"Four Lions" startet in Österreich

Löwenbabys im Terrorbusiness

Was darf Satire? Der Film "Four Lions" über eine Terrorzelle in England gibt erneut Anlass für diese Frage, denn er macht sich über islamistische Selbstmordattentäter lustig. Nach dem Streit um die dänischen Mohamed-Karikaturen gab es in der deutschen CSU auch Bedenken gegen den Filmstart in Deutschland. Diese Woche kommt der Film von Regisseur Chris Morris in die österreichischen Kinos.

Kultur aktuell, 20.04.2011

Schon die Dreharbeiten für das Bekennervideo erweisen sich als schwierig: Das Gewehr, das einer der Dschihadisten hält, ist viel zu klein, um furchterregend zu sein. So wird man als Terrorist nicht ernst genommen. Überhaupt sind die titelgebenden "Four Lions", die hier antreten, um den göttlichen Plan zu erfüllen, mehr vier Löwenbabys, die recht ungelenk im Gehege des Terrorismus herumtapsen.

Den Dschihad betreiben die Muslime und ein britischer Konvertit mehr als Hobby und originelle Freizeitbeschäftigung denn als ernsthaften Kampf, so als würden die Marx-Brothers im Dienste von Osama Bin Laden stehen. Dass die Möchtegern-Märtyrer genau das nicht erkennen und somit eine große Illusion die Basis ihrer Aktivitäten ist, daraus schöpft der britische Regisseur Chris Morris das komische Potenzial des Films.

"Gute Recherche"

Doch nicht nur praktische Probleme wie Autopannen oder fehlende Munition im pakistanischen Ausbildungslager erweisen sich als Hindernisse, auch im ideologischen Überbau knirscht es, etwa wenn es darum geht, die richtige Himmelsrichtung für Mekka zu bestimmen.

Tabus brechen, das sei gar nicht seine Absicht gewesen, meint Regisseur Chris Morris: "Nichts ist hier bewusst kontroversiell angelegt." Und Bedenken, zu weit zu gehen, habe man nie gehabt, "alles baut nämlich auf guter Recherche auf", ergänzt Schauspieler Kayvan Novak.

Mehr als Satire

Vorurteile, Klischees und Missverständnisse im Zusammenleben von Muslimen und Christen sind der Schmierstoff dieser Satire. Sie werden von keiner Seite genauer hinterfragt und verfestigen sich somit als Wirklichkeit mit konkreten Handlungsanleitungen. Darin liegt auch der Kern der Kritik von Chris Morris und macht aus "Four Lions" weit mehr als nur eine Anordnung satirischer Momente. Auch wenn hier so manche Explosion danebengeht, eine Fehlzündung ist dieser Film keineswegs.

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