Die Frauenministerin zu 100 Jahre Frauentag
"Auch Dohnal musste Kompromisse machen"
Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) drängt weiter auf Frauenquoten für die Aufsichtsräte in Privatwirtschaft und staatsnahen Betrieben. Und sie ist überzeugt, dass die Vorschrift der Einkommenstransparenz in Betrieben dazu beitragen wird, die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern abzubauen.
25. April 2017, 13:52
"Es geht etwas weiter"
Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek im Morgenjournal-Gespräch am 08.03.2011 mit Christian Williwald
Politik der kleinen Schritte
Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek zieht im Ö1-Morgenjournal-Interview eine positive Bilanz: "Am 100.Frauentag kann man sagen, dass sehr sehr viel passiert ist in letzter Zeit. Was die sogenannte Einkommenstransparenz anbelangt, die uns helfen soll, diese Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen zu verringern, haben wir seit wenigen Tagen ein Gesetz. Und ich sage Ihnen, das wird greifen. Es wird so sein, dass endlich nachgeschaut wird, ob für gleiche Arbeit auch gleich bezahlt wird. Das ist ein Riesenerfolg und den sollten wir uns nicht klein reden", so Heinisch-Hosek.
"Quotierung für den Bund"
In den nächsten Tagen werden Verhandlungen zu den Quoten in staatsnahen Betrieben abgeschlossen werden. Auch hier sieht Heinisch-Hosek einen Erfolg: "Wenn staatsnahe Betriebe mit Aufsichtsratsfunktionen beschickt werden, muss der Bund auch in einer gewissen Quote Frauen schicken. Und das ist viel mehr als eine Selbstverpflichtung, das ist eine Quotierung für den Bund. Da legen wir uns selbst die Latte hoch und nehmen uns viel vor."
Putzmänner und Supermarktkassierer
Halbe-halbe an Supermarktkassen und vielleicht bei Reinigungsfirmen, eine gewagte Vorstellung. Aber wäre das nicht eine Forderung zum Frauentag? Für Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist das auch real vorstellbar, unter der Bedingung, dass sowohl Frauen als auch Männer für eine solche Arbeit mehr bezahlt bekämen. "Dann würden sich auch mehr Männer melden", ist sie überzeugt.
Quoten für Führungspositionen
Zurzeit werden mit Vertretern der Wirtschaft die Frauenquoten in Aufsichtsräten oder anderen Führungsgremien diskutiert. Die meisten Frauen befinden sich aber gar nicht in der Nähe von diesen Führungspositionen. Es stellt sich nun die Frage, was eine Quote für die große Zahl der Frauen bewirken könnte. Sehr viel, meint die Ministerin. "Eine Quote in Führungspositionen bedeutet mehr Frauen in Entscheidungsfunktionen. Und wenn mehr Frauen mitentscheiden, werden manche Entscheidungen sicherlich anders ausfallen und sich auf Frauen, die in unteren Positionen arbeiten, zu 100 Prozent positiv auswirken."
Schlüsselfaktor Kinderbetreuung
Zum 100. Frauentag lässt sich feststellen, dass die Lebenswirklichkeit von Frauen in vielen Bereichen immer noch schwierig ist. Der Gratis-Kindergarten ist zu teuer und muss, wie in der Steiermark jetzt, wieder abgeschafft werden. Der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen ist auch zu teuer und wird gestoppt. Ganztagsschulen sind zwar gewünscht, aber die Lehrer dafür kann man sich nicht leisten. "Wir müssen genau für die Frauen etwas tun, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, übrigens auch Männersache meiner Ansicht nach, sehr ernst nehmen und die Plätze nicht vorfinden", so Heinisch-Hosek. Was werde also dafür getan? "Diese 15 Millionen, die der Bund jetzt drei Mal gegeben hat, haben 17.000 neue Plätze an Kinderbetreuung geschaffen und 6.000 Arbeitsplätze", erklärt sie. Geht es nach der Frauenministerin soll noch heuer diese Finanzierung weitergeführt werden. "Dann hätten nämlich auch alle Frauen in allen Bundesländern etwas davon und dann müsste man keine Notmaßnahmen ergreifen, so wie jetzt in der Steiermark." Bisher spieße es sich allerdings noch am Koalitionspartner.
Zu "nett" für eine Frauenministerin?
Persönlich gilt Gabriele Heinisch-Hosek in der Regierung als sehr beliebt und umgänglich. Ihre berühmteste Vorgängerin Johanna Dohnal war für viele ein echtes Feindbild. Müsse sie nicht in Kauf nehmen, in manchen Dingen richtig unbeliebt zu sein und abgelehnt zu werden? "Johanna Dohnal hat gesagt, ich habe 100 gefordert, damit ich 10 bekomme. Das gilt für mich auch. Ich glaube, dass auch sie Kompromisse machen musste. Vielleicht bin ich nicht so laut wie sie, aber in kleinen Schritten geht für die Frauen in diesem Land schon etwas weiter. Und das will ich schlussendlich."
Symbolcharakter
In den Zeitungen war die Frauenministerin in den vergangenen Tagen sehr präsent, unter anderem ließ sie sich auf dem Heldenplatz ablichten, wo sie eine Tafel mit der Aufschrift "Heldinnenplatz" aufgestellt hat. Den Frauen scheinen solche symbolischen Akte in ihrem Alltag wenig zu nutzen. Heinisch-Hosek dazu: "Symbole sind wichtig. Manches Mal lustvoll, einige schmunzeln vielleicht darüber, ich nicht. Helden sind nicht nur Menschen, die Kriege gewonnen haben. Heldinnen bewähren sich auch im Alltag und das ist wichtig. Und ich denke, Symbole sind gut, aber Taten sind genauso wichtig. Ich habe einiges in diesen beiden Jahren erreicht, aber es ist noch lange nicht genug. Das ist mir klar. Daher genauso weitermachen, wie bisher."
Kritik am Frauentag
Der Frauentag, so er gefeiert wird, gilt als umstritten. Denn laut Kritikern konzentriere sich die Aufmerksamkeit ausschließlich auf diesen einen Tag und sonst bleibt alles, wie es ist. Solle man ihn abschaffen? "Wenn alle gleich verdienen, wenn die Männer die Hälfte der Hausarbeit übernommen haben, dann können wir ihn abschaffen." Wann das soweit sein wird, traut sich die Frauenministerin nicht zu prognostizieren. "Das liegt auch an den Männern."
