Wettbewerb zum Bundesliga-Jubiläum
Fußball und Kunst
In Wien fand gestern in der "ZS art Galerie" die Preisverleihung eines Wettbewerbs für Nachwuchskünstler statt, der von der Österreichischen Fußball-Bundesliga initiiert wurde, aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Meisterschaft.
8. April 2017, 21:58
Kulturjournal, 24.08.2011
Anna Soucek spricht mit Roman Horak, Kultursoziologe an der Universität für Angewandte Kunst in Wien
Vielfältige Einreichungen
Dass Sportler sich nicht für Kunst interessieren, stimmt nicht. Der Jahrhundertfußballer und ORF-Sportkommentator Herbert Prohaska präsentierte sich bei der gestrigen Preisverleihung - wenn auch selbstironisch - als Gegenbeispiel: Im Urlaub besucht er mindestens ein Museum, seine Tochter tanzte in der Volksoper und mit dem ehemaligen Direktor der Staatsoper geht er Tennisspielen.
Den Vorsitz der Jury, die nicht nur mit Prohaska, sondern auch mit den Künstlerinnen VALIE EXPORT und Brigitte Kowanz prominent besetzt war, hatte die Künstlerin Mona Hahn inne: "Es waren mehrere Entwürfe zu den Trikots dabei, und sehr viele Einreichungen haben sich mit den körperlichen Ritualen auf dem Fußballplatz beschäftigt. Es gab mehrere Jubelsäulen und so etwas. Viel weniger ging man auf die Architektur des Hauses ein, was mich eigentlich erstaunt hat", so Hahn.
Kultur aktuell, 24.08.2011
Das Siegerprojekt
Das Haus, an dem das Kunstwerk angebracht wird, ist in Wien-Hietzing und es beherbergt die Büros der Österreichischen Bundesliga, die den Wettbewerb "Art Challenge" anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Fußball-Meisterschaft ausgerufen hat. Gewonnen hat das Projekt "Seitenwechsel" der Künstlerin Isabella Kohlhuber.
"Das Objekt ist das Zitat einer digitalen Spielstandsanzeige und zeigt eine Information, die von den Betrachtern von der einen Seite als 1:0 und von der anderen Seite das 0:1 wahrnehmbar ist. Aufs zweite Hinsehen wird einem klar, dass diese Information ausgestanzt ist. Es geht aber nicht so sehr um eine Täuschung oder ein 'Trompe-l'œil' oder sowas, sondern darum, dass diese Information in einem Schwebezustand ist, also ein Paradox", so die Künstlerin.
Idee einer Marketingagentur
Das Kunstwerk ist bereits in Fertigung ist und wird am 6. September 2011 am "Haus der Bundesliga" eingeweiht. Dotiert ist der Erste Preis mit immerhin 5.000 Euro. Die Idee zum Wettbewerb kam von einer Marketingagentur.
Georg Pangl, Vorstand der Österreichischen Bundesliga: "Wir haben gesagt: Im Rahmen der Hunderjahrfeierlichkeiten ist es höchst an der Zeit, mit der Kunst und der Kultur einen Doppelpass zu spielen. Und den haben wir mit dem Nachwuchskünstlerbewerb, der sogenannten 'Art Challenge', ins Leben gerufen. Es gibt sehr viel Gemeinsames, was Kunst, Kultur und Sport aufzubieten haben."
Bedürfnis nach Events
Die Gemeinsamkeiten sind - will man von blumigen Floskeln absehen - vor allem in der professionellen Vermarktung zu finden. Kultur und Sport sind von Subventionen abhängig, fehlende Mittel müssen durch Sponsoring lukriert werden. Das bedingt eine weitere Gemeinsamkeit, die in den letzten Jahren besonders in der Kunst erstarkt ist: Das Bedürfnis nach Events genannten Spektakeln, die Nachfrage nach Stars genannten Helden der jeweiligen Märkte, das mediale Interesse an Rekord-Geldsummen, die im Spiel sind - ob bei Kunstverkäufen oder Spielertransfers.
Exklusivität wird im Museum ebenso wie im Stadion geschaffen, und so durfte auch bei der gestrigen Preisverleihung und Vernissage in der Galerie ZS art der VIP-Cocktail für geladene Gäste nicht fehlen.
