Libro-Prozess beginnt

Vor zehn Jahren musste die Papier- und Buchhandelskette Libro Ausgleich anmelden, ein Jahr später schlitterte sie in den Konkurs. Tausende Klein-und Großanleger verloren ihr Geld. Jetzt beginnt der langerwartete Libro-Prozess am Landesgericht Wiener Neustadt.

Fünf Angeklagte müssen sich vor dem Schöffensenat verantworten. die Vorwürfe lauten Untreue, Bilanzfälschung und schwerer Betrug. Hauptangeklagter ist der ehemalige Management-Shootingstar Andre Rettberg. Im Falle einer Verurteilung drohen dem einstigen Generaldirektor der Libro AG bis zu 10 Jahre Haft.

Morgenjournal, 17.01.2011

Vom Manager des Jahres in den Konkurs

1999 wird Andre Rettberg zum Manager des Jahres gewählt - im selben Jahr geht Libro an die Börse. 3 Jahre später muss Libro Konkurs anmelden. Übrig bleiben tausende Klein- und Großanleger, die im Zuge des Börsegangs Geld angelegt - und verloren haben.

Bilanzen geschönt?

Ist alles mit rechten Dingen zugegangen? Nein, sagt die Staatsanwaltschaft. Vor dem Börsegang sollen die Bilanzen des Unternehmens geschönt worden sein. Außerdem hätten sich die Manager noch eine schöne Sonderdividende gewährt - zu Unrecht, wie die Anklage ausführt, sagt der Sprecher des Landesgerichts Wiener Neustadt Hans Barwitzius. Die Ausschüttung von 440 Millionen Schilling an die Altaktionäre, die Telekom wurde mit den falschen Zahlen zu einer Beteiligung gewonnen und der Börsegang wurde mit falschen Zahlen beworben und damit die Aktionäre getäuscht.

Staatsanwalt liest Anklage vor

Bilanzfälschung, Untreue und schwerer Betrug - die Vorwürfe gelten für alle fünf Angeklagten, sagt Barwitzius, mit der Einschränkung, dass einige nur als Beitragstäter geführt werden.

Zunächst wird der Staatsanwalt heute die Anklage vortragen anschließend haben die Verteidiger die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzulegen.

Rettberg: Nicht schuldig

Andre Rettberg wird sich für Nicht schuldig erklären, sagt sein Verteidiger Werner Sporn. In einem so großen Unternehmen würden einige Dinge am Generaldirektor vorbei gehen. Rettberg sei ein visionärer Buchhändler gewesen, habe aber von rechtlichen Dingen nicht viel Ahnung gehabt.

Alle fünf Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück, es gilt die Unschuldsvermutung.

Rekordverfahren

Mit einer Zeitspanne von nahezu zehn Jahren zwischen dem Bekanntwerden des Falles bis zur Gerichtsverhandlung zählt die Causa Libro zu den Rekordhaltern bei den Langzeitverfahren. Warum das so ist, darüber hält sich Gerichtssprecher Barwitzius eher bedeckt. Er will auf Einzelheiten nicht eingehen. Solche Wirtschaftsverfahren seien komplex und würden einige Zeit benötigen.

Ende: 22. Juni

Auch die Verhandlung selbst dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen. 60 Zeugen sollen einvernommen werden, zur Zeit sind 40 Verhandlungstage angesetzt, der vorerst letzte Termin ist der 22. Juni.