Porträt Christiane Rösinger

Christiane Rösinger wurde als Sängerin der Berliner Bands Britta und Lassie Singers bekannt. Seit kurzem ist sie auch auf Solo-Pfaden unterwegs – und schon wird sie von Kritikern als "beste lebende deutsche Songwriterin" gehuldigt und mit Bob Dylan verglichen.

Die Schwermut ihrer Lieder erinnert tatsächlich an Dylan oder Leonard Cohen. In ihren Texten beweist sie aber durchaus Humor und lässt in Liedern wie "Es geht sich nicht aus" Österreich-Bezug durchblitzen; womöglich liegt das an der musikalischen Unterstützung aus dem Burgenland: Andreas Spechtl von "Ja, Panik" hat die Musik auf ihrem Album arrangiert und ist auch live immer dabei - so wie am Mittwoch, 30. März 2011, bei der Albumpräsentation im Wiener Flex.

Kulturjournal, 29.03.2011

Es sollte die traurigste Platte aller Zeiten werden, sagt Liedermacherin Christiane Rösinger. Dementsprechend besingt sie auf ihrem aktuellen Album Enttäuschung und Verzweiflung, ihre Lieder heißen "Sinnlos", "Desillusion" und "Verloren". An Rösingers rauchige Stimme und die ungeschliffene Musik gewöhnt man sich mitunter erst nach mehrmaligem Hören, doch das macht sich bezahlt: Ihre Texte bewegen sich zwischen Melancholie und Ironie, begleitet von Klavier, Gitarre, Schlagzeug und Mundharmonika.

Selten wird Schwermut so schön zelebriert: Kein Wunder, dass ihre Fans bei Konzerten oft Tränen vergießen. Doch zu viel Traurigkeit will sie nicht auf die Bühne bringen; aus Rücksicht auf die Besucher - und aus Eigeninteresse: "Ich brauche auch was Lustiges auf der Bühne. Am Anfang ist es traurig und dann kommen die lustigen Sachen und dann lebe ich auf."

Kämpferin gegen die "Pärchenlüge"

Auch wenn das Lied "Pärchenlüge" älter als 20 Jahre ist, die Abneigung gegenüber Pärchen ist Christiane Rösinger geblieben: "Wir leben ja in einer Pärchen-Diktatur." Selbst wenn man sich als Allein-Lebende oder -Lebender wohl fühle, wird einem immer aufgezwungen, dass das nicht in Ordnung sei, so Rösinger. Derzeit schreibt sie sogar ein ganzes Buch über die Pärchenlüge. Christiane Rösinger ist überzeugt: Ohne Partner habe man mehr Spaß im Leben:

"Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass ich in den Zeiten viel mehr gemacht habe." Frauen könnten nach einer zu Ende gegangenen Beziehung statt zu jammern so viel machen: "Da könnten die Frauen Doktorarbeiten schreiben, auf den Mount Everest klettern - diese Energie wird in so sinnlose Beziehungsprobleme investiert. Das prangere ich an."

"So 'ne Jungs-Band"

Seit den 1980ern macht die in Berlin lebende Künstlerin Musik; gründete die Bands Lassie Singers und Britta. Das aktuelle Album ist ihr erstes Solo-Projekt. Musikalisch wird sie dabei von Andreas Spechtl, Kopf der burgenländischen Band Ja, Panik!, unterstützt.

Während der Titel des Albums "Songs of L. and Hate" eine Anspielung an Leonard Cohens fast gleichnamiges Album ist, ist das Albumcover einem anderen Klassiker nachempfunden: Wie Bob Dylan auf dem Cover zu seinem Album "Bringing It All Back Home" mimt Rösinger den Dandy mit Katze am Schoß, und anstelle von Sally Grossman post Spechtl als laszive Lady in Red.

Die beiden lernten einander kennen, als Ja, Panik! als Vorband von Britta auftrat. Damals stand Rösinger den jungen Männern aus dem Burgenland eher skeptisch gegenüber. Das sei "so 'ne Jungs-Band" gewesen. "Dann haben wir uns aber angefreundet. Die Jungen sind noch viel belastbarer."

Nur nicht versauern

Dass sie viel mit Jüngeren zu tun hat, habe sich zufällig ergeben, sagt Rösinger, auch, weil sie anders im Leben stehe als die meisten ihrer Altersgenossen: Während viele erst jetzt eine Familie gegründet haben, ist sie früh Mutter geworden und mit ihren 50 Jahren bereits Großmutter. Dadurch bleibt ihr mehr Zeit für Anderes.

Seit kurzem ist ihre Flittchen-Bar in Berlin wieder in Betrieb, sie hat eine Kolumne auf FM4, tourt durch Deutschland und Österreich. Zuletzt ließ sie das Goethe-Institut ins gerade erst befreite Ägypten einfliegen, denn auch wenn scheinbar alles schlecht ist, daheim vergraben ist für Rösinger keine Option.

Textfassung: Ruth Halle

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