Frauenquoten und feministische Theorien
Internationaler Tag der Frau
100 Jahre Frauentag in Österreich und noch immer sind viele Forderungen, wie zum Beispiel jene nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit, unerfüllt. Ein "Wissen aktuell" über Feministische Theorien, Frauenquoten an den Unis und Gleichberechtigung.
25. April 2017, 13:52
"Eine Hauptforderung der feministischen Theorie wie der Frauenbewegung ist die Forderung nach Gleichstellung und Gleichbehandlung - davon sind wir noch weit entfernt, wenn man beispielsweise an Führungspositionen denkt, auch im Bereich der Universität, wenn man an die Bezahlung denkt", so Silvia Stoller, Dozentin am Institut für Philosophie der Universität Wien.
"Natürlich gibt es in vielen Bereichen eine Gleichstellung; es gibt auch eine Gleichbehandlung - aber man muss genau hinschauen wo. Wechselt man von Europa weg nach Afrika zum Beispiel, also nimmt man eine globale Perspektive ein, also spätestens dann muss deutlich werden, dass es mit der Gleichstellung und der Gleichbehandlung noch sehr, sehr weit weg ist."
Frauenquoten an den Österreichischen Universitäten
Doch auch im Kleinen betrachtet - auf Österreich bezogen - zeigt sich: Je höher und prestigeträchtiger Posten oder Funktion, desto weniger Frauen. Das gilt für die Wirtschaft genauso wie für Wissenschaft und Hochschulen: Unter den Studierenden machen Frauen österreichweit einen Anteil von 57 Prozent aus, von den Professuren haben sie 19 Prozent inne, und eine Rektorin gibt es derzeit nur an einer staatlichen Uni - an der Wiener Universität für Veterinärmedizin; die wird seit kurzem von Sonja Hammerschmid geleitet.
Hammerschmids Rat, damit bald weiteren Universitäten Frauen vorstehen: "Eine Portion Mut und viel Selbstvertrauen in der Damenwelt. Da darf man sich nicht beirren oder irgendwie beeinflussen lassen, sondern geradlinig den Weg, den man sich vorstellt und wo die Leidenschaften und die Talente liegen."
Seit Freitag ist übrigens klar, dass bald einer zweiten, staatlichen Universität eine Frau vorstehen wird: im Oktober wird Sabine Seidler das Amt als Rektorin der Technischen Uni Wien antreten. Seidler und Hammerschmid sind derzeit noch Ausnahmen; für viele Posten in Lehre und Forschung gebe es zu wenige Bewerberinnen, so Rektorin Hammerschmid: "Man muss wirklich gezielt junge Frauen während des Studiums, aber auch nachher immer wieder motivieren, sich das zuzutrauen, die Vereinbarkeit Karriere und Beruf, sich dem Thema auch zu stellen, mit ihren Partnern zu stellen."
Beruf und Familie
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie betont auch Wissenschaftsministerin Beatrix Karl anlässlich des Frauen-Tages: das Ministerium trägt nach eigenen Angaben Verantwortung dafür, dass: "Frauen und Männern mit Familienpflichten in ihrer Ausbildung und im beruflichen Fortkommen aus der Elternschaft keinerlei Nachteile erwachsen".
"Das heißt, es wird darauf geachtet, dass es an den Hochschulen Kinderbetreuungseinrichtungen gibt und das wird auch in den Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten festgelegt. Das sind für mich ganz zentrale Themen, um hier wirklich auch für Mütter und Väter forschende Berufe, wissenschaftliche Berufe und auch ein Studium leicht möglich zu machen", sagt Beatrix Karl.
Aber damit nicht automatisch verbunden ist ein Rechtsanspruch zum Beispiel auf einen Kinderbetreuungsplatz.
Feministische Theorien
Von den Rahmenbedingungen für Frauen in Wissenschaft und Forschung zurück zur feministischen Forschung: Frau und Mann sind gleich; Frau und Mann sind unterschiedlich; Frau und Mann sind Konstrukte - so lauten grob gefasst drei Standpunkte des Feminismus im zwanzigsten Jahrhundert. Silvia Stoller hat sich - gefördert vom Wissenschaftsfonds FWF - für ihre Habilitation mit drei Klassikerinnen der Geschlechterforschung auseinandergesetzt: Simone de Beauvoir und die Gleichheit der Geschlechter, Luce Irigaray und die Differenz sowie Judith Butler und die Konstruktion. Feministische Forschung kann in Österreich auf circa 30 Jahre zurückblicken.
"Man muss sehen, dass ja auch die feministische Forschung selbst immer weiterentwickelt. Und man muss auch sehen, dass die feministische Forschung auch permanent auf die politischen und die gesellschaftlichen Verhältnisse und Veränderungen reagieren muss. Meiner Ansicht nach müsste die feministische Forschung noch sehr, sehr viel stärker in den Universitäten integriert werden", Silvia Stoller.
"Es ist irgendwie erschreckend, wie wenig Interesse seitens der Studierenden für dieses Thema ist und wie konservativ die jungen Leute wieder denken", so Birge Krondorfer, Universitätslehrbeauftragte an verschiedenen Instituten vor allem zu Gender-Studies, "Einfach nur mal grundsätzlich die Infragestellung der Verhältnisse so wie sie sind, das ist den Leuten total fremd."
Damit das nicht so bleibt, lädt das Gender Initiativ-Kolleg der Universität Wien zu Vorlesungen ein: ein Semester lang referieren Forschende aus dem In- und Ausland zum Thema "Gewalt und Handlungsmacht"; die Vorträge sind öffentlich zugänglich.
Service
Bundesministerium für Frauen und öffentlichen Dienst - Frauenbericht 2010
Uni Wien -Ringvorlesung zum Thema "Gewalt und Handlungsmacht"
TU Wien - Sabine Seidler
Universität Wien - Silvia Stoller
Birge Krondorfer
