Klasnic-Kommission braucht Jahre

Die Zahl der Betroffenen von Missbrauch und Misshandlungen, die sich bei der von der Kirche eingesetzten Klasnic-Kommission melden, reißt nicht ab. Mehr als 700 Personen haben sich bisher gemeldet, für etwa jeden zehnten Betroffenen wurde eine Entschädigungszahlung beschlossen. Die Kommissionsmitglieder gehen davon aus, dass ihre Arbeit noch Jahre dauern wird.

Morgenjournal, 4.12.2010

Arbeit der Kommission noch lange nicht beendet

Die Kommission habe noch sehr viel Arbeit vor sich, meint Waltraud Klasnic und Kommissionsmitglied Kurt Scholz meint: "Ich habe meine Lebensplanung so ausgerichtet, dass ich mich in den nächsten fünf Jahren mit dieser Thematik auseinandersetzen werde."

Glaubwürdigkeit der Opfer überprüft

Bisher haben sich 708 Betroffene gemeldet, 78 Personen wurden Entschädigungen zugesprochen. Voraussetzung für die Betroffenen ist ein bis zu zehnstündiges sogenanntes Clearing, das sind Gespräche mit einem Psychologen und Traumaexperten, bei dem auch versucht wird, die Glaubwürdigkeit der Betroffenen zu überprüfen. "Es wird der Sachverhalt erhoben und das Opfer hat die Möglichkeit, das Erlebte und die Folgen daraus darzulegen. In Folge wird dann versucht einen Zusammenhang herzustellen", meint Carolin List, Kommissionsmitglied und Richterin in Graz.

Uneinigkeit mit kirchenkritischer Kommission

Am Freitag wurde darüber verhandelt, wie auch die 320 Personen entschädigt werden könnten, die sich bei der kirchenkritischen "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt" gemeldet haben. Die Kommissionsvorsitzende Waltraud Klasnic ist zwar sehr zuversichtlich, weil "diese Kommission die einzige ist, die den Opfern nach einem Clearingverfahren wirklich Hilfe geben kann". Annäherung gab es gestern trotzdem keine, denn die kirchenkritische Plattform fordert, dass sich die Klasnic-Kommission nicht mehr unabhängig nennt. Außerdem soll eine internationale Kommission die Fälle der Plattform übernehmen, die Kirche soll höhere Entschädigungen zahlen und es soll untersucht werden, ob Kardinal Schönborn in vergangenen Jahren für Vertuschung von Missbrauchsfällen verantwortlich war. Diese Forderungen hat die Klasnic-Kommission nicht angenommen.

Alle Fälle sollen analysiert werden

In ihrer gestrigen Sitzung wurde vereinbart, dass Traumaexperten, vermutlich an der UNI-Wien, die hunderten Missbrauchs- und Misshandlungsfälle anonymisiert analysieren sollen. Ziel ist laut der Psychologin Ulla Konrad, die strukturellen Ursachen zu ergründen und Maßnahmen zu erarbeiten, wie sexueller Missbrauch und Misshandlungen künftig verhindert werden können.

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