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Kultur

Florian Pumhösl und Tacita Dean

Ausstellungen im MUMOK

Gleich vier Ausstellungen werden am 3. März 2011 im MUMOK eröffnet: eine Personale des 40-jährigen Österreichers Florian Pumhösl, und eine der sechs Jahre älteren Britin Tacita Dean, die in Berlin lebt.

In der Ebene 3 im Keller gilt eine Ausstellung zu einem Avantgardekunst-Kollektiv der späten 60er Jahre: Aktionsraum 1 aus München. Und ganz oben im letzten Stockwerk wird die MOMUK-Sammlung klassischer Moderne auf neue Weise präsentiert - Florian Pumhösl war an der Konzeption auch dieser Ausstellung beteiligt.

Kulturjournal, 03.03.2011

Einer der jüngsten documenta-Teilnehmer

Auf einer documenta in Kassel auszustellen, gilt im Kunstbetrieb als allerhöchstes Qualitätssiegel. Florian Pumhösl war bei der documenta 12 im Jahr 2007 einer der jüngsten Teilnehmer überhaupt. Im Wiener Museum Moderner Kunst stehen ihm nun weitläufige Räume zur Verfügung. Pumhösl nützt sie auf eine für ihn typische Art: sehr, sehr sparsam. In zwei großen Sälen läuft in tiefster Dunkelheit je ein Film, mehr nicht. Und in einer weißen Halle zieht sich bloß ein schmales Band von filigranen Bildern über die vier hohen Wände.

"Techniken der Reduktion und auch der Verminderung, der Diminution - wie auch diese eine Arbeit heißt - sind Verfahren, die ich anwende", so Pumhösl. "Diminution", das ist ein Zyklus von 48 Hinterglasbildern in der weißen Halle.

Es sind Klarglas-Rechtecke im Hochformat, die meisten mit nur einem Strich und einer Kurve aus schwarzem Lack bemalt. Sieht eher aus wie Tuschezeichnungen. "Im Grunde geht es um ein sehr schlichtes Thema: nämlich dass eine einfache Linienkonstellation oder ein völlig abstraktes Bild immer noch die Behauptung zum Beispiel eines Porträts beinhaltet."

Reduktion, Diminution

Die Glasgrafiken im harten weißen Neonlicht schaffen einen stillen lyrischen Raum; diese ist vielleicht die gelungenste der drei Pumhösl-Arbeiten im MUMOK. Von den Filmen variiert einer ebenfalls Striche und Kurven; der andere, längere, dauert eine halbe Stunde und besteht aus wenigen Einstellungen. So bleibt die Kamera minutenlang auf die verästelten Kronen nordischer Kiefern gerichtet. Es sind Landschaftsdetails aus Karelien, der Region zwischen Russland und Finnland. Pumhösl knüpft da an Fotos des Avantgardisten Alexander Rodschenko an.

"Der Film ist ein Versuch, jene Landschaften, die Rodschenko in den frühen 30er Jahren in Karelien fotografiert hat, neu zu sehen", sagt Pumhösl. Zwischen den schwarz-weißen Filmsequenzen hört man, bei schwarz bleibender Leinwand, den Pianisten Marino Formenti, der die Musik kreiert hat. Wie manchmal bei Pumhösl übt sich der Film in einer Askese, die sich irgendwie trocken und karg anfühlt - was bei extremer Reduktion nicht automatisch der Fall sein muss. Aus dem kondensierten Material wird viel an Vitalität herausgenommen. Das kann man interessant, aber auch frustrierend finden."

Kreide und Schweiß auf Schultafel

Auch in der Tacita-Dean-Ausstellung faszinieren die Wandbilder zumindest mich mehr als die Filme. Die Britin hat einige Künstler filmisch porträtiert. Es geht ihr um künstlerische Kreativität und die Menschen dahinter. Merce Cunningham probt mit seiner Truppe, Claes Oldenburg staubt die Figuren seines "Mouse Museum" ab. Die Geduld, die die Filme manchmal abverlangen, wird dann vor bestimmten Wandarbeiten belohnt. Auf riesigen schwarzen Schultafeln hat sie mit weißer Kreide die Schaumkronen dramatischer Meeresbrandung modelliert, und zwar mit ihrem eigenen Schweiß - eine andere Flüssigkeit tauge nicht dazu, sagt Tacita Dean.

Und einige quadratische Alabastertafeln sind so bearbeitet, dass die Alabasteroberfläche die Textur stark vergrößerter Haut auf menschlichen Handflächen annimmt. Auch das ein Höhepunkt innerhalb der neuen Ausstellungen im Museum Moderner Kunst.

03.03.2011

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