"Das ist geballte Kunst"

Um 22:00 Uhr beginnt der Ball der Bälle, der Wiener Opernball. Elina Garanca, die Wiener Philharmoniker, Franz Welser-Möst - das sind die kulturellen Höhepunkte des Abends. Auch zahlreiche prominente Gäste werden erwartet, von Bob Geldof bis zur skandalumwitterten "Ruby". Organisiert wird der Ball auch heuer wieder von Desirée Treichl-Stürgkh.

Mittagsjournal, 03.03.2011

Die letzten Stunden

Die Sorge, dass jetzt noch etwas schief geht, ist bei der Opernball-Organisatorin in den letzten Vorbereitungsstunden immer präsent. Ihr schwirren noch einige Gedanken durch den Kopf: "Dass alle Debütanten heute rechtzeitig ins Haus finden, dass alle Künstler da sind. Das sind so die Momente, wo man hofft, dass nicht irgendetwas passiert, sich nicht einer vielleicht noch den Fuß bricht oder das Flugzeug versäumt oder solche Geschichten."

Harmonische Zusammenarbeit

In den vergangenen Jahren ist der Opernball nicht immer spannungsfrei abgelaufen. Konflikte mit dem damaligen Staatsoperndirektor Ioan Holender sind bekannt. Heuer veranstaltet Desiree Treichl-Stürgkh den Ball erstmals gemeinsam mit Dominique Meyer, dem neuen Staatsoperndirektor. Sie erkennt einen großen Unterschied in der Zusammenarbeit: "Dominique Meyer ist ein sehr sensibler Direktor, der auch den Opernball wertschätzt und das ist wunderschön, mit so jemandem zu arbeiten."

Höhepunkte und Skandale

Treichl-Stürgkhs absolute Highlights heuer sind die Wiener Philharmoniker, die von Franz Welser-Möst dirigiert werden, und der Gesang von Elina Garanca. "Das ist so geballte Kunst", schwärmt sie. In den Medien liest man allerdings hauptsächlich über die Affäre Ruby. Auch für die Opernball-Organisatorin war dieses Thema ein großer Aufreger. Es sei die größte Peinlichkeit, die sich Herr Lugner erlaubt hat, hat man von ihr gehört. "Sie dürfen nicht vergessen, ich bin auch nur ein Mensch und habe Emotionen und da ist kurz mal die private Desi Treichl mit mir durchgegangen und nicht die Organisatorin des Opernballs. Der Herr Lugner ist ein Gast wie viele andere und mein Motto ist: Jeder Gast hat in der Loge den sitzen, den er verdient." Es gibt aber auch Stimmen, die sagen, dass sie Lugner eigentlich dankbar sein müsste – für all die Publicity, die er dem Opernball bringt. Das sieht Treichl-Stürgkh anders: "Ich glaube auf diese Art von Werbung kann die Wiener Staatsoper verzichten." Aber ob das nicht Teil des Spiels sei? "Es ist natürlich Teil des Spiels und es wird immer wahnsinnig heiß gekocht. Aber ich finde man sollte sich nicht so sehr damit beschäftigen."

Logen schnell ausverkauft

Es wurde bekannt, dass es heuer einen regelrechten Run auf die Logen gibt, von denen eine immerhin zwischen 8500 und 17 000 Euro kostet. Darf man auch hier das Ende der Krise wittern? "Es ist die Stimmung eine andere. Man ist nicht mehr vorsichtig", meint die Organisatorin. 2009 war es noch so, dass viele Logen zurückgekommen seien und vor allem, dass die Logen-Gäste nicht gekommen seien. Statt der ersten sei die zweite Kategorie auf diesen Plätzen gesessen. Heuer sei das anders. Die Lust am Opernball sei wieder gestiegen, nicht nur weil die Krise fürs Erste vorbei zu sein scheint, sondern auch "weil Traditionen wieder gefragt sind. Deshalb ist der Ansturm so groß."

Oma am Opernball

Abseits der großen Stars gibt es aber auch viele normale Leute, die es sich einmal im Leben leisten wollen, auf den Opernball zu gehen. Und dafür auch 230 Euro pro Karte bezahlen. "Das macht die Masse aus. Wir haben ganz viele Gäste, die uns anrufen, schon im Vorfeld Karten bestellen, weil sie ihren 40. Hochzeitstag da feiern wollen, weil die Omi 70 wird", erklärt Treichl-Stürgkh. Mit dem Kauf einer Karte ist es allerdings noch nicht getan. Ein Opernball-taugliches Erscheinungsbild geht ins Geld und braucht Beratung. "Wir begleiten die normalen Leute auch und erzählen ihnen, wo sie den Frack und das Abendkleid bekommen oder wo es einen netten Friseur gibt." Was die Roben der Damen anbelangt, sei es absolut zu vermeiden, "zu wenig Stoff und zu viel Haut" zu zeigen, so die Organisatorin.

Auserwählte DebütantInnen

Oft entsteht, auch durch die Berichterstattung in den Medien, trotzdem der Eindruck, dass es sich bei den Besuchern des Opernballs und bei den DebütantInnen um einen abgegrenzten elitären Kreis handelt. Dagegen möchte sie soziale Akzente setzen. Heuer hat sie beispielsweise ein Paar von den Special Olympics geholt. Treichl-Stürgkh dazu: "Das Zeichen soll nicht sein, dass nur elitäre Kinder eröffnen. Berichtet wird immer nur über die ersten drei, vier Reihen oder bis Reihe 15. So hat man das Gefühl, da brauche ich mich gar nicht anmelden. Die nehmen mich ja sowieso nicht, weil mein Papi nicht der Hofrat, der Professor oder der Doktor ist und auch nicht die richtigen Beziehungen hat." Aber das stimme nicht. Laut der Opernball-Organisatorin hat sich mittlerweile herumgesprochen, "dass es eben bei uns sehr offen zugeht, dass wir froh sind über alle Kinder, die wunderbar tanzen können." Linkswalzer ist die Voraussetzung. Außerdem müssen die DebütantInnen zwischen 17 und 24 Jahre alt sein.

Lerneffekt

Seit vier Jahren organisiert Treichl-Stürgkh nun den Opernball. Gelernt hat sie in diesen Jahren viel, wie sie sagt: "In Richtung Medienarbeit und dass ich Emotionen nicht so heraus plaudern sollte. Wie Sie sehen, habe ich da leider doch wieder versagt. Aber ich habe gelernt, die Dinge einfach nicht so wichtig zu nehmen."