegel fotografiert, sie konnten mich also nicht sehen. Daher fehlt der Fokus, die typische Interaktion.

Diese Methode geht auf eine alte Porträt-Tradition zurück. Es ist eine sehr filmische Arbeit, denn ich habe hier mit 35 Millimeter geschossen."

Berlin-Schau zum Thema Landschaft

Im Sommer 2011 zeigte Zadeh im Berliner Off Space "Sur la Montagne" in einer Gruppenschau mit vier Kollegen aus ihrer Fotoklasse Arbeiten zum Thema Landschaft:

"Das Thema Landschaft beschäftigt mich schon seit einiger Zeit, und ich fotografiere immer, wenn ich reise. Hier sollen auch die Arbeitsprozesse innerhalb der Gruppe und Grenzbereiche aufgezeigt werden - was ist Recherche, was ist das fertige Kunstwerk und wie kann ich es präsentieren?"

Ausstellungen

Bisher war Zadeh im Rahmen von Gruppen-Ausstellungen vertreten, darunter beim Akademie-"Rundgang" (2009 und 2010), bei "Oberflächlich und Tief" im Verein "g7", bei "Schik I Nightlife" im Schikaneder Wien, sowie bei der Weihnachtsschau der Linzer Galerie Thiele (2009).

2010 zeigte sie ihre Werke in "Schik IV FAMILY" im Wiener Schikaneder.

Theorie und Praxis

Derzeit arbeitet Amelie Zadeh gemeinsam mit ihren Kollegen Roland Fischer-Briand und Mario Kiesenhofer an einer neuen Publikationsreihe. „Streulicht“ ist der Titel des Magazins für Fotografie und Artverwandtes, die erste Ausgabe soll im November 2012 erscheinen.

Wie lauten die Zukunftswünsche der jungen Künstlerin?

"Mein Wunsch wäre es, sowohl im akademischen Bereich bleiben zu können, und gleichzeitig die künstlerische Praxis zu verfolgen. Und diese Schnittstelle als Spezifikum einer Arbeit in eine Richtung zu fördern, die für beide Felder befruchtend ist. Also die Unterscheidung zwischen Theorie und Praxis aufzuheben durch das eigene künstlerische Schaffen", so Amelie Zadeh.