Nickelsdorfer Konfrontationen

Seit mehr als 30 Jahren trifft sich im Sommer in einem kleinen Burgenländischen Ort die Crème de la Crème der heimischen und internationalen Jazz- und Improvisationsszene. Von Donnerstag, 21. Juli bis Sonntag, 24. Juli 2011 findet die 32. Ausgabe der Konfrontationen in Nickelsdorf statt. Das Programm ist äußerst vielfältig.

Kulturjournal, 18.07.2011

Musik in ländlicher Stimmung

Jazzmusik vom Plattenteller empfängt die Gäste, wenn sie das Gasthaus Falb betreten. Im Hof lädt eine große Laube, die schon zur Hälfte mit Wein überwachsen ist, zum essen und trinken ein. Dahinter befindet sich ein großer überdachter Stadl, der als Veranstaltungsort genutzt wird. Die Bühne ist überdacht, das Publikum sitzt zum Teil geschützt, zum Teil unter freiem Himmel.

1980 gab es die erste Ausgabe des Festivals. Und auch heuer bei der 32. Runde kommen internationale Größen ebenso zu den Konfrontationen wie heimische Newcomer. An die 60 Musiker und Musikerinnen betreten während des Festivals die Bühnen der Jazzgalerie, des nahegelegenen Kleylehof oder der Kirche in Nickelsdorf. 20-jährige treffen auf 80-jährige. Ein Drittel der Musiker spielt zum ersten Mal hier, wie beispielsweise die französische Pianistin Sophie Agnel, die am Freitag auftreten wird. Rund zehn Musiker sind so etwas wie alte Bekannte des Festivals - wie die New Yorker Pianistin Marilyn Crispel und der aus Louisiana stammende Percussionist Hamid Drake.

"In den vier Tagen sind das ungefähr 20 Programmpunkte - das geht von Kirchenorgelduo mit Schlagzeug bis zu Free-Jazz in der afroamerikanischen Tradition", so Hans Falb.

Ausgewogene Mischung

Die französische Kontrabassistin Joelle Léandre und der aus Vermont stammende Cellist Tristan Honsinger sind zwei von der Sorte, auf die Falb nicht verzichten könnte bzw. wollte. Der Rest eines Programms ergibt sich im Laufe des Jahres. Falb und die Mitglieder des Vereins impro2000 verfolgen einzelne Künstler der Jazz- und Improvisationsszene, aber auch Musikerinnen im Bereich Pop und Rock, um dem Publikum eine möglichst ausgewogene Mischung zu Gehör zu bringen. Neue Strömung und Bands sind willkommen.

Die Band Broken heart collector - Maja Osojnik gemeinsam mit Bulbul - werden am Samstag auftreten. Das Programm der Konfrontationen ist wie immer dicht. Das Publikum soll mit möglichst unterschiedlichen Programmpunkten einen Zugang zu zeitgemäßer Jazzmusik bekommen.

"Da ist die Pianistin Marylin Crispel, die am Samstag mit Hamid Drake im Duo auftritt, also ein großartiges Klavier-Schlagzeug-Duo. Hamid Drake ist einer besten Schlagzeuger der Welt, der von arabischen Trommeln bis persischer Sufi-Musik alles beherrscht, Reggea und Free-Jazz spielt", so Falb.

Samstagabend spielt Hamid Drake gemeinsam mit der New Yorker Pianistin Marylin Crispell. Auch das Trio Boom Box wird am Samstag zu hören sein.

Rock aus dem Libanon

Ein besonderes Ereignis verspricht der Auftritt von Scrambled Eggs Sonntagabend zu werden: "Wir haben mit viel Mühen eine Rockband aus dem Libanon eingeladen", berichtet Falb. "Wenn man für diese Leute Visa-Anträge machen muss, wird man von den Fluggesellschaften teilweise boykottiert, weil es besteht ja eine Terrorismus-Gefahr, wenn arabische Staatsbürger für zwei Tage nach Wien einreisen. Da muss man schon durch einen Papierkram und Verpflichtungserklärungen abgeben, dass man für alles verantwortlich ist, was die Leute hier tun."

Für das Festival ist das Überleben in Zeiten der Kürzungen öffentlicher Gelder jedes Jahr eine Herausforderung, sagt Falb. Woher nimmt er die Kraft her, auch in schwierigen Zeiten weiter zu machen? "Das ist vielleicht wirklich der unerschütterliche Glaube an die Musik und an die Kunst."

Am Donnerstag eröffnet der Trompeter Franz Hautzinger mit seinem Projekt Poets Congress die Konfrontationen.

Textfassung: Rainer Elstner