Syrien: Druck wird größer

Fünf Monate hat die arabische Welt der blutigen Niederschlagung der Proteste in Syrien tatenlos zugesehen, nun gibt es erstmals Kritik aus der Region: Saudi-Arabien, Kuwait und Bahrain haben ihre Botschafter in Damaskus zu Beratungen zurückberufen, und Saudi-Arabiens König Abdullah hat sogar das Wort "Tötungsmaschinerie" in seiner Kritik an Syrien verwendet.

Abendjournal, 08.08.2011

Deutliche Worte aus Saudi-Arabien

Wirklich eng befreundet sind Saudi-Arabien und Syrien zwar nicht, mit Kritik an den Praktiken anderer Autokraten in der arabischen Welt hat sich das saudische Herrscherhaus, das ja das eigene Land ebenfalls mit harter Hand führt, aber stets zurückgehalten. Umso größer war daher heute die allgemeine Überraschung über die mehr als deutlichen Worte des saudischen Königs Abdullah: Die Tötungsmaschinerie und das Blutvergießen müssen gestoppt werden, verlangt der König in einer schriftlichen Erklärung, die im Fernsehen verlesen wird, und weiter: das syrische Vorgehen sei für Saudi-Arabien inakzeptabel, wenn das Land den Kurs nicht ändere, werde es im Chaos versinken. Saudi-Arabien berief auch gleich seinen Botschafter aus Damaskus zu Beratungen zurück - ein deutliches Zeichen der Kritik in der Sprache der Diplomaten, noch dazu von einem der einflussreichsten Länder in der arabischen Welt.

Botschafter abberufen

Am Nachmittag folgen dann auch Kuwait und Bahrain, das erst vor kurzem Proteste im eigenen Land brutal niedergeschlagen hat, dem saudischen Beispiel und zogen ebenfalls ihre Botschafter aus Syrien ab.

Und Kritik - wenn auch nicht ganz so deutliche - gab es erstmals auch aus Jordanien: Außenminister Nasser Judeh bezeichnete die Eskalation der Gewalt in Syrien als beunruhigend.

Noch keine Reaktion

Eine offizielle Reaktion Syriens auf die harsche Kritik gibt es noch nicht, die regierungsnahe Presse reagierte aber entrüstet und sprach von Worten, wie man sie nicht von Brüdern, sondern sonst nur aus den USA hören würde.

Weitere Schüsse der Armee

Zu einer Beendigung der Gewaltaktionen gegen die Opposition hat die Kritik bisher jedenfalls nicht geführt: Die syrische Armee beschoss auch heute Stadt Deir al-Zour laut Augenzeugenberichten wieder aus Panzern, und in anderen Städten gibt es Massenverhaftungen.