Die Erde dreht sich schneller

Das Erdbeben in Japan hat, abgesehen von dem menschlichen Leid, auch Auswirkungen auf die gesamte Erde. Durch das Beben wurden gewaltige Energien frei. Sie waren so stark, dass sich die Erde jetzt schneller dreht und Japan selbst verschoben wurde.

Mittagsjournal, 14.03.2011

Japan um zweieinhalb Meter verrückt

Japan liegt jetzt rund zweieinhalb Meter weiter im Osten als bisher, sagt Götz Bokelmann vom Institut für Geophysik an der Uni Wien. Dass sich Landmassen bei Erdbeben verschieben beobachten die Forscher schon oft beobachtet, sagt der Leiter des Instituts für Geophysik Bruno Meurers: "Ähnliches war in Chile der Fall, dort hat sich die Westküste des südamerikanischen Kontinents damals um drei Meter verschoben."

Geschwindigkeit der Erde verändert

Diese Verschiebung der Landmasse verändert nun die Geschwindigkeit mit der sich die Erde um sich selbst dreht, sagt Götz Bockelmann: "Die Massenverteilung der Erde hat sich etwas verändert, sie ist vielleicht etwas kompakter geworden. Dadurch steigt die Rotationsgeschwindigkeit."

Nach Berechnungen der NASA dreht sich die Erde jetzt minimal schneller. Ein Tag ist jetzt um 1,8 Mikrosekunden kürzer. Eine Mikrosekunde ist der millionste Teil einer Sekunde.

Auswirkungen auf das Leben auf der Erde sind nicht zu erwarten, sagt der Leiter des Instituts für Geophysik Bruno Meurers: "Die Veränderungen sind so klein, dass sich da kaum etwas ändert."

Tage minimal kürzer

Dass sich die Tage minimal verkürzen, ist auch von anderen Erdbeben bekannt. Durch das Beben von Sumatra im Jahr 2004 etwa wurde der Tag um knapp sieben Mikrosekunden kürzer. Doch diese minimalen Zeitverschiebungen werden alle paar Jahre zu Silvester durch sogenannte Schaltsekunden korrigiert, sagt Bokelmann: "Es gibt von Zeit zu Zeit Sekunden die hinzugefügt oder abgerechnet werden. In dem Moment wird man dann auch diese kleine Veränderung korrigieren."

Erdachse verschoben

Das Beben hat auch die Erdachse um rund zehn Zentimeter verschoben, berichtet das Italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie. Das sei möglicherweise die größte Verschiebung seit einem Erdbeben in Chile im Jahr 1960. Dennoch muss man hier keine Veränderungen im Klima erwarten, meint Götz Bokelmann: "Es ist ein messbarer Effekt der sehr interessant ist, aber es ist doch nur ein relativ geringer Effekt gegenüber allen anderen Klimaveränderungseffekten.

Erde an bestimmten Stellen schwerer

Durch die Verschiebung der Massen hat sich auch die Verteilung der Schwere auf der Erde geändert. Die Erde ist jetzt an bestimmten Stellen schwerer als vorher. Das wiederum wirkt sich auf die Anziehungskraft der Erde aus, so Bruno Meurers:
"Das sind nur kleine Effekte, die für uns Menschen gar nicht spürbar sind."

Das bedeutet etwa, dass man keinerlei Auswirkungen bemerken wird, wenn man auf eine normale Waage steigt, sagt Meurers. Genaue Messdaten werden von den Forschern aber erst erwartet.