Syrien bleibt hart

Der Besuch des türkischen Außenministers in Damaskus lässt das syrische Regime offenbar völlig unbeeindruckt. Das Militär geht weiter gegen rebellische Städte vor. Aktivisten berichten, dass Armeepanzer in zwei Ortschaften im Nordwesten nahe der türkischen Grenze eingerückt sind. Auch die Stadt Hama ist weiterhin belagert.

Abendjournal, 09.08.2011

Hunderte Tote in isolierten Städten

Der Armee sei es gelungen, in Hama terroristischen Banden das Handwerk zu legen, berichtet das syrische Staatsfernsehn. Ruhe sei eingekehrt. Die Stadt sei völlig isoliert, berichtet eine heimliche Reporterin aus Damaskus. Von dort Geflüchtete erzählten von 400 Toten in den vergangenen Tagen: Tausende sind aus der Stadt geflüchtet, entweder in die Berge oder hierher nach Damaskus. Und alle berichten von schrecklichen Zuständen.

Armee verbreitet Terror

Die Ortschaften Binnish und Sirmen an der türkischen Grenze - das sind zwei weitere Ortschaften, die das Regime nun im Visier hat. Es ist immer das gleiche Muster: Panzer und Armeefahrzeige fahren auf, es wird geschossen, Soldaten stürmen Häuser und verschleppen Bewohner, aktive und unbeteiligte, um Terror zu verbreiten.

In einer weiteren Widerstandshochburg, in Homs, soll es seit zwei Tagen ruhiger geworden sein. Andernorts gehen die Proteste weiter, aller Gewalt zum Trotz. Im Internet findet man fast stündlich neue Handyvideos, wie dieses, das aus der Stadt Latakia stammen soll.

Türkei interveniert

In Damaskus hat der türkische Außenminister Ahmed Davutoglu heute Präsident Assad getroffen, um diesen ernsthaft - wie heißt - aufzufordern, die brutale Repression sofort zu beenden. Die Türkei teilt mit Syrien 850 Km gemeinsame Grenze und die Regierung von Premier Erdogan hat in den letzten Jahren enge wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen zu Syrien aufgebaut. Nun legt Erdogan das ganze Gewicht der Türkei in die Waagschale, um auf diplomatischem Weg vielleicht doch noch einen Kurswechsel zu erzwingen.

Wirtschaftssanktionen schließt Ankara bis jetzt aus, weil sie in erster Linie die Bevölkerung treffen würden. Und an einer militärischen Intervention hat im Moment kein Land Interesse. Also ging es um Überzeugungsarbeit, mit wenig Aussicht auf Erfolg, wie Türkeiexperte Gerald Knaus im ö1 Mittagjournal gemeint hat.