Porträt Erwin Schrott

Erwin Schrott ist heuer der Mozartsänger der Salzburger Festspiele: Er singt den Figaro in der Mozart Oper "Le nozze di Figaro" und den Leporello im "Don Giovanni". Zusammen mit "Cosi fan tutte" bilden diese Opern den 3-teiligen neueinstudierten Zyklus der Da-Ponte-Opern von Mozart – alle drei inszeniert von Regisseur Claus Guth.

Damit nicht genug, tritt Erwin Schrott am Samstag auch in der Wiener Stadthalle auf: zusammen mit seiner Ehefrau Anna Netrebko und dem Tenor Jonas Kaufmann.

Kulturjournal, 04.08.2011

Erwin Schrott erscheint erschöpft am Bühnenausgang nach der "Figaro"-Vorstellung. Er sei hungrig und müde, so eine Aufführung sei äußerst anstrengend. Trotzdem ist er sehr freundlich. Er habe sich schon im Vorjahr nach dem "Don Giovanni", wo er als Leporello mit seiner Bühnenpräsenz rasch im Zentrum des Abends stand und viel Beifall bekam, sehr müde gefühlt, aber Figaro sei noch einmal eine absolute Steigerung.

Auf die Frage, welche der beiden Rollen ihm näher stehe, lacht er: "Ich mag beide!" Und er setzt bescheiden fort: Was immer ihm angeboten werde, es sei für ihn eine große Ehre, in einer Mozartoper zu singen, auch wenn er die Titelrolle des "Don Giovanni" 2007 auch schon in Londons Covent Garden gesungen hat. Er sei in Salzburg wieder aufgeregt gewesen wie beim ersten Mal.

Begeisterung für Claus Guth

Besonders genießt Schrott die Zusammenarbeit mit Regisseur Claus Guth, der sie dazu bringt, die psychologischen Tiefen der Rollen auszuloten. Guth dränge sie nicht, sie erarbeiteten alles gemeinsam. Das sei Guths Erfolgsrezept: weil er bescheiden sei und die Sänger extrem respektiere. Guth sage immer: Schließlich seid Ihr die, die raus in die Manege müssen!

Auf diese Weise holt Claus Guth schauspielerisch alles aus den Sängern heraus. In der Generalprobe hätten sie bei den Arien von Simon Keenlyside, der den Conte Almaviva spielt, Tränen in den Augen gehabt. Deshalb seien diese Guth-Inszenierungen auch so fordernd: im Kampf zwischen Sänger und Schauspieler müsse man immer beiden gerecht werden.

Mit acht Jahren erstmals auf der Opernbühne

Erwin Schrott, der 1972 in Uruguay geboren wurde, stand schon im Alter von acht Jahren auf der Opernbühne und sang einen der Lausbuben im Kinderchor von Puccinis "La Bohème". Auch wenn Erwin Schrott später als Mozartsänger Karriere gemacht hat: als Lateinamerikaner hat er auch den Tango im Blut. Das ist der Grund, warum er kürzlich eine Tango-CD herausgebracht hat. Er sieht es als Verpflichtung an, die lateinamerikanische Kultur der Welt näher zu bringen.

Doch zurück zur Karriere von Erwin Schrott: 1998 gewann er den Placido-Domingo-Operalia-Gesangswettbewerb und startete damit seine internationale Karriere. Es folgten Einladungen nach Nizza, Florenz, Hamburg und schließlich nach Covent Garden, an die Scala, die Met oder die Wiener Staatsoper.

"Herr Netrebko"

Seine Erfolge feierte Schrott vor allem im Mozartfach. Und im "Don Giovanni" in Covent Garden war es auch, dass er seine Frau Anna Netrebko kennenlernte, die die Donna Anna sang. Auf die Frage, ob es ihn störe, dass er von Journalisten manchmal "Mr. Netrebko" genannt werde, sagt Erwin Schrott: nein, er liebe doch seine Frau und immerhin sei sie ja auch Frau Schrott. Außerdem könne er nachvollziehen, dass manche Netrebko einfach hübscher fänden, als eben: Schrott.

Textfassung: Ruth Halle